Am Samstag geht es erneut hoch her im Dannenröder Wald. Nachdem Ausbaugegner Blockaden aufgebaut und Pyrotechnik gezündet haben, setzt die Polizei Wasserwerfer ein. FOTO: DPA
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Am Samstag geht es erneut hoch her im Dannenröder Wald. Nachdem Ausbaugegner Blockaden aufgebaut und Pyrotechnik gezündet haben, setzt die Polizei Wasserwerfer ein. FOTO: DPA

Nikolauspäckchen und Wasserwerfer

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Wieder ein Wochenende der Extreme im Dannen- röder Wald: Während am Samstag Wasserwerfer und brennende Barrikaden das Bild bestimmten, gab es am zweiten Advents- sonntag Nikolauspäckchen für die Besetzer. Für die Aktivisten steht fest: Wir machen weiter.

Waldbesetzern und anderen Ausbaugegnern ist es nicht gelungen, die für die A 49 zu fällenden Bäume im "Danni" zu erhalten. Ende vergangener Woche wurde das letzte große Widerstandsnest der Besetzer zu einem großen Teil geräumt. Wer dachte, es würde nun Ruhe einkehren, der sah sich zumindest am Wochenende getäuscht.

Am Samstag ging der Protest mit einiger Härte weiter. Nachdem Barrikaden aufgebaut und Pyrotechnik gezündet worden war, setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Videobilder vom Vortag zeigen zudem Szenen, in denen ein Polizist einen Besetzer tritt, der zuvor von einem Kran heruntergezogen worden war. Mitglieder des Bündnisses "Ende Gelände", die durchaus nicht zimperlich vorgehen, waren am Samstag angerückt. Auch waren laut Polizei Rettungswege zum nahen Logistiklager blockiert worden. Den Aktivisten wurde es zudem untersagt, "Schneebälle zu werfen." Am Sonntag hieß es für Naturschutzorganisationen wie etwa Greenpeace und BUND, erneut zu einer Kundgebung zu mobilisieren, sie wollen verhindern, dass der Protest nach Abschluss von Räumung und Rodung im Dannenröder Wald in sich zusammenfällt. Wieder kamen viele Ausbaugegner von weit her, etwa aus Berlin, Freiburg, Köln. Das große Ziel, so Sprecher der Organisationen, sei noch nicht erreicht, nämlich eine Verkehrswende.

Dafür setzten sich am zweiten Advent auch prominente Fürsprecher ein, darunter "Deutschlands Oberförster" Peter Wohlleben, Fridays-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer und die Schauspielerinnen Luise Befort und Mala Emde. Sie hatten sich frühen Morgen vor die letzten noch stehenden Bäume und auf eine Baumhaus-Plattform im Camp "Oben" gesetzt und verließen den Bereich später wieder, nachdem Polizeibeamte die Plattform umstellt hatten. "Viele von uns stellen sich damit bewusst in die Tradition des Zivilen Ungehorsams", heißt es in einer Erklärung der Teilnehmer. Bundes- und Landesregierung müssten die "Umweltzerstörung endlich stoppen."

Auch die Polizei suchte am Sonntag eher Zurückhaltung zu üben. Zwar standen wieder an die 500 Polizeibeamte im Wald, die sich rund 300 Ausbaugegnern gegenüber sahen. Darunter war wieder eine Gruppe der "Ü-60er."

Es gab das aus den letzten Wochen schon bekannte Szenario. Hier verkleidete und singende, zum kleineren Teil auch die Polizisten beschimpfende Ausbaugegner, auf der anderen Seite die Hundertschaften vor Natodraht an der gerodeten Trasse. Dazwischen Unterstützer, die man teils gewähren ließ, teils nicht: "Ich wollte ein Lebkuchenpaket hochwerfen. Es fiel runter und ich bat einen Polizisten, es hochzuwerfen. Ohne Erfolg," klagte eine Frau. Vielleicht etwas zu viel verlangt angesichts der täglichen Zerreißprobe im Wald, die an die Nerven aller Beteiligten geht.

Über den ganzen Tag hinweg dürften sich wieder knapp an die 1000 Autobahngegner auf dem Gelände nahe der Mahnwache getummelt haben. Dort sollte es im Laufe des Tages auch ein wenig adventlich besinnlich werden. Auf der Bühne auf dem völlig verschlammten Kundgebungsgelände stapelten sich Päckchen, die Menschen aus ganz Deutschland an die Aktivisten geschickt haben. Die Post musste dafür am Freitag einen Extra-Bus einsetzen. Die Päckchen wurde im Laufe des Sonntags verteilt.

Am Rande der Proteste verlautete von den Aktivisten, dass sie weitermachen wollen. So wurde auf den Wegen im Wald wieder an neuen Barrikaden gebaut. Zudem werde es eine Weile dauern, bis die gefällten Stämme abtransportiert sind, sagte ein Ausbaugegner. Anschließend sollen die Bauarbeiten an der Trasse weitergehen: "Wir bleiben." Schon heute dürften die Räumarbeiten weiterlaufen, die Polizisten will die verbliebenen "Strukturen", wie sie es nennt, im Wald beseitigen.

Am Freitag hatte auch in Homberg eine größere Gruppe von Anwohnern gegen den Bau der Autobahn demonstriert.

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