Im Haus der Familie Klein hat ein Turmfalkenpaar fünf Junge großgezogen, das Nest ist unter dem Dach.
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Im Haus der Familie Klein hat ein Turmfalkenpaar fünf Junge großgezogen, das Nest ist unter dem Dach.

Nichts wie raus aus "Hotel Mama"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Turmfalken sind elegante Flugkünstler, die im rasend schnellen Sturzflug Mäuse erbeuten. An ihnen erfreut sich die Familie Klein in Nieder-Ofleiden, in deren Haus die Raubvögel seit 25 Jahren brüten. Aktuell ist besonders viel los, weil fünf Jungvögel ihre ersten Flugversuche starten.

Julius Klein ist fasziniert von den Vögeln. "Schauen Sie, wie er mit den Flügeln schlägt, heute fliegt er noch aus", sagt er und zeigt nach oben. Im Haus der Familie Klein hat ein Turmfalkenpaar fünf Junge großgezogen. Nun sind die braunen Raubvögel groß genug, um sich zunächst noch etwas unbeholfen in die Lüfte zu schwingen.

Für Julius Klein und seine Familie ist das inzwischen ein gewohnter Anblick. Bereits seit 25 Jahren brüten die schnellen Jäger unter dem First des Haus in Nieder-Ofleiden. Und doch ist es immer wieder spannend zu sehen, wie die flauschigen Küken heranwachsen, um schließlich die ersten Flugversuche über den Dächern des Homberger Ortsteils zu versuchen.

Die ganze Familie trägt die Tierliebe mit, auch gelegentliche Kotspritzer von oben werden toleriert. "Da muss man schon manchmal aufpassen", erzählt Julius Klein. Denn die Bruthöhle befindet sich an der Stirnseite des Hauses und damit direkt über dem Vordach und dem Hauseingang. Die jungen Vögel verrichten ihr Geschäft über den Nestrand und hinterlassen auf dem Vordach Häufchen und Fellreste.

Turmfalken fressen fast ausschließlich Mäuse, hat Klein im Laufe der Jahre festgestellt. Nun, da die Jungen fast ausgewachsen sind, "kommen die Altvögel alle Viertelstunde vorbei und schleudern eine Maus in Luke". Er freut sich, dass offenbar genug Nager auf den Wiesen im Ohmtal zu erbeuten sind. Ansonsten würden die Falken auch kleinere Vögel erbeuten, um die eigene Brut großzuziehen. Falken werden etwa so groß wie Tauben, gegen größere Tiere wie Krähen haben sie keine Chance.

Platz für die Neuen machen

Offenbar finden die Turmfalken unter dem Dach der Kleins und auf den Wiesen der Umgebung sehr gute Bedingungen vor. Das etwa 120 Jahre alte Haus aus Sandstein hat an den Giebelseiten unter dem Dach zwei halbkreisförmige Öffnungen. Dadurch wird das Dach hinterlüftet. Die Konstruktion hat aber auch ihre Schattenseiten, wie Klein erzählt. Anfang der 1990er Jahre erlebte er mit, wie starke Stürme fast die Dachziegel abgehoben haben. Deshalb baute er eine stabile Schalwand hinter die beiden Luken. Dadurch entstand ein etwa 50 Zentimeter breiter Sims mit einer Öffnung nach außen und Sicherung nach hinten.

Das ist perfekt für die Turmfalken, wie er etwas später feststellte. Bereits 1995 zogen sie in die Höhle ein und sie bleiben dem Standort treu. "Inzwischen sind rund 125 Tiere hier groß geworden, das ist schon eine Nummer". Die Jungtiere werden verscheucht, wenn sie groß genug sind. Dadurch entsteht wieder Platz für die nächste Brutsaison.

Die Kinderstube der Turmfalken ist karg. "Nur ein paar Ästchen auf dem Mauerwerk, die Eier liegen praktisch auf dem Boden", hat Klein beobachtet. Durch einen schmalen Schlitz in der Schaltafel können er und seine Frau feststellen, wie viele Eier gelegt werden und wie viele Tiere schlüpfen. Im Durchschnitt sind es fünf Jungtiere, die nach dem Schlüpfen wie kleine, gelbe Tennisbälle aussehen.

In diesem Jahr haben sie früh die Hülle abgestreift und sind schneller als sonst gewachsen. "Normalerweise werden sie erst Mitte bis Ende Juni flügge", sagt Klein. Doch das warme Wetter hat wohl für einen frühen Start in die Brutsaison gesorgt. So haben die Kleins nun wieder ein tolles Naturschauspiel vor Augen: Junge Turmfalken, die fliegen lernen. Das ist nicht ganz ungefährlich, so manches Mal haben die Kinder des Hauses in früheren Jahren schon junge Falken von der Straße geholt, damit sie nicht überfahren werden. Denn die ersten Flugtage sind gefährlich, da sind die späteren Flugkünstler noch nicht kräftig genug, um gut zu fliegen. Das ist eine Chance für Katzen der Umgebung. Für das Schauspiel nimmt Julius Klein gerne jeden zweiten Tag den Industriestaubsauger in die Hand, um sogenannte Gewölle vom Vordach des Hauses zu holen. Das sind Fellreste der Mäuse, die als Nahrung dienen.

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