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Nicht zurechnungsfähig

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Die Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. ARCHIVFOTO: SCHEPP © Oliver Schepp

Gießen (pzg). Im Sommer des vergangenen Jahres soll der 44 Jahre alte Somalier in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) sein Bettlaken in Brand gesetzt haben. Dabei entstand ein Schaden von 20 000 Euro. Nun musste sich der Mann am Landgericht Gießen verantworten. Zum Zeitpunkt der Tat soll sich der Beschuldigte in einem Zustand der Schuldunfähigkeit befunden haben.

In dem Sicherungsverfahren geht es um die Frage der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Extreme Rauchentwicklung

Der Staatsanwalt verlas die Antragsschrift, während ein Dolmetscher für den gebürtigen Somalier auf Englisch übersetzte. Der Mann hatte wohl lange Zeit in England gewohnt und war dort bereits in therapeutischer Behandlung. Am Morgen des 31. Juli 2021 wurde die Feuerwehr in die EAEH an der Rödgener Straße gerufen, da dort ein Feuer ausgebrochen war. Der unter einer paranoiden Schizophrenie leidende Beschuldigte, der momentan übergangsweise in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist, soll eine Plastiktüte angezündet und dann auf sein Bett gelegt haben. Erst habe die Decke, dann das Laken und schließlich das ganze Bett Feuer gefangen. Im weiteren Verlauf geriet das Zimmer in Brand. Nach den Löscharbeiten der Feuerwehr blieb nur noch ein vollständig zerstörter und verrußter Raum zurück. Durch die extreme Rauchentwicklung wurden außerdem mehrere Personen - Bewohner der Einrichtung und Mitarbeiter - der Gefahr einer Rauchgasvergiftung ausgesetzt.

Die Schuldunfähigkeit seitens des Beschuldigten - also die Unfähigkeit, das Unrecht der eigenen Tat einzusehen - hat auch die Staatsanwaltschaft anerkannt: Mehrere Gutachten über den gesundheitlichen Zustand des 44-Jährigen attestieren diesem eine paranoide Schizophrenie. In Fällen von Schuldunfähigkeit kommt es anstelle von einer Anklage zu einem Sicherungsverfahren, das zwar nicht auf eine Freiheitsstrafe, jedoch auf die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus abzielt.

Nachdem die Antragsschrift verlesen wurde und der Richter den Beschuldigten seiner Rechte belehrte, wurde die Sitzung vertagt. Einige Sachverständige, deren Aussagen von hoher Relevanz sind, sollen an einem weiteren Verhandlungstag Angaben machen.

In den kommenden Wochen sind noch einige Details zum Vorfall im vergangenen Sommer zu klären. Ob aber ein Motiv zum Vorschein kommen wird, könnte in Anbetracht der Umstände zumindest zweifelhaft sein.

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