Weiterbau der A 49

Nicht unsinnige Projekte von gestern verteidigen

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Der Weiterbau der A 49, der im Jahr 2012 beschlossen wurde, ist exemplarisch der Beweis, wie wenig die politisch Verantwortlichen den Veränderungen, die sich faktisch aus dem beginnenden Klimawandel ergeben und dem daraus resultierenden Wandel des Bewusstseins der Bevölkerung und der Einsicht in unbedingt erforderliche andere Handlungsoptionen Rechnung tragen.

Ein Projekt, was schon vor einem Jahrzehnt äußerst umstritten war und nur unter der fragwürdigen Annahme der "zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses", sowie unter Nichtberücksichtigung der vom Bundesnaturschutzgesetz vorgeschriebenen Prüfung von Trassenalternativen zum Abschluss gebracht wurde, erfüllt heute in keiner Weise die Anforderungen, die man an solche Projekte stellen muss.

Aufgabe einer vernünftigen und positiv die Zukunft gestalteten Politik kann es nicht sein, völlig unsinnige Projekte von gestern mit allen Mitteln zu verteidigen, sondern Wege zu beschreiben mit denen wir unsere Zukunft besser gestalten. Dazu würde der sofortige Stopp des Ausbaus der 49, besonders auf der VKE 40, gehören und wenn schon neue Straßen sein müssen, dann nach den Vorstellungen des Dannenröder Appells, der zu finden ist unter www.stopp-a49-verkehrswende-jetzt.de.

Wer wissen will, wie der Bau der A 49 umweltverträglich zu Ende gebracht werden kann, sollte diesen Appell lesen und unterstützen. In diesem Appell werden auch Vorschläge gemacht, wie die Anwohner der besonders verkehrsbelasteten Bundesstraßen wirklich entlastet werden können. Die DEGES weiß nach eigenen Aussagen nicht, ob es durch den Bau der 49 zum Beispiel auf der B 62 zu einer Entlastung kommt. Wahrscheinlich bedeutet es im Klartext eine Mehrbelastung, denn wenn es eine Entlastung geben würde, hätte man das schon werbewirksam verkündet.

Man kann sich leicht vorstellen, was auf den nahe liegenden Bundes- und Landstraßen passiert, wenn diese A 49 bei Gemünden auf eine zweispurig ausgebaute A 5 geleitet wird. Nach Aussage der Planer, sind Staus auf den Autobahnen in der Planung nicht vorgesehen.

Wenn man bedenkt, dass durch Trockenheit und Borkenkäferbefall der Totalwaldverlust der letzten beiden Jahre gerade bundesweit von geschätzten 180 000 Hektar auf 245 000 Hektar angehoben werden mußte, kann man es nur als Schildbürgerstreich ansehen, wenn für diese Autobahn VKE 40 rund 100 ha schon 50 Jahre ökologisch bewirtschafteter, kerngesunder Wald, gefällt werden soll.

Auf der anderen Seite gibt zum Beispiel das Land 200 Millionen Euro bis 2023 aus, um das Anpflanzen von Bäumen und Wald zu fördern. Paradox oder? Dazu sei angemerkt, dass 2018 und 2019, je nach Standort, 30 bis 90 Prozent der gepflanzten Bäumchen durch die Trockenheit eingegangen sind. Wann wollen wir endlich anfangen und ernst machen mit der Verkehrswende und dem Klimaschutz, wenn nicht jetzt? Haben wir Mut und erhalten wir 100 Hektar gesunden Wald.

Heinrich und Heidi Seim, Homberg

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