Baumbesetzercamp im Dannenröder Forst: Die Aktivisten sind gegen den Ausbau der A49.
+
Baumbesetzercamp im Dannenröder Forst: Die Aktivisten sind gegen den Ausbau der A49.

A49-Ausbau

A49-Ausbau: Riesiger Einsatz am Dannenröder Forst steht an - »Das ist Neuland für die Polizei«

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
    schließen

Nicht nur bei den Aktivisten im Dannenröder Forst laufen die Vorbereitungen auf eine bevorstehende Räumung auf Hochtouren. Der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft (GdP), Andreas Grün (Nieder-Ohmen), berichtet von großen Herausforderungen, was den Infektionsschutz bei einem solchen Großeinsatz in Corona- Zeiten angeht.

Nach einem Jahr Besetzung im Dannenröder Forst steht in Kürze die Räumung des Geländes an, um einen Teil des Waldes für die Autobahntrasse der A49 zu roden. Neben den Aktivisten bereitet sich die Polizei auf den Großeinsatz vor. Einen solchen Einsatz könne Hessen nicht allein bewältigen, sagt Polizeigewerkschaftschef Grün.

An die 1000 Polizisten aus ganz Deutschland werden wohl vor Ort sein. Sie brauchen Übernachtungsmöglichkeiten, Toiletten und Waschräume. Für die Polizei seien solche Großeinsätze schon ohne die Corona-Auflagen eine Herausforderung, gibt er zu bedenken. Grün: »Wir kennen solche Einsätze beispielsweise aus dem Hambacher Forst oder von der Startbahn West in Frankfurt.« Sie bringen immer eine schwierige Lage für die Polizei mit sich, »und ein hohes Verletzungsrisiko«.

Grün verweist auf einen Vorfall kürzlich im Dannenröder Wald, wo zwischen den Bäumen gespannte Drähte entdeckt wurden, hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Man müsse davon ausgehen, dass trotz gegenteiliger Aussagen nicht alle Aktivisten friedlich sind. »Die Erfahrung zeigt uns, dass auch militante Vertreter darunter sind.«

Weil man mit gewaltbereiten Protestlern rechnet, »können wir als Polizei dort nicht blauäugig reingehen«. Die Anzahl der benötigten Polizisten macht Grün an einem Beispiel deutlich. Wenn es etwa mehr als 100 Sitzblockaden gibt, dann brauche man pro Blockade jeweils drei bis vier Beamte, um die Menschen wegzutragen. »Die Polizisten sind dann in engem körperlichen Kontakt mit den Leuten.«

A49-Ausbau im Dannenröder Forst: Tragen Aktivisten eine Maske?

Es stelle sich die Frage, ob die Hygienevorschriften eingehalten werden »und die Aktivisten Maske tragen«. Die Sondereinsatzkräfte sind dafür ausgebildet, auch auf hohe Bäume zu klettern. Sie müssten Aktivisten von den Bäumen holen oder sie bei den zu erwartenden Sitzblockaden wegtragen. Dabei könne ein Infektionsrisiko nicht ausgeschlossen werden.

Das werde eine große Herausforderung, sagt Grün. Und dass vorsorglich ein Ärzteteam bereitstehen wird und ständig Testungen bei den Polizeibeamten auf das Coronavirus stattfinden. »Natürlich werden wir alles tun, um die Kollegen bestmöglich zu schützen.«

Laut Grün bietet die Einsatzmontur mit Visier vor dem Gesicht keinen perfekten Schutz. Zudem schütze das Tragen von Maske oder Visier das Gegenüber, »wenn der Polizist hustet«. Unter dem Visier könnten keine hochwirksamen Schutzmasken getragen werden, weil die körperliche Belastung eines solchen Einsatzes hoch ist. »Natürlich haben wir das aber auf dem Schirm, auf ein Lotteriespiel lassen wir uns nicht ein.« Dennoch fällt Grün kein Vergleich ein, was den bevorstehen Einsatz in Corona-Zeiten angeht: »Das ist Neuland für die Polizei.«

A49-Ausbau im Dannenröder Forst: »Es wurde ja schon angekündigt, dass die Polizisten eventuell mit Fäkalien beworfen werden sollen«

Dazu komme, dass der Einsatz nicht in städtischem Gebiet stattfindet, sondern im ländlichen Raum und mitten im Wald, wo keine regulären Toiletten oder Duschmöglichkeiten bereitstehen. »Es wurde ja im Netz schon angekündigt, dass die Polizisten eventuell mit Fäkalien beworfen werden sollen.«

Deshalb würden vor Ort Sanitätszelte mit Dusch- und WC-Containern aufgestellt und natürlich mit Desinfektionsmittel. Laut Grün wird ein »enormer Kräfteeinsatz« erforderlich sein. So könnten sich Einsätze Tag und Nacht hinziehen. »Wir können nicht tagsüber ein paar Meter Boden gutmachen, die anschließend wieder besetzt werden.« Eventuell müsse das Gelände eingezäunt werden. Weil Polizisten auch von weiter her kommen, wird in der Umgebung bereits nach Übernachtungsmöglichkeiten gesucht.

Was den umstrittenen Bau der A49 angeht, so verweist Grün gegenüber dieser Zeitung auf höchstrichterliche Urteile. »Wenn die Baufirma anrückt und bauen will, dann ist die Polizei mit im Boot. Dem können wir uns in einem Rechtsstaat nicht entziehen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare