A 49

Neue Erkenntnisse berücksichtigen

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Vor dem Hintergrund des strittigen Weiterbaus der A 49 in Verbindung mit Baumfällarbeiten wegen der Trassenführung im Herrenwald, dem Maulbacher Wald und dem Dannenröder Forst habe ich mit an den Ministerpräsidenten Volker Bouffier gewandt. Denn vorerst möchte ich die Argumentation infrage stellen, dass in dieser Angelegenheit alle demokratischen Instanzen durchlaufen sind und der Weiterbau entsprechend der Beschlüsse jetzt umgesetzt werden muss. Durch Wiederaufnahme von Gerichtsverfahren wurden in der Vergangenheit Urteile aufgehoben, weil mittels neuer Ermittlungsverfahren neue Erkenntnisse in Erfahrung gebracht wurden. Warum wird das Planfeststellungsverfahren, welches nicht mehr den heutigen Erkenntnissen entspricht, immer noch als entscheidend eingestuft? Warum kann eine Landesregierung nicht mal den Schneid aufbringen und eine Entscheidung zurücknehmen? Versteckt sich unsere Politik wirklich nur hinter Gesetzen und Parteibüchern, um den Weg des geringsten Widerstandes gehen zu können? Haben Politiker wirklich nicht den Mumm, mal ihre Meinung frei zu äußern? Immer nur umschreibende Erklärungen, gelinde gesagt, viel reden ohne konkrete Aussagen zu machen! In diesem Gebiet, durch das die neue Trasse der A 49 führen soll, wird Trinkwasser für rund eine halbe Millionen Menschen gefördert, was mit dem Weiterbau der A 49 gefährdet wird. Das Wasseramt spricht von einer "Operation am offen Herzen"!

Immer wieder hört man, dass im Raum Stadtallendorf der Boden durch frühere Munitionsfabriken verseucht ist und die Gefahr besteht, dass dieses Trinkwasservorkommen durch tiefer gehende Arbeiten im Boden für den Weiterbau der A 49 extrem gefährdet wird. Ein ökologisch gesunder Mischwald wird trotz des großen Klimaproblems den Interessen der Wirtschaft geopfert.

Darf ich mal eine Frage stellen Herr Bouffier? Haben sie den Wald mal besucht? Gerne mache ich mit ihnen ein Ortstermin! Ein Naherholungsgebiet dieser Art, welches zum FFH-Gebiet erklärt ist, wird den Menschen in und um Homberg einfach genommen! Dies alles kann die Politik doch nicht einfach ignorieren! Gerade ihr Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen macht sich stark für den Klimaschutz und die Umwelt, eine Verkehrswende und alternative Antriebstechnik.

In allen Medien wird der Umweltfrevel diskutiert und verurteilt. Überall will Bundeskanzlerin Angela Merkel die Vorreiterin in Sachen Klimaschutz sein, wobei unsere europäischen Nachbarn diese Vorreiterrolle nicht unbedingt unterstützen. Denn Feinstaub und Abgase kennen keine Grenzen. Gutachten der Firma DEGES, die für den Bau der Autobahn zuständig ist, belegen, dass auf den Bundesstraßen B 3 und B 62 das Verkehrsaufkommen zunehmen wird. Was passiert kurzfristig bei Stau auf der A 5 und der A 49? Die Staus werden umfahren über diese Bundesstraßen. Ich habe Angst, dass die Bürger im Einzugsgebiet dieser Trinkwasservorkommen für rund 500 000 Menschen wieder einmal die Rechnung begleichen müssen. Ist das Trinkwasser erst einmal kontaminiert, werden diese Bürger die Aufbereitung zahlen müssen. Ist dann das Trinkwasser überhaupt noch zu gebrauchen?

Wenn wir weiterhin mit den Ressourcen der Erde so umgehen, wird sich der Mensch selbst schaden! Dies von der Bevölkerung abzuwenden, ist Sache unserer Politiker. Geben sie bitte ihre parteipolitischen Interessen zugunsten unserer gemeinsamen Zukunft auf und treffen sie Entscheidungen zugunsten der Bürger.

Die Themen Lärmbelästigung und Schmutz werden nur umverteilt, die Umwelt dadurch aber weiterhin belastet. Im Gegenteil, es wird gesunder Wald gerodet welcher für die Umwandlung der Abgase enorm wichtig ist. Wenn nicht jetzt Verkehrswende, wann dann? Tun sie was, das ist kein Befehl, nur ein Auftrag! Mit besten Grüßen aus dem schönen Ohmtal.

Ulrich Seibert, Homberg

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