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Auf dem Gelände der vormaligen Alsfelder Molkerei sind die Angebote der neuen Arbeit untergebracht. FOTO: ARCHIV

Neue Arbeit schließt

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Über 25 Jahre lang hat die Neue Arbeit Vogelsberg Menschen betreut und für eine Arbeitsstelle fit gemacht, die ansonsten keine Chance gehabt hätten. Aber in den vergangenen Jahren wurde der Zuschussbedarf für den Vogelsbergkreis zu hoch, konnte die Beschäftigungsgesellschaft über öffentliche Ausschreibungen nicht mehr die seitherigen Einnahmen erzielen. 24 Mitarbeiter werden von einer anderen Firma übernommen, für rund weitere 40 Stellen steht eine Entscheidung im Januar an.

Keine guten Nachrichten für die Neue Arbeit Vogelsberg gGmbH mit Sitz in Alsfeld: Nachdem das zuständige Amtsgericht Gießen am 27. Dezember das Insolvenzverfahren eröffnet hat, steht jetzt fest, dass es wegen der durchweg defizitären Geschäftsbereiche keine Alternative mehr zur sofortigen Betriebsschließung gibt. Der Recyclinghof, das Gebrauchtwarenkaufhaus und das Café ›Alte Molkerei‹ werden sofort geschlossen. Die Bürger werden gebeten, ab sofort keine Waren mehr sowohl an den Recyclinghof als auch an das Gebrauchtwarenkaufhaus anzuliefern, weil keine Waren mehr angenommen werden. Auch Bezugsscheine können nicht mehr eingelöst werden.

Trotz intensiver Sanierungsbemühungen der Geschäftsleitung und der Insolvenzverwalterin Rechtsanwältin Julia Kappel-Gnirs zeichnete sich schließlich ab, dass die verlustreichen Geschäftsbereiche nicht fortgeführt werden konnten. Von der Schließung sind zunächst rund 40 der 72 Beschäftigten betroffen. Die Gemeinschaftsunterkunft, der Garten- und Landschaftsbau und das Sozialcoaching werden noch bis Ende des 1. Quartals 2020 weiterbetrieben. Gleichwohl wird die Insolvenzverwalterin auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiter nach Teillösungen auch für diese Bereiche suchen. Ob sich einzelne Geschäftsbereiche noch übertragen lassen und dadurch weitere Arbeitsplätze gesichert werden, entscheidet sich wohl im Januar.

Neue Dienste nicht betroffen

Für die Gebäudereinigung konnte hingegen eine Auffanglösung gefunden werden. Die Firma Cengiz Kahraman übernimmt alle Reinigungsverträge, die mit Schulen des Vogelsbergkreises bestehen sowie die Mitarbeiter, die dafür tätig sind. "Wir freuen uns, dass wir mit unseren neuen Mitarbeitern gute und motivierte Fachkräfte übernehmen können, die mit Reinigungsabläufen in öffentlichen Gebäuden reichlich Erfahrung haben", sagt Cengiz Kahraman, der mit Reinigungsdienstleistungen bereits für diverse andere öffentliche Gebäude in der Region beauftragt wird.

"Ich bedaure es sehr, dass nicht für alle Bereiche Auffanglösungen gefunden werden konnten. Wenn eine so wichtige soziale Institution wie die Neue Arbeit Vogelsberg nicht fortgeführt werden kann, dann ist das bitter, denn sie hat seit Jahrzehnten eine besondere und überaus wichtige Bedeutung für die Menschen hier in der Region. Über den Erhalt eines nicht unerheblichen Teils der Arbeitsplätze freue ich mich dennoch sehr. Ich hoffe, dass sich für andere Teilbereiche noch weitere Interessenten Anfang 2020 finden werden", sagt Insolvenzverwalterin Julia Kappel-Gnirs.

Ursache der Insolvenz waren verschiedene Faktoren wie verstärkte öffentliche Ausschreibungen der Auftraggeber und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene und schließlich der Umstand, dass die Neue Arbeit bei zwei wichtigen Projekten im Ausschreibungsverfahren 2019 keine Berücksichtigung fand. In Folge dessen musste das Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Gießen einen Insolvenzantrag stellen. Die Träger, der Vogelsbergkreis und das evangelische Dekanat Vogelsberg konnten, nachdem sie über viele Jahre die gemeinnützige Gesellschaft finanziell gestützt hatten, weitere finanzielle Hilfen nicht mehr leisten. Die Tochtergesellschaft Neue Dienste Vogelsberg NDV GmbH ist als eigenständige Gesellschaft von der Insolvenz nicht betroffen und wird unverändert fortgeführt.

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