Der Merlauer Karnevalverein präsentiert Anfang des Jahres neue Kostüme einer Garde. FOTO: PM
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Der Merlauer Karnevalverein präsentiert Anfang des Jahres neue Kostüme einer Garde. FOTO: PM

Nein zur Förderung von Kleidung

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Mücke(rs). In der Gemeinde werden derzeit nicht nur Satzungen überarbeitet, die von den Bürgern in der Neufassung mehr Geld verlangen dürften (Friedhofs- und Kita-Gebühren). In der Diskussion sind auch die Vereinsförderrichtlinien, die die ehrenamtliche Arbeit unterstützen sollen. Dabei haben sich in den vergangenen Monaten die Fronten zwischen Koalition und Opposition kaum verändert, am Mittwoch steht eine Entscheidung in der Gemeindevertretersitzung an.

Die Vereinsförderung der Großgemeinde stellt ausdrücklich eine Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit in den Vordergrund. Je Person unter 18 Jahren werden seither vier Euro im Jahr zugeschossen. Das ist eine tolle Sache für die Arbeit der Sportvereine, deren Angebot zu großen Teilen von dieser Altersgruppe wahrgenommen wird. Aber wie stehen Obst- und Gartenbauvereine da? Sie bemühen sich um Jugendarbeit, aber Jugendabteilungen dort sind eher selten. Ähnlich ist es bei den meisten Gesangvereinen, viele stellen wegen Überalterung sogar das Singen ein. Allerdings erhalten sie immerhin wegen des Dirigenten Unterstützung. Vor diesem Hintergrund fühlen sich Karnevals und Fastnachtvereine etwas im Stich gelassen.

Diese Umstände werden in der Vorlage des Gemeindevorstandes an die Gemeindevertretung aufgegriffen: "Da mit der derzeit gültigen Vereinsförderrichtlinie der Gemeinde Mücke nicht alle Vereine von den möglichen Förderungen profitieren konnte (z.B. Karnevalsvereine), bzw. sich die derzeitige Vereinsförderrichtlinie eher nur an Sportvereine wendet, war aus Sicht der Verwaltung eine Neufassung notwendig. Dies wurde zum Anlass genommen die Vereinsförderrichtlinie in Gänze zu überarbeiten. Die Verwaltung hat den in der Anlage erarbeiteten Entwurf erstellt und diesen auch an mehrere Vereinsvertreter zu Stellungnahme übersandt. Die dabei angekommen Rückmeldungen wurden bereits in den Entwurf eingearbeitet." In der letzten Fassung werden allerdings Verbrauchsmaterialien und Kleidung ausdrücklich als nicht förderfähig charakterisiert.

In der Diskussion des Themas bei zwei Ausschusssitzungen bemängelte kürzlich Dr. Anneliese Brunn (CDU), die aktuelle Fassung der Überarbeitung sei nicht flexibler geworden, das Vorhaben, die Förderung über Sportvereine hinaus zu intensivieren sei konterkariert worden, und es stelle sich die Frage, warum die Koalition die Vereine mit dem Regelwerk "so gängeln" wolle. Brunn forderte, dass Verbrauchsmaterialien gefördert werden sollten. Dem hielt Ottmar Traum (SPD) entgegen, wenn man die förderungsfähigen Dinge so öffne, sehe er "eine riesen Flut von Anträgen auf uns zu kommen". Ein Kompromiss könne höchstens sein, dass man eine Förderung prozentual begrenze und eine Höchstgrenze formuliere.

Auch Günter Zeuner (FW) meinte, "Kleidung soll nicht gefördert werden, das ufert sonst aus, wenn man dem einen die Kleidung fördert, dann muss man das bei anderen auch". Eine Förderung von Seniorenprojekten erachtete er als positiv, die Altersgrenze sollte dabei 65 Jahre sein. Die Steigerung der Förderung je Jugendmitglied von vier auf sechs Euro sei ebenfalls in Ordnung.

Eine Begrenzung der Förderung hielt Anneliese Brunn nicht für nötig, denn letztlich entscheide der Gemeindevorstand über die Zuschussvergabe. Zudem beantrage man auch eine Förderung der Seniorenarbeit und ein Heraufsetzen des Kinder- und Jugendzuschusses nicht nur auf fünf sondern auf sechs Euro.

Prof. Hubertus Brunn wies darauf hin, es sei ein erneutes Mal, dass eine Vorlage des Gemeindevorstandes von der Koalition überarbeitet werde. Brunn wies auf die von der Koalition in den Gemeindevorstand entsandten Personen hin, denen die Gemeindevertreter der Koalition offenbar misstrauten.

Zur Problematik der Fastnachtsvereine erläuterte ein Gemeindevertreter, normale Gardekostüme kosteten zwischen 400 und 600 Euro, die Träger leisteten einen Eigenanteil, und ein Zuschuss könne helfen. Aber von der Befürchtung, dass man dann den Vereinen die Kostüme bezahle, sei man weit weg. In diesem Sinne äußerte sich auch Bürgermeister Andreas Sommer: "Da kommen Vereine, möchten was, und wir wollen Vereine fördern. Und dann schließen wir Vereine aus, aus Angst, es wird zu viel. Dann konterkarieren wir das."

In der Abstimmung wurden die Änderungen in Hinblick auf die Förderung von Seniorenprojekten ab dem 65. Lebensjahr der Beteiligten sowie die Erhöhung des Jugendzuschusses von vier auf sechs Euro einstimmig befürwortet, in der Frage der Förderung von Verbrauchsmaterialien und Kleidung blieb die Koalition bei ihrem Nein.

Die neu gefassten Vereinsförderrichtlinien insgesamt wurden vom Haupt- und Finanzausschuss den Gemeindevertretern einstimmig zur Annahme empfohlen.

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