Das Medieninteresse war groß an der Pressekonferenz des Bündnisses gegen den Bau der A 49 an der Mahnwache Dannenrod. Die Beiträge wurden zudem live auf digitale Plattformen übertragen. FOTOS: JOL
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Das Medieninteresse war groß an der Pressekonferenz des Bündnisses gegen den Bau der A 49 an der Mahnwache Dannenrod. Die Beiträge wurden zudem live auf digitale Plattformen übertragen. FOTOS: JOL

Naturschützer beharren auf Camps

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Gegner des Autobahnbaus im Dannenröder Wald setzen weiter auf zivilen Ungehorsam gegen die geplanten Rodungen. Vertreter etwa der Gruppierung "Wald statt Asphalt" gehen davon aus, dass die beantragten Protestcamps doch noch genehmigt oder durch Camps anderer Gruppen ersetzt werden.

Bei einer Pressekonferenz am Rande des Dannenröder Forstes erklärten Sprecher der beteiligten Gruppen, sie rechneten in nächster Zeit "mit 6000 bis 8000 Demonstranten aus ganz Deutschland". Dem hatte das Regierungspräsidium bisher durch seine Verfügung von dieser Woche (die Alsfelder Allgemeine Zeitung berichtete) einen Riegel vorgeschoben. Daraufhin wurde Klage erhoben, um durchzusetzen, dass vor allem die Camps stattfinden können.

Beim Pressegespräch verwiesen Vertreter der Aktionsgruppen darauf, dass "immer mehr Umweltgruppen ihre Unterstützung zugesagt" hätten. Um die Rodung des betroffenen Waldstücks bei Dannenrod zu verhindern, rufen sie zum Besuch des Hüttendorfs auf. Damit sollen der Vogelsberger und der überregionale Protest verknüpft werden. Bereits am Sonntag sollen bundesweite Aktionen starten, ab dem nächsten Samstag sollen die Protest-Camps ausgebaut werden, kündigte Aktivistin "Lilli Claudi" an. Zwei Standorte seien genehmigt und wenn die anderen untersagt bleiben, wollten andere Gruppen solche Zeltlager ermöglichen, meinte "Robin Sommer" aus der Gruppe der Waldbesetzer. Die Autobahn dürfe nicht gebaut werden, damit "Ferrero die Kinderschokolade fünf Minuten schneller zu den Kindern bringen kann". Der Bau der Autobahn erfolge allein "für Ferrero, die schwarz-grüne Landesregierung und die Autoindustrie".

Angst vor der Polizei

Barbara Schlemmer betonte besonders, dass sie für die Bürgerinitiative "Keine A 49" spreche. Sie wandte sich klar gegen persönliche Angriffe auf digitalen Plattformen. Schließlich appellierte sie daran, gewaltfrei zu bleiben. Mit Sorge sieht sie, dass Spaziergänger Angst hätten, in den Wald zu gehen, seit die Sicherheitsfirma im Auftrag der DEGES patroulliere: "Das gab es nie während der Waldbesetzung." Schlemmer forderte des Weiteren eine neutrales Gutachten zur Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie. Es gelte, die Gesetze zu beachten. Mit der Begutachtung sei die DEGES betraut, aber das sei so, "als wenn ich selbst meine Steuererklärung prüfe anstelle des Finanzamts".

Der Widerstand gegen die A 49 besteht seit vielen Jahren, wie Dr. Wolfgang Dennhöfer vom Naturschutzverband BUND betonte. "Es ist nicht möglich, eine Autobahn in diesem Bereich umweltverträglich zu bauen." Es könne nicht angehen, dass in der Wasserschutzzone Gleental bis zu 30 Meter tiefe Gründungen für eine Brücke gebaut werden. Dort dürften Landwirte nicht einmal einen Schuppen errichten. Wegen der Klimakatastrophe dürfe die A 49 nicht durch Waldgebiete gebaut werden. Es sei "das ganz große Verdienst" der Waldbesetzer, dass der Wald noch steht. "Ohne ihre Aktion wären die Bäume im letzten Winter abgeholzt worden".

Waldbesetzer sehen das Vorgehen der Polizei kritisch, die "nach Vorwänden sucht, um uns zu kriminalisieren". Sie hätten Angst "vor Gewalt und Willkür. Es sei Essen gestohlen worden und "versucht, die Wasserversorgung abzuschneiden". Noch weiter ging Aktivistin "Lola Löwenzahn" vom Bündnis "Autokorrektur". Die Situation im Wald habe sich durch die Aktivitäten des DEGES-Sicherheitsdienstes und der Polizei zugespitzt. Der zivile Ungehorsam sei das letzte Mittel, um die Autobahn noch zu verhindern. "Friedlich, aber bestimmt" wollten die Umweltschützer ihre Körper zwischen Kettensägen und Bäume stellen.

Hintergrund: Beim Weiterbau der A 49 handelt es sich um den sogenannten Lückenschluss zwischen Nord- und Mittelhessen von der Anschlussstelle Schwalmstadt bis zum Ohmtaldreieck als Verbindung mit der A 5. Der Bau soll in diesem Jahr mit der Rodung der Fläche beginnen und 2024 abgeschlossen sein. Der rund 31 Kilometer lange Lückenschluss erfolgt in zwei Abschnitten. Hierfür liegt seit 2012 bzw. 2017 ein Planfeststellungsbeschluss und damit Baurecht vor. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im Juni dieses Jahres eine Klage des BUND gegen den Weiterbau der Autobahn zurückgewiesen. Die DEGES wurde vom Land in Vertretung des Bundes mit der Realisierung der Neubauabschnitte beauftragt. Die Waldbesetzer wollen nicht hinnehmen, dass Teile des Waldes mit bis zu 300 Jahre alten Bäumen gerodet werden. Der Wald gilt seit den 1980er Jahren als Beispiel für nachhaltige Forstwirtschaft.

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