Ein Storch bei Wettsaasen auf der Suche nach Futter und Nistmaterial. FOTO: ULRICH FRITZGES
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Ein Storch bei Wettsaasen auf der Suche nach Futter und Nistmaterial. FOTO: ULRICH FRITZGES

Die Natur erwacht

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Vogelsbergkreis(pm). In der Corona-Krise haben die Städtchen und Dörfer im Vogelsberg einen Vorteil: Man ist in Zeiten des Abstandsgebotes rasch draußen im Feld oder im Wald, kann ohne Mund-Nasen-Schutz tief durchatmen.

Das werden jetzt viele Menschen nutzen, die seither eher weniger Bezug zu Pflanzen und Tieren hatten, aber jetzt sehen sie am Wegesrand viel Unbekanntes. Anders ist das bei Walter Märkel aus Alsfeld, der als NABU-Mitglied bereits seit Jahrzehnten an Tieren und Pflanzen interessiert ist und sich im Laufe der Jahre viel Wissen angeeignet hat.

Die meisten Fotos auf dieser Seite stammen von ihm und er hat dazu auch sehr interessante Informationen. Das kann für andere Leser Anlass sein, den nächsten Spaziergang etwas aufmerksamer zu unternehmen.

Charaktervogel Wasseramsel

Märkel berichtet von den Störchen auf dem Alsfelder Leonhardsturm, dass zwei weibliche Vögel aus unerfindlichen Gründen das Weite gesucht haben. So habe sich Storchenweibchen Franzi schließlich zur Familiengründung mit Dorian auf dem Leonhardsturm bewegen lassen. Der Schlupf der Küken stehe wohl "unmittelbar bevor".

Die Graureiher-Kolonie an der Schwalm sei unterdessen ziemlich verwaist. Offensichtlich seien einige Paare zur neuen Kolonie oberhalb des Stausee-Hotels abgewandert.

Mit Fug und Recht lasse sich die Wasseramsel als Charaktervogel an Krebsbach, Mühlgraben und Schwalm bezeichnen. Als einziger Singvogel kann sie schwimmen und tauchen. Oft knicksend auf Steinen sitzend macht sie der weiße Brustlatz unverkennbar. Insektenlarven unter Wasser sind eine bevorzugte Beute für den Nahrungsspezialisten Wasseramsel. Häufige Einflüge zum nicht einsehbaren Nistplatz verraten, dass der Nachwuchs ständig auf Futter wartet. Am Alsfelder Erlenteich hat der Nachwuchs eines Nilgans-Paares überlebt. Bei einem Nickerchen am Uferrand lassen sie sich auch von Spaziergängern kaum stören. Einige Paare Reiherenten würden zudem noch die Ruhe vor der deutlich später beginnenden Brutzeit genießen.

Am Stausee zwischen Angenrod und Seibelsdorf gibt dagegen ein Höckerschwan-Paar dem Naturfreund Märkel unlösbare Rätsel auf. Bereits im vergangenen Jahr habe das junge Weibchen fast drei Wochen lang auf einer Nestburg gesessen - ohne Ergebnis. Ein im Ufergestrüpp gut verborgenes Nest habe vor wenigen Wochen die begründete Hoffnung auf Nachwuchs geweckt. Doch erneut habe sich die vermeintliche Brut als "Fake" erwiesen. Das Paar gehe inzwischen wieder gemeinsam auf Nahrungssuche. Über die Gründe des erneuten Fehlversuches könne nur gerätselt werden. Auch in der Literatur sei von eventuellen Übungsbruten nirgends die Rede. Keine Spur gibt es auch von Eiern im verlassenen Nest, allerdings sei der in die Jahre gekommene Schwanenmann schon wieder mit Ausbesserungen am Nest beschäftigt.

Haubentaucher besetzen Nester

Erfreuliche Nachrichten gibt es dafür bei den Haubentauchern. Nach anfänglichem Zögern ist inzwischen eine Reihe von Nestern besetzt. Die Gelege dürften in wenigen Tagen komplett sein. Von etwa zehn brütenden Paaren ist Nachwuchs zu erwarten.

Für Märkel völlig überraschend hat sich noch ein verspäteter Fischadler auf dem Durchzug blicken lassen. Seine Artgenossen hätten dagegen schon vor geraumer Zeit die Brutgebiete in den östlichen Bundesländern erreicht.

Bei den alteingesessenen Storchenpaaren auf dem Molkerei-Schornstein von Loshausen und am Bahnradweg dürften die ersten Küken geschlüpft sein. Das Naturnest auf dem Schornstein eines Wohnhauses habe aus Sicherheitsgründen entfernt werden müssen. Das Storchenpaar sei aber ohne Zögern zur Nistplattform auf einer nahe gelegenen Scheune gewechselt.

Wer seine Blicke häufiger mal in Bodennähe schweifen lässt, dem dürfte ein "gefährlich" aussehendes Insekt nicht entgangen sein. Es handelt sich dabei um den großen Wollschweber aus der Ordnung der Zweiflügler. Auffällig ist sein enorm langer gerader Saugrüssel, der aber ausschließlich der Nahrungsaufnahme dient und keineswegs zum Stechen geeignet ist.

"Bleibt gesund und trotz aller Widrigkeiten fasziniert und neugierig", rät der Naturfreund Märkel.

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