So war’s einmal, so wird’s erst mal nicht mehr? Die Narren im Vogelsberg sind angesichts der anhaltenden Corona-Krise skeptisch, was die neue Kampagne angeht. Gruppen wie hier vom Homberger Stiefelclub treffen sich aber zum Üben, damit der Zusammenhalt nicht verloren geht. FOTO: NR
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So war’s einmal, so wird’s erst mal nicht mehr? Die Narren im Vogelsberg sind angesichts der anhaltenden Corona-Krise skeptisch, was die neue Kampagne angeht. Gruppen wie hier vom Homberger Stiefelclub treffen sich aber zum Üben, damit der Zusammenhalt nicht verloren geht. FOTO: NR

Narren sehen eher schwarz

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Kann man in der Pandemie Fasching feiern? Mit Abstand, Mund-NasenSchutz, ohne Schunkeln und Singen? Schwer vorstellbar. Seit Wochen laufen bei heimischen Faschingsvereinen die Überlegungen, wie mit der neuen Kampagne zu verfahren ist. Die Hoffnungen werden immer kleiner.

Fasching feiern geht in Corona-Zeiten gar nicht? Nicht nur Gesundheitsminister Jens Spahn ließ zuletzt mit seinen Aussagen Hoffnungen der Karnevalisten sinken. Dennoch wollen nicht alle heimischen Vereine die nächste Kampagne verloren geben.

Alsfeld

Torsten Funk vom Alsfelder Carneval Club (ACC) will sich demnächst noch einmal mit seinen Vorstandskollegen beraten, er sieht derzeit aber wenig Chancen, eine wie sonst übliche Sitzung samt Weiberfasching und Kinderprogramm durchzuziehen. Er nennt auch das finanzielle Risiko, der Verein bestreitet die Kosten nicht nur aus den Sitzungen, sondern ist auf sonstige Einnahmen angewiesen, die aber etwa durch das ausgefallene Stadtfest nicht eingehen. "Wir schieben noch nicht alle Überlegungen weg, aber die Tendenz geht derzeit eher in Richtung Absage." Angesichts der momentan schon rollenden zweiten Welle bei den Corona-Infektionen könne und wolle man sich als Veranstalter eine solche Negativwerbung nicht leisten, falls es unglücklicherweise zu einem Infektionsgeschehen kommt. "Wir gehen nicht unter", aber: Funk hofft, dass die Narren trotz allem dem Club die Treue halten, "wir sind ja hier in der Gegend keine Karnevalshochburg." Für die Kindergruppen, die wieder trainieren, könnte man sich für nächsten Sommer vielleicht einige Auftrittsmöglichkeiten vorstellen, damit sie motiviert bleiben und ihr Einstudiertes auch einmal vor Publikum zeigen können.

Ulrichstein

Hart trifft es natürlich auch den erst vor zwei Jahren neu gegründeten Karnevalsverein Mullstaa, der in Ulrichstein mit viel Elan gestartet war. Vorsitzende Ute Grimm sagt, man sei sich noch nicht ganz im klaren darüber, "aber wir wissen natürlich, dass es nicht wie sonst wird, falls etwas stattfinden kann." Mitte September will man noch einmal beraten und dann eine Entscheidung fällen. Es gab Überlegungen, die wieder verworfen wurden: Veranstaltung im Freien, nur für drei Stunden zusammenkommen, aber es wurde immer wieder deutlich, dass die geforderten Bestimmungen nur sehr schwer oder gar nicht einzuhalten sind, wenn möglicherweise mehr feierlustige Menschen erscheinen als geplant.

"Wir haben schon als Gag überlegt, einen guten Maskenball zu machen," so Grimm. Aber auch das werde man wegen der Hygienevorschriften nicht hinbekommen. Hier dürfte man nicht leichtsinnig handeln, "wir müssen an die Allgemeinheit denken." Die Überlegung, eine Videoübertragung zu präsentieren, wurde ebenfalls verworfen. Derzeit fängt die Garde wieder an zu trainieren, denn: "Wir müssen uns treffen, sonst fällt am Ende die Gruppe auseinander."

Mücke

Für Karnevalvereine bleibt auch ein finanzielles Risiko, wenn sie in die detaillierte Planung gehen und am Ende Veranstaltungen kurzfristig absagen müssten. Das hat in diesem Jahr schon die Mücker Umzugs GbR erwischt. Die musste den großen Umzug im Februar wegen des Wetters absagen, ein schwerer Sturm war angekündigt. Dann kam Corona und fegte die Überlegung, die von vielen geliebte Veranstaltung vielleicht im Sommer nachzuholen, weg. Und ein Umzug unter Corona-Bedingungen? Nicht vorstellbar. Er würde unter den derzeitigen Bedingungen von den Behörden wohl kaum genehmigt, so Tröller. Dann wäre der Zug schon zweimal ausgefallen, in diesem Jahr beliefen sich die Einbußen durch die Absage schon auf einen vierstelligen Betrag. "Die Spardose ist leer," so Tröller, Man überlege derzeit noch und werde im September oder Oktober entscheiden, dann steht eine Mitgliederversammlung an. Die Tanzgruppen üben derzeit unter den geltenden Corona-Bestimmungen. "Eine gewisse Hoffnung haben wir noch", äußert Tröllert. Immerhin habe man den Vorteil, dass man nicht langfristig Veranstaltungshallen anmieten muss.

Homberg

Maja Metz vom Homberger Stiefel-Club äußerte, die Verantwortlichen gingen die Sache noch relativ entspannt an. Denn man müsse nicht langfristig eine Halle buchen. "Wir sind sehr flexibel, haben die Stadthalle auf alle Fälle mal geblockt." Im Zweifelsfalle könne man schnell etwas auf die Beine stellen, darin sei man geübt. Noch ist beim Traditionsverein nicht klar, ob und in welcher Weise ein Faschingsvergnügen stattfinden kann, ob mit Publikum oder nur für Vereinsinterne?

Die aktuelle Situation mit den geltenden Beschränkungen lasse die gewohnte Kappensitzung nicht zu, das sei klar. Ende August werde man sich zusammensetzen, um Ideen zu sammeln und gegebenfalls "an einem Plan B zu stricken." Für Ende Oktober seien je nach Lage vielleicht weitere Lockerungen möglich, hofft Metz. Die Gruppen des HSC haben nach den Ferien wieder angefangen zu trainieren. Das sei in der großen Stadthalle problemlos unter Einhalten der Regeln möglich. "Unsere Gardemädels können die 1,50 Meter Abstand halten."

Metz sagt, man streiche nicht grundsätzlich die Segel: "Irgendetwas wird gehen, die Frage ist nur, was."

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