Bei der Gedenkfeier sind (v. l.) Ortsvorsteher Hans Jürgen Schneider, Bürgermeister Leopold Bach, Pfarrerin Dorothea Witznick sowie Hans Gelhar und Hans Walter Stein von der Reservistenkameradschaft. FOTO: HSO
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Bei der Gedenkfeier sind (v. l.) Ortsvorsteher Hans Jürgen Schneider, Bürgermeister Leopold Bach, Pfarrerin Dorothea Witznick sowie Hans Gelhar und Hans Walter Stein von der Reservistenkameradschaft. FOTO: HSO

Nagelkreuz erinnert an Coventry

  • vonHerbert Schott
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Feldatal(hso). "Nie wieder!" So lautete das übereinstimmende Credo von Bürgermeister Leopold Bach, Hans Gelhar von der Reservistenkameradschaft und Pfarrerin Dorothea Witznick in ihren jeweiligen Ansprachen zum Volkstrauertag. In Groß-Felda fand in diesem Jahr erstmals eine zentrale Veranstaltung zum Volkstrauertag der Gemeinde statt. In den anderen Ortsteilen gab es dafür keine offiziellen Andachten.

Am Volkstrauertag gedenkt man der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Völker und Nationen. Man erinnert an die Soldaten, die zivilen Kriegsopfer, die Opfer von Massakern und Genoziden und man denkt an die Toten der Diktaturen. Das war den Reden bei der Gedenkstunde zu entnehmen. Gedacht wurde außerdem an Opfer und menschliche Schicksale, die in Glaubenskriegen, in ideologischen Schlachten und anderen Krisen und Auseinandersetzungen zu beklagen sind.

Erinnerung an Bombennacht

In ihrer Kurzpredigt ging Pfarrerin Dorothea Witznick besonders auf die Zerstörung der Stadt Coventry in England ein und erzählte außerdem von der "Nagelkreuzgemeinschaft". Fast auf den Tag genau begann vor 80 Jahren am Abend des 14. November 1940 der verheerende Angriff der deutschen Luftwaffe auf Coventry. Über 500 Menschen kamen dabei in der Bombennacht ums Leben, 1000 wurden verletzt. Mehr als 4000 Häuser wurden völlig zerstört, außerdem drei Viertel der Rüstungsanlagen und Flugzeugwerke der Stadt. In dieser Nacht warf die deutsche Luftwaffe 500 Tonnen Sprengbomben und über 30 000 Brandbomben ab.

Der zynische Name der Luftangriffe lautete damals "Operation Mondscheinsonate". Getroffen und völlig zerstört wurde dabei auch die St Michael’s Cathedral in Coventry. An der Stelle entstanden nach dem 2. Weltkrieg ein Versöhnungszentrum und die "Nagelkreuzbewegung". Der damalige Domprobst Richard Howard hatte 1940/41 drei Zimmermannsnägel aus der zerstörten Decke der Kathedrale geborgen und diese zu einem Kreuz formen lassen. Später entstand daraus eine internationale Bewegung. 160 Gemeinden weltweit, viele davon auch in Deutschland, haben ein solches Nagelkreuz.

Diese Gemeinden sind fest entschlossen, die Versöhnungsarbeit zwischen den ehemals Verfeindeten fortzusetzen. Pfarrerin Witznick sagte: "Erinnerung bedeutet für uns immer, nicht zurück-, sondern nach vorne zu schauen. Friede und Versöhnung geben Zukunft, Hass zerstört."

Nach den Kranzniederlegungen sprach man noch gemeinsam das "Versöhnungsgebet von Coventry", wobei immer am Ende eines Satzes "Vater vergib!" gerufen wurde. Vor allem diese Worte, die in die alten Mauern der Ruine von St Michael’s Cathedral eingemeißelt sind, lassen viele anders über die Menschen nachdenken, die vorher Feinde waren.

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