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Närrische Pläne unter Vorbehalt

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Von: Lena Karber

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Nachdem die vergangene Kampagne komplett ausgefallen ist, hoffen die Narren hierzulande, dass 2021/2022 wieder gemeinsam gefeiert werden kann, so wie hier beim traditionellen Springerzug in Herbstein. ARCHIVFOTO: UWE ZUCCHI/DPA © Red

Normalerweise würden die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren laufen, denn in weniger als drei Monaten startet sie bereits wieder: die närrische Zeit. Bei den Karnevalsvereinen in der Region scheint die Handbremse jedoch noch angezogen, zu groß ist die Unsicherheit. Begraben hat man die Hoffnungen auf das gemeinsame Feiern aber noch nicht.

Während die meisten Leute zu dieser Jahreszeit wohl kaum einen Gedanken an Karneval verschwenden, sieht das bei den Aktiven in den Vereinen anders aus. Frei nach dem Motto »Nach der Kampagne ist vor der Kampagne« starten normalerweise vielerorts bereits um Ostern die ersten Vorbereitungen und Trainings. Doch in diesem Jahr ist das Bild weniger als drei Monate vor dem Start der närrischen Zeit ein anderes. »Wir hoffen, dass wir Veranstaltungen durchführen können, haben aber noch nichts fixiert«, sagt etwa Thomas Tröller vom Merlauer Carnevals Verein.

Nachdem die Kampagne 2020/2021 vollständig der Pandemie zum Opfer gefallen ist, ist die Unsicherheit bei den Karnevalisten in der Region groß. Kein Wunder: Ob und unter welchen Bedingungen im November, Januar und Februar Veranstaltungen stattfinden können, steht noch in den Sternen.

Doch Faschingsfeiern unter Einhaltung der AHA-Regeln? Das scheint schwer vorstellbar. »Die Frage ist: Wenn man Abstand halten muss und nicht singen darf, hat es dann noch etwas mit Fastnacht zu tun?«, sagt Manuel Hensler, Vorsitzender der Fastnachtsvereinigung Herbstein. Hinzu kommt das Problem, dass noch nicht absehbar ist, wie viele Gäste die Vereine empfangen dürften und damit die Frage: »Rechnet sich das oder müssen wir drauflegen?«

Entsprechend planen die Vereine noch vorsichtig. Das Anmieten der Hallen, das Buchen von Kapellen, Bands und Technik - all das wird zwar angeleiert, aber unter Vorbehalt. »Wir reden mit den Leuten, dass sie sich bereithalten sollen«, sagt Henser. »Und wo wir Verträge eingehen müssen, schauen wir, dass wir da wieder rauskommen.« Ein paar Dinge gelte es allerdings bald zu entscheiden, etwa, ob Orden bestellt werden - »Das ist schon ein großer Kostenpunkt und wenn die Kampagne ausfällt, ist das Geld natürlich weg«, sagt Hensler.

Keine Sorgen müssen sich die Vereine bislang um ihre Mitglieder machen: die Zahlen sind trotz der ausgefallenen Kampagne stabil. Dennoch fehlt, wie in vielen anderen Bereichen auch, natürlich oftmals der Kontakt. Dem will man etwa in Groß-Felda nun entgegensteuern. »Wir haben einen monatlichen Stammtisch ins Leben gerufen, sodass die Mitglieder wieder zusammenkommen und sich nicht aus den Augen verlieren«, sagt Martin Lang von Knuts Hut Club. Organisiert werden soll das ganze im Wechsel von den verschiedenen Gruppen, sodass im Vereinshaus jeden Monat etwas anderes angeboten wird.

Die aktiven Tänzer und Tänzerinnen kommen inzwischen jedoch vielerorts ohnehin wieder regelmäßig zusammen, denn die meisten Gruppen haben das Training bereits aufgenommen oder wollen nach den Sommerferien starten. Doch mit welchem Ziel? Beim MCV Merlau ist man da noch skeptisch. »Die Gruppen werden einen Tanz einstudieren, aber da liegt der Fokus nicht drauf«, sagt Tröller angesichts der unsicheren Lage. Stattdessen gehe es eben auch darum, sich fit zu halten und in Kontakt zu bleiben.

»Wir gehen schon davon aus, dass Veranstaltungen stattfinden können, rechnen aber damit, dass es nicht so wie vor der Corona-Zeit sein wird«, heißt es aus Groß-Felda. Doch auch wenn es wohl erst recht kurzfristig Klarheit über die Möglichkeiten geben wird, will man gerüstet sein. »Unsere Gruppen trainieren jetzt erst einmal so als wenn dieKampagne stattfinden würde«, sagt Lang.

Damit fährt man einen ähnlichen Kurs wie in Herbstein, wo die Gruppen im vergangenen Sommer schon einmal das Training aufgenommen hatten - und dann aber wieder einstellen mussten. Daran will man anknüpfen. »In die Tänze ist teilweise schon viel Arbeit gesteckt worden und das wird jetzt wieder aufgefrischt«, sagt Hensler.

Grundsätzlich, das wird deutlich, haben die Karnevalisten die Kampagne also noch nicht abgeschrieben. »Ich persönlich gehe ja davon aus, dass mehr möglich sein wird als letztes Jahr, denn da war ja gar nichts möglich«, sagt Hensler. Wie viel das letztlich sei, müsse man abwarten. »Aber ich hoffe natürlich, dass wir schnell wieder mit allem feiern können, was die Fastnacht ausmacht«, sagt er. »Und gehemmmtes Feiern in vollen Sälen ohne Abstand, sondern mit schunkeln und Polonaise - also genau das Gegenteil von dem, was uns die Pandemie abverlangt.«

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