Das Storchenpaar Dorian und Franzi bessert immer wieder das Nest aus. FOTOS: MÄRKEL
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Das Storchenpaar Dorian und Franzi bessert immer wieder das Nest aus. FOTOS: MÄRKEL

Nachwuchs in der Natur

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Vogelsbergkreis(pm). In der Corona-Krise haben die Städtchen und Dörfer im Vogelsberg einen Vorteil: Man ist in Zeiten des Abstandsgebotes rasch draußen im Feld oder im Wald, kann ohne Mund-Nase-Schutz tief durchatmen. Das werden jetzt viele Menschen nutzen, die seither eher weniger Bezug zu Pflanzen und Tieren hatten, aber jetzt sehen sie am Wegesrand viel Unbekanntes. Anders ist das bei Walter Märkel aus Alsfeld, der als NABU-Mitglied bereits seit Jahrzehnten an Tieren und Pflanzen interessiert ist und sich im Laufe der Jahre viel Wissen angeeignet hat. Die meisten Fotos auf dieser Seite stammen von ihm und er hat dazu auch sehr interessante Informationen. Das kann für andere Leser Anlass sein, den nächsten Spaziergang etwas aufmerksamer zu unternehmen.

"#bleibzuhause gilt glücklicherweise nicht für die heimische Natur. Und die ist im Frühling so spannend wie zu keiner anderen Jahreszeit", schreibt Märkel in seinem aktuellen Beitrag. Schließlich kenne die Tierwelt jetzt nur ein einziges Thema: Nachwuchs! Dabei als Naturbeobachter den kompletten Überblick zu behalten, sei schier unmöglich. Für Neugier seien somit immer wieder Tür und Tor geöffnet. Der folgende Natur-Ticker könne also nur ein bescheidener Ausschnitt sein aus der unendlichen Fülle der Ereignisse.

Aus der Alsfelder Kernstadt berichtet Märkel: "Dass unser Storchenpaar Dorian und Franzi auf dem Leonhardsturm Nachwuchs hat, ist schon seit geraumer Zeit kein Geheimnis mehr. Aber ohne den beschwerlichen Aufstieg auf den Kirchturm, dauert es entsprechend lange, bis man Gewissheit über die Anzahl der Küken hat: Es ist ein Trio und macht durchweg einen munteren Eindruck. Nur die herrschende Trockenheit gibt Anlass zur Sorge, dass Nahrungsmangel zum großen Problem werden könnte.

Was die Graureiher bewegt haben mag, das idyllische Ambiente an der Schwalm aufzugeben, weiter Richtung Innenstadt vorzudringen und in den wenigen Nadelbäumen am "Grünen Kranz" eine neue Kolonie zu gründen, wird wohl ewig ihr Geheimnis bleiben. Fast alle Jungreiher sind inzwischen flügge und haben bereits den Alsfelder Luftraum erobert. Lediglich ein Reiherpaar ist im Bereich der Erlen verblieben. Der Nachwuchs im ziemlich versteckten Horst am Steilhang Richtung Autobahn braucht ebenfalls nur noch wenige Tage bis zu den ersten Flugversuchen.

Die lange Suche nach einer Nisthöhle der Grünspechte war schließlich von Erfolg gekrönt. Grünspechte sind keine "Trommler" wie Bunt- und Schwarzspecht. Das relativ weiche Holz alter Weiden kommt ihnen deshalb beim Anlegen einer Bruthöhle entgegen. Das Elternpaar ist bei der Fütterung ziemlich misstrauisch und lässt sich von den Küken hinreichend "bitten", bis die nahrhafte Ladung Weichfutter in die aufgesperrten Schnäbel gestopft wird. Die Farbzeichnung am Kopf lässt schon den Unterschied der Geschlechter erkennen.

Viel unauffälliger und wenig lautstark ist dagegen unser kleinster Vertreter aus der Familie Spechte. Gerade einmal sperlingsgroß trägt er den wenig klangvollen Namen "Kleinspecht". Meist huschen sie bei der Nahrungssuche unauffällig unter Ästen entlang und werden so von Spaziergängern fast immer übersehen. Glücklicher Zufall für den Fotografen, dass beim Ansitz auf die Grünspechte auch zwei bereits flügge Kleinspechte ins Blickfeld gerieten. Als "Ästlinge" werden sie noch geraume Zeit vom Kleinspecht-Weibchen - ohne jedes Rot im Gefieder - mit Nahrung versorgt, ehe sie schließlich selbstständig werden.

Höckerschwäne geben Rätsel auf

Im niedrigen Bewuchs aus Brennnesseln, Mädesüss und anderen Pflanzen neben der Schwalm ist außerdem immer wieder ein unermüdlicher Sänger zu hören. Wohl dem, der sich Vogelstimmen gut einprägen kann und auf Anhieb weiß: natürlich ein Sumpfrohrsänger! Andernfalls hilft zur Bestimmung der Art nur ein Blick in den Vogelführer oder etwas moderner: die richtige App. Die Suche im Vogelführer kann bei den vielen Zweig- und Rohrsängern schon mal zu einer kniffligen Angelegenheit werden.

Wem die Vogelwelt nicht ausreicht, der kann im Reich der Insekten ein noch viel umfangreicheres Betätigungsfeld finden - trotz des viel zitierten Insektensterbens. Als "leuchtendes" Beispiel sei hier nur die Blauflügel-Prachtlibelle erwähnt, die von der Wärme der letzten Tage hervorgelockt an allen möglichen Gewässerrändern schon ihre Balzflüge vollführt.

Am Stausee zwischen Angenrod und Seibelsdorf geht das Rätselraten bei den Höckerschwänen munter weiter. Nach einer offensichtlichen "Probebrut" von etwa 14 Tagen und einer anschließenden ebenso langen schöpferischen "Pause" sitzt das junge Schwanenweibchen erneut auf dem Nest. Und diesmal könnten zwischen den weißen Federn tatsächlich auch eine geringe Anzahl von Eiern versteckt sein. Nach dem alten Spruch - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dafür kann das erste Haubentaucher-Paar Vollzug melden. Zwei Junge haben die Eischale gesprengt. Als Nestflüchter können sie von Beginn an schwimmen, doch zur Abwehr von Gefahren und zum Aufwärmen ist der Rücken der Eltern das geeignete Transportmittel. Ein nach hinten gestreckter Lappenfuß der Alttiere hilft beim Aufstieg über das glatte Gefieder. Ein nicht unerheblicher Teil der Nahrung besteht anfangs aus Daunenfedern. Dadurch soll offensichtlich der Magen gegen die Gräten der späteren Fischmahlzeiten geschützt werden. Bald werden die Bettelrufe des Nachwuchses auch bei den übrigen Paaren ein unüberhörbares Konzert am Stausee verursachen."

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