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Sehr gut deutsch gelernt hat Abdullah Mohammad Jalawi, oben mit Lehrer Nils Schenk (l.) und Projektkoordinator Michael Schipplick.

Von Thi Qar nach Alsfeld

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In den vergangenen Jahren trafen hunderte Geflüchtete im Vogelsbergkreis ein. Was ist aus ihnen geworden? Der irakische Flüchtling Abdullah Mohammad Jalawi erzählt, wie er in seiner neuen Heimat Erfolg hatte. Dafür war viel Eigeninitiative nötig. So hat er sich Deutsch zunächst selbst beigebracht. Aber dann folgten auch viele Hilfen.

Aus der Redaktion

Ich fühle mich wohl in Alsfeld, in meiner Wohnung, mit meiner Familie, ein bisschen wie zu Hause", sagt Abdullah Mohammad Jalawi in gutem Deutsch. Aber eben nur ein bisschen, denn das Asylverfahren des Irakers läuft noch in zweiter Instanz. Er möchte gerne bleiben, sich etwas in Deutschland aufbauen und hier eine Familie gründen.

Das war nicht immer so. Noch bis Ende 2016 lebt er in Thi Qar, einer Stadt im Irak, und schließt dort die Schule mit der mittleren Reife ab. In den Ferien arbeitet er als Aushilfe als Installateur und jobbt als Elektriker. "Alles für die Familie", sagt er. Doch dann ist seine Stadt auch von den kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen, hinzu kommen politische und religiöse Konflikte. Diese Umstände treiben die Familie zur Flucht. Das angestrebte Ziel Jordanien wird im November 2016 erreicht. Doch der Aufenthalt dort ist aus finanziellen Gründen schwierig, und so entschließt sich die Familie zu einem großen Schritt. Sie wollen nach Dänemark.

Mit dem Flugzeug beginnt die Reise, doch sie endet verfrüht in Frankfurt am Main. Etwas ist mit den Visa der Familie nicht in Ordnung. Sie mussten in Deutschland bleiben und durften die Weiterreise nicht fortsetzen.

Im Dezember 2016 wird Abdullah Mohammad Jalawi in ein kleines Asylbewerbercamp in Frankfurt gebracht und darf dieses eine Woche nicht verlassen. Anschließend wird er nach Gießen geschickt. Dort stellt er einen Asylantrag und bleibt zwei Wochen. Seine Mutter und seine Schwester erhalten einen Schutzstatus, er nicht. Sein Fall wird einem Anwalt übergeben. "Ich warte jetzt schon seit zwei Jahren auf einen Gerichtstermin", bedauert er heute. Am Anfang der Wartezeit bekommt er keine Chance sich in Deutschland zu integrieren, geschweige denn Aktivitäten außerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte zu unternehmen. Insgesamt verbringen er und seine Familie ein Jahr in verschiedenen Unterkünften in Hanau und Köddingen im Vogelsbergkreis.

Voller Tatendrang beginnt Abdullah Mohammad Jalawi damit sich selbst mühsam die deutsche Sprache beizubringen. Wegen seines motivierten Selbststudiums gelingt es ihm ein angemessenes Sprachniveau zu erreichen, und er wird schließlich an der Max-Eyth-Schule in Alsfeld aufgenommen, um dort einen B1-Kurs zu besuchen.

Doch damit nicht genug. Jalawi bemüht sich ebenfalls darum, dass er neben der Schule auch noch arbeiten kann. Er bewirbt sich erfolgreich um einen Minijob und nimmt sehr viel Mühe auf sich, um sich und seiner Familie etwas in Deutschland zu ermöglichen.

Mit dem Abschluss des B1-Deutschkurses war seine Erfolgsgeschichte allerdings noch lange nicht vorbei. Jalawi ist weiterhin motiviert. Selbstständig informiert er sich beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft am Standort Alsfeld über einen berufsbezogenen B2-Sprachkurs. Dort erhält er an vier Tagen in der Woche Unterricht.

Den Teilnehmenden werden die Besonderheiten des Arbeitslebens in Deutschland aufgezeigt, und sie werden auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet. "Man merkte schnell, wie motiviert Herr Jalawi ist, und es erfreute mich ihn bei der Entwicklung seiner Sprachfähigkeiten unterstützen zu können", bemerkte der Deutschlehrer Nils Schenk, "er war der Beste im Kurs und hat die anderen Teilnehmenden mit seiner freudigen Art zu lernen mitgezogen. Nicht umsonst hat er die Prüfung als Kursbester mit einem guten Ergebnis abgeschlossen."

Aber Abdullah Mohammad Jalawi hat nicht nur den Sprachkurs erfolgreich absolviert, sondern ist mit Hilfe des Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW) auch seinem nächsten großen Ziel noch ein weiteres Stück nähergekommen, er wird eine Ausbildung als Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik in Fulda beginnen. Auch dabei möchte ihn das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft unterstützen.

Mit dem ausbildungsbegleitenden Projekt Wirtschaft integriert soll ihm das Lernen des ausbildungsrelevanten Unterrichtsstoffes erleichtert sowie die deutsche Sprache durch geschultes Personal weiterhin näher gebracht werden.Für seine Zukunft wünscht sich Abdullah Mohammad Jalawi, dass er sicher in Deutschland leben und sich hier auch eine Zukunft, mit einer eigenen Familie, aufbauen kann. Dafür möchte er weiterhin hart arbeiten, um so auf eigenen Füßen stehen zu können.

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