Die rund 100 Jahre alte Linde steht mitten im Hof vor dem Feuerwehrgerätehaus. FOTO: PM
+
Die rund 100 Jahre alte Linde steht mitten im Hof vor dem Feuerwehrgerätehaus. FOTO: PM

NABU will Linde erhalten

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
    schließen

Alte Linden steht oft an Treffpunkten der Bevöl- kerung eines Dorfes. So ist es auch in Ober-Ohmen vor der ehemaligen Schule. Mittlerweile trifft sich dort allerdings die Feuerwehr, und deren Fahrzeuge werden immer größer. Ein 100 Jahre alter Baum mitten in der Ausfahrt stört dann. Deshalb soll er gefällt werden. Muss er nicht meint der NABU Wettsaasen und macht Vorschläge

Die Prüfung der Feuerwehrgerätehäuser durch den Technischen Prüfdienst im Vorjahr hatte ein alarmierendes Ergebnis: Elf von zwölf Gebäuden in Mücke waren von der Unfallkasse Hessen mit der roten Karten versehen worden. In vielen Fällen sind die Fahrzeughallen zu eng, in Ober-Ohmen ist es auch der Vorplatz. Denn in der Mitte gedeiht seit rund 100 Jahren eine prächtige Linde. Und sie könnte aus Sicht von Olaf Kühnapfel vom NABU Wettsaasen weiterhin Schatten spenden. Mit Bedauern habe er gelesen, dass "für die wohl gesunde Linde in Ober-Ohmen das Todesurteil ausgestellt wird". 100 Jahre lang habe dieser Baum Schatten gespendet, das Spielen der Kinder begleitet und für ein angenehmes Klima gesorgt, habe Kohlenstoffdioxid gespeichert und die Luft mit Sauerstoff angereichert. Nun solle die Linde weichen, weil die Wurzeln für Wellen im Asphalt gesorgt hätten und die Gemeinde nicht bereit sei, den Wurzeln wieder Platz zu geben, den Asphalt und Kantensteine der Linde genommen hätten.

Der Naturschützer aus Groß-Eichen hat sich in Ober-Ohmen die Situation angesehen und hält es für praktikabel, das Hofniveau so anzuheben, dass die Fläche zu den Rolltoren hin auslaufe. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Rolltore, die nach oben öffnen, blockiert werden sollten. Außerdem endeten die Schäden durch die Baumwurzeln im Hofbelag etwa fünf oder sechs Meter vor dem Gebäude.

Kühnapfel greift auch den Hinweis auf, dass in der alten Linde keine geschützten Tierarten leben. Das kann aus seiner Sicht kein Freigabeargument für eine Fällung sein. Denn auch wenn in der Linde keine geschützten Tierarten lebten, dann lebten zumindest von dem Baum viele bedrohte Tierarten. Denn in Mitteleuropa ernährten sich 71 Großschmetterlingsarten von der Linde. Darunter nennt Kühnapfel die Raupen des Lindenschwärmers, des Nagelflecks, des Buchenrotschwanzes, des Wollafters und der Linden-Gelbeule. Etwa 13 Vogelarten würden die Früchte der Linde fressen, Spechte suchten die Rinde nach Insekten und Spinnentieren ab, Bockkäferlarven entwickelten sich im toten Holz. Im Spätsommer seien die Blüten der Linde eine wichtige oft letzte und lebensentscheidende Nahrungsquelle für Insekten. Honigbienen, Dutzende von Wildbienenarten, wozu auch die Hummeln zählten, hätten die letzte Chance noch einmal Tausende von Blüten zu besuchen und Nektar zu tanken.

Neue Linden und passender Hofbelag

Unter dem Strich wertet der Naturschützer die Dorflinde als einen wertvollen Solitärbaum, der es verdient habe, weiter leben zu dürfen und den Menschen Schatten und Sauerstoff spenden könne.

Auf die Notwendigkeit einer Fällung macht unterdessen Bürgermeister Andreas Sommer aufmerksam. Denn die Unfallkasse Hessen gehe davon aus, dass ein Baum grundsätzlich nicht in die Zu- und Ausfahrt eine Gerätehauses gehört. Insbesondere beim rückwärts Einfahren in die Halle würden Probleme gesehen. Für 2021 ist ein neues Einsatzfahrzeug beantragt, und neue Fahrzeuge seien in der Regel größer als vorhergehende. Als Ersatz für die alte Linde kündigt Sommer das Pflanzen von mehreren Linden im Ort an. In diesem Sinne habe sich auch die Untere Naturschutzbehörde beim Vogelsbergkreis geäußert. Die Behörde habe die Argumentationskette aus Sicht der Verwaltung nachvollziehen können und erwartet "sicher finden Sie einen guten Platz für eine Lindennachpflanzung".

Der Platz vor dem Gerätehaus solle zudem in Absprache mit Ortsbeirat und Denkmalschutz passend zum Gebäudeensemble gestaltet werden, Asphalt sei da sicher nicht der richtige Belag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare