Petra Grün
+
Petra Grün

Mückes erste Ortsvorsteherin geht

  • vonJutta Schuett-Frank
    schließen

Politik ist Männersache. Schaut man nach Berlin und Brüssel, kommen Zweifel auf. Blickt man nach Groß-Eichen ebenfalls. Dort ist Petra Grün seit zehn Jahren Ortsvorsteherin, bisher die einzige in der Großgemeinde. Bei der Kommunalwahl 2021 tritt sie für den Ortsbeirat nicht mehr an, will aber weiter Gemeindevertreterin bleiben. Inzwischen blickt sie auf 23 Jahre Kommunalpolitik zurück.

Du musst ehrlich mit dir selbst bleiben, dann schaffst du das". Diesen Rat gab 1997 ein Groß-Eichener Urgestein der in kommunalpolitischen Fragen noch unerfahrenen Petra Grün. Die damals 32-Jährige war gerade frisch in den Ortsbeirat gewählt worden, und wurde sogleich Stellvertreterin von Ortsvorsteher Wilfried Ellrich sowie Schriftführerin. Damit begann ein Weg, auf dem sie ein breites Rückgrat brauchte, wie sie heute sagt. So konnte sie sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen. Und an verantwortlicher Stelle kann man es auch nicht allen recht machen: "Man steht oft zwischen den Stühlen", blickt Grün zurück. Aber Durchsetzungsvermögen ist wohl die Stärke der Hausfrau, gelernten Bürokraft und selbstständigen Landwirtin.

Mit Elan nahm sie 2011 die neue Rolle als Ortsvorsteherin an. Das Obergeschoss im Dorfgemeinschaftshaus wurde entrümpelt und Platz für ein Amtszimmer geschaffen, es wurden Bürgersprechstunden offeriert. "Aber auf dem Dorf trifft man sich unkompliziert, beispielsweise beim Einkaufen", so erinnert sich die Ortsvorsteherin, "dort gibt es Gespräche und man kann Termine besprechen. Deshalb wurden die Bürgersprechstunden wieder eingestellt".

Viele andere Anstöße von Grün sind aber gerne mit Unterstützung der DGH aufgegriffen worden. Der 2012 unattraktiv wirkende Kinderspielplatz am DGH wurde völlig neu möbiliert. Dazu wurden Spenden im Ort gesammelt, und die Gemeinde gab einen teil dazu. Im DGH wurden die Wände gestrichen und die Burschenschaft kümmerte sich um eine neue Theke und Kühlung. Für jedermann zu sehen, ist der neue Aushängekasten am Zaun des DGH, und 2002 startete man mit der "Aktion Saubere Umwelt".

Petra Grün aktivierte junge und alte Menschen, "ihr Groß-Eichen" zu säubern. "Man ist immer wieder erstaunt, welcher Unrat in der Gemarkung verteilt wurde", blickt die Ortsvorsteherin auf die Anfänge zurück. Danach wurde es sauberer in der Gemarkung, so viel Müll wie im ersten Jahr wurde nie mehr gefunden.

Ins Leben gerufen wurde auch der Adventsmarkt mit einem breiten Angebot der Kulturschaffenden, und auch kulinarisch gab es immer etwas Besonderes. Ein Weihnachtsbaum wurde aufgestellt und geschmückt. Schließlich wurden noch kreative Ortseingangsschilder mit "Herzlich willkommen" angebracht, und man fing an, sich um den Ernst-Eimer-Platz zu kümmern. Immer im Herbst schnitt der Ortsbeirat die Hecken zurück.

Wie gut die Dorfgemeinschaft funktioniert, zeigte sich auch bei der 1000-Jahr-Feier 2018. Die vielen Veranstaltungen wurden gut besucht und zum krönenden Abschluss mit einem "Stehenden Festzug" mit über 70 Attraktionen kamen über 6000 Besucher.

Im Zusammenhang mit der 1000-Jahr-Feier unternahm Petra Grün auch eine Dienstreise nach Wiesbaden. Denn in der Ortsmitte war die Ruine des ehemaligen Kinos kein schöner Anblick. Die Sachverständige in der Landeshauptstadt sah das ebenso, und so wurde aus dem einstigen Schandfleck ein schmucker Treff.

Der Jugendraum "Ossestall" war nach Einschätzung von Grün unter Eigenregie nicht immer auf einem guten Weg. Über SPD und FW habe man Geld von der Gemeinde bekommen: Es wurde viel investiert, alles feuertechnisch abgesichert, es gibt separate Toiletten, und die beiden Räume wurden saniert. "Mittlerweile läuft der ›Ossestall‹ richtig gut", konstatiert Grün, und er sei inzwischen offizieller Jugendraum der Gemeinde.

Das jüngste Projekt war die Erneuerung des Ernst-Eimer-Platzes innerhalb eines Jahres. Er ist ein Ort der Ruhe mitten im Dorf geworden, man kann sich im Schatten einer Pergola niederlassen. Geld kam vom Landesprogramm "Starkes Dorf" und den Vereinen.

Jetzt steht der Ortsbeirat vor einem Generationswechsel. Petra Grün macht nach 24 Jahren im Gremium, davon zehn Jahre als Ortsvorsteherin, nicht weiter. Nicht mehr antreten werden zudem Stella Jo Faust nach 14 Jahren und Katja Stock nach 15 Jahren, außerdem Tatjana Heller und Hans-Jürgen Peter nach jeweils zehn Jahren. Weiter im Boot bleiben Jenny Schomber, die dann sechs Jahre aktiv war, und Rainer Orth, der auf fünf Jahre Ortsbeiratszeit zurückblickt.

Appell an Bürger zum Kandidieren

Deshalb appelliert die scheidende Ortsvorsteherin, dass sich Bürger melden, die als "Aktivposten der Gesellschaft das Dorfleben mitgestalten möchten". Groß-Eichen strebt für die Kommunalwahl am 14. März eine Groß-Eichener Dorfliste an. Warum sollte sich jemand dafür interessieren? "Nur so kann man sich für sein Dorf einsetzen", sagt Grün. Nur so könne man seine Ideen verwirklichen und Wünsche der Bürger aufgreifen. Sie selbst war von 23 Jahren von Karl Peter Merz angesprochen worden, der vor ihr Ortsvorsteher war und seit Jahrzehnten Gemeindevertreter ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare