+
Projektion der bestehenden Halle mit dem geplanten Erweiterungsbau rechts im Bild. (Foto: Hürner)

Zweite Millioneninvestition

Mücke (pm). Wenn sich Geschäftsführer Michael Lenz die Spiele bei der Fußball-WM anschaut, weiß er, auch Hürner Schweißtechnik hat beigetragen, dass sie stattfinden. "Unser Vertriebspartner sitzt in Rio de Janeiro. Sehr wahrscheinlich waren unsere Schweißsysteme auch beim Umbau des Maracanã-Stadions zum Einsatz dabei."

Dass sie auf Stadionbaustellen eingesetzt wurden, wissen wir aus erster Hand, nur nicht, wo", sagt der Geschäftsführer des in Atzenhain ansässigen mittelständischen Maschinenbauunternehmens Es stellt halb- und vollautomatische Systeme her und vertreibt sie, die vor allem beim Leitungsbau für die Wasserver- und -entsorgung sowie beim Gasnetzbau verwendet werden. Und Leitungen zu verlegen waren, wie hinlänglich bekannt, jede Menge bei den Neu- und Umbauten zwischen Manaus und Porto Alegre, zwischen Cuiabá und Salvador da Bahia.

In 60 Ländern vertreten

Außer in Brasilien hat Hürner Schweißtechnik zwölf Jahre nach seiner Ausgründung aus einem Konzern, zu dem es zuvor als Filiale gehörte, Niederlassungen und Vertriebs- und Servicepartner auf allen Kontinenten, in mehr als 60 Ländern. Dem rasanten Wachstum entspricht eine Verbreiterung des Produktangebots, die in der relativ kurzen Zeit ihresgleichen sucht. "Angefangen haben wir mit einem Heizwendelschweißgerät, das hier schon Jahre lang gebaut wurde, und sieben oder acht Leuten", berichtet Lenz. "Heute haben wir 16 Modelle davon, vier Stumpfschweißmaschinenreihen und spezielle Schweißmaschinen für den Deponiebau. Über Exklusivpartnerschaften liefern wir selbst entwickelte Hightech made in Germany für das Infrarotschweißen im Reinstraumbau und für die automatische strömungstechnische Gefahrstoffüberwachung."

Auf den Mehrwert kommt es an

Heizwendelschweißen und Stumpfschweißen, das sind die auf den Baustellen der Welt gängigsten beiden Kunststoffverbindungsverfahren, und für beide gibt es bei Hürner Schweißtechnik ein breites Angebot: von Systemen für die, die eher auf den Preis schauen, bis zu solchen für die, die komplettesten Funktionsumfang wollen. Doch ist die Entwicklung und Fertigung von technologisch anspruchsvollen Infrarotschweißmaschinen oder Laborüberwachungseinheiten mehr als eine Eindruck machende Spielerei. Man habe stets flexibel sein wollen, sagt Lenz. Kunststoffrohre oder -folien verschweißen könne jeder. Da könne man sich allein durch die Mehrwertfunktionen und die Bedienfreundlichkeit von der Konkurrenz abheben. Im Hightech-Bereich aber komme nicht jeder mit, weil mancher Konkurrent die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten gar nicht habe.

Man spürt, das ist Geschäftsführer Michael Lenz wichtig: Bei Hürner Schweißtechnik werden heute nur Eigenentwicklungen gefertigt. Das Unternehmen versteht sich als Innovationsschmiede, die alle Aspekte des Produkts, von der ersten Idee bis zur Serienreife im Griff haben will.

1300 neue Palettenstellplätze

Vor zwei Jahren schlug sich das bereits im Neubau einer Lager- und Fertigungs- halle nieder, die die zur Verfügung stehen- de Fläche fast verdoppelte. Erst mit dem Neubau entstand so viel Raum für die Fertigung, dass die Forschung und Entwicklung – bereits mehr als ein halbes Dutzend Mitarbeiter – nicht mehr in beengten Verhältnissen arbeiten, sich Räumlichkeiten mit der Fertigung teilen musste. "Vorher musste man hier drin Slalom laufen, so voll stand alles mit Warenausgang, Wareneingang und Produkten zur Wartung oder im Test", sagt Prokurist Ingo Scholz, der die Baumaßnahme für das Unternehmen koordinierte. Mit den rund 1300 neuen Palettenstellplätzen im Hochregallager habe sich die Situation deutlich entspannt, hätten zudem angemessene Räumlichkeiten für Entwicklung, Prototypenprüfen und Schulung eingerichtet werden können.

Nunmehr ist die Verwaltung dran. Dieser Tage beginnen die Arbeiten für die zweite Erweiterung und Aufwertung des Stammsitzes. Die Geschäftsführung erwartet, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Entwicklungskapazitäten erneut aufgestockt werden. Außerdem blieb bei der letzten Vergrößerung die interne Verwaltung – Marketing und Vertrieb, Auftragsabwicklung, Im-/Exportmanagement, Buchhaltung, Lagerhaltung – unberücksichtigt. Entstehen wird ein zweistöckiges Gebäude, in dem dann die für die Organisation des Geschäfts zuständigen Mitarbeiter und die Geschäftsführung wieder den Raum finden, der den gewachsenen Bedürfnissen entspricht. "Heute arbeiten, Auszubildende eingeschlossen, sowohl in der Entwicklung als auch in der Verwaltung fast so viele Mitarbeiter, wie wir ursprünglich insgesamt waren", sagt Scholz, der auch für den nächsten Ausbau wieder der Verantwortliche aufseiten des Bauherrn sein wird. Er deutet damit den Weg an, den Hürner Schweiß- technik seit der Gründung 2002 zurück- gelegt hat:

Über 60 Mitarbeiter hat das Unternehmen inzwischen am Stammsitz und in der größten Niederlassung, in Dubai, die den wichtigen Wachstumsmarkt im Nahen und Mittleren Osten bedient. Scholz sieht in der neuer- lichen Erweiterung die natürliche Folge des Unternehmenserfolgs: "Wir haben inzwischen fast ständig Schulungen unserer weltweiten Servicepartner im Haus; wir bieten jährlich ein, zwei Ausbildungsplätze als Industrieelektroniker, Industriemechaniker oder Industriekaufmann; wir haben eine interne Auftrags-Fertigungs- und Zollwesenverwaltung, die ich selbst mir vor zehn Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte. Fertigungsvolumen, Umsatz und Belegschaft sind enorm gewachsen. Der Standort muss mitwachsen. Wenn der Abteilungsleiter erst rumfragen muss, wo er ein Bewerbungsgespräch abhalten kann, weil gerade mal wieder alles belegt ist, dann ist es Zeit auch den Verwaltungstrakt auszubauen."

Umsatz verzehnfacht

Noch einmal tief in die Kasse zu greifen, um diesen Ausbau des Verwaltungstrakts zu schultern, sieht die Hürner-Geschäftsführung als gute Investition. Und als Standortentscheidung. Hürner Schweißtechnik fühlt sich Mittelhessen, der Region, in der es gewachsen ist und weiter wachsen will, verbunden. Fast alle, die heute als Abteilungsleiter oder in der Geschäftsführung Verantwortung tragen, kommen aus der unmittelbaren Umgebung und sind beruflich im Unternehmen groß geworden. Eine Verlagerung stand und steht für die Geschäftsführung nicht zur Debatte. "Wir haben unseren Umsatz in zwölf Jahren knapp verzehnfacht, also im Schnitt ein jährliches Wachstum von an die 20 Prozent erzielt, und zwar während der Finanzkrise auch gegen den Trend", betont Lenz.

Alle Mitarbeiter ziehen mit

"Das geht nur, weil hinter all unseren Produkten unsere Mitarbeiter stehen. Wir haben bei den Neuentwicklungen Innovationszyklen, die deutlich kürzer sind als bei so ziemlich der gesamten Konkurrenz. Das geht nur, wenn auch unter Druck und Stress alle mitziehen", erläutert Geschäftsführer Michael Lenz.

Das Wachstum werde zwar seit Jahren zunehmend im Export erzielt, aber mit Ingenieuren und Facharbeitern, die aus dem heimischen Schul- und Ausbildungssystem kommen und die nicht zuletzt deshalb im Betrieb sind, weil sie sich wie der Betrieb in Mittelhessen heimisch fühlen. "Bei all den Diskussionen um Arbeitskosten und Standortvorteile sollte nicht vergessen werden, dass Made in Germany, zumindest im Maschinenbau, nach wie vor ein Qualitätsversprechen ist, welches für die Kaufinteressenten eine Rolle spielt", so Lenz.

Dieses Qualitätsversprechen will Hürner Schweißtechnik international weiter halten. Und deshalb bekommen am Atzenhainer Stammsitz Verwaltung, Entwicklung, Marketing und Vertrieb ein neues Heim, mit über 900 Quadratmeter wohl für geraume Zeit ausreichend, selbst bei der Innovations- und Wachstumsgeschwindigkeit, die man in Atzenhain an den Tag legt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare