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Ben Faust, Michel van gen Hassend, Melina Förderer und Kevin Knöß (v. l.) freuen sich über ihren Jugendraum mit Billard.

Jugend

Wenn Jugendliche sich im alten Ossestall tummeln

Mücke tut was für die Jugend. Die Gemeinde leistet sich seit Jahrzehnten einen Jugendpfleger. Aber jetzt hat der Vogelsbergkreis seinen Beitrag dazu aufgekündigt.

Gemütlich ist es im Ossestall, Melina Förderer und Michel van gen Hassend fläzen sich auf der schwarzen Kunstledergarnitur, Ben Faust holt gerade einen Energy-Drink aus der Theke, und Kevin Knöß sucht die passende Musik auf seinem Smartphone aus. Die Bässe wummern, und im Gespräch mit den vier Eichener Jugendlichen ist man schnell überzeugt, dass sie sich in ihren Räumen wohlfühlen. Sie freuen sich über die frisch renovierten Räume und die Initiative von Jugendpfleger Jürgen Schneller, ohne den es die Jugendgruppe nicht gäbe. Doch es ist noch nicht klar, wie die Jugendarbeit weiterläuft, weil Schnellers Vertrag in wenigen Wochen ausläuft.

"Normal kommen hier sechs bis acht Leute zusammen", sagt Melina. Die 14-Jährige freut sich, wenn auch junge Leute aus anderen Mücker Ortsteilen in den Groß-Eichener Jugendraum kommen. Der seit Jahrzehnten unter dem Namen Ossestall bekannte Jugendraum wird erst seit kurzem wieder von einer neuen Generation Jugendlicher genutzt. Schneller hat in Absprache mit Ortsvorsteherin Petra Grün die Konfirmanden angesprochen, und die fanden die Idee toll, ihren eigenen Treffpunkt zu schaffen.

"Mein Bruder hat uns sein altes Sofa gegeben", berichtet Kevin. Den Raum haben sie selbst ausgestaltet. Ben klopft auf die Holzplatte der Theke und erläutert, dass sie von einem Opa eines Jugendlichen gefertigt ist. Die Boxen für die Musikanlage kamen nach einem Aufruf in der "Mücker Stimme" als Spende herein. Viel genutzt wird der Billardtisch im angrenzenden Raum, auch wenn man dem Stoffbezug die längere Nutzung durchaus ansieht. Jeden Freitagabend treffen sich die Jungen und Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren. "Das ist schön, dass wir uns auch außerhalb der Schule sehen - wir verstehen uns super", ruft Melina.

Doch ohne die Rückendeckung durch die Gemeinde wäre der gemütliche Treffpunkt zum Chillen und Quatschen nicht möglich. Den Raum stellt die Kommune, Jugendpfleger Jürgen Schneller schließt auf und zu. Erst im Herbst wird Kevin 18 Jahre alt, dann will er die Schlüssel übernehmen.

Die jungen Leute möchten gern einen selbst verwalteten Jugendraum, aber über die Initiative Schnellers sind sie ausgesprochen froh. Allerdings sind die Perspektiven unklar, weil Schnellers Vertrag Ende Juni ausläuft und noch keine Nachfolgeregelung gefunden ist.

Das liegt an der Organisation der Jugendarbeit, wie Bürgermeister Andreas Sommer erläutert. Schneller ist bei der Einrichtung B 24/"Haus am Kirschberg" in Lauterbach angestellt, einem Träger, der im Auftrag des Vogelsbergkreises Jugendarbeit betreibt. Die Gemeinde Mücke hat einen Vertrag mit dem Landkreis geschlossen und die Kosten für Schnellers Arbeitsplatz übernommen. Geplant war, dass auch andere Kommunen in die Finanzierung einsteigen, aber das ist wohl nicht geschehen, wie Sommer erläutert. Jedenfalls habe der Landkreis das Arrangement aufgelöst, der Träger den Vertrag gekündigt.

"Wir wollen die Jugendarbeit fortsetzen", da weiß Sommer die Gemeindevertreter hinter sich. Allerdings haben die Koalition aus SPD/FW und die Opposition aus CDU und Grünen schon unterschiedliche Zielrichtungen formuliert. So hatte die Koalition angeregt, mit Grünberg im Nachbarlandkreis Gießen zu kooperieren, weil es in den Nachbarkommunen im Vogelsbergkreis vergleichbarere Jugendpflegerstellen nicht gibt. Dazu war von der CDU die Befürchtung geäußert worden, das große Grünberg würde dann einen zu großen Anteil der Leistung beanspruchen.

Bei den Beratungen in den Ausschüssen der Gemeinde wurde auch über die unterschiedlichen Erfahrungen mit Jugendräumen gesprochen. Denn manche Gruppen haben den Kontakt mit der Gemeinde abgebrochen, in anderen Ortsteilen sind Jugendräume geschlossen worden und in einigen Dörfern gab es Schwierigkeiten mit den jeweiligen Gruppen. Wichtig ist Bürgermeister Sommer, dass der Jugendpfleger eine Vertrauensperson für die Jungen und Mädchen ist und kein Kontrollorgan der Gemeinde.

Über eine so engagierte Gruppe wie in Groß-Eichen freut sich der Bürgermeister, das sei "ein leuchtendes Beispiel". Dort gab es in der Vergangenheit auch mal Unstimmigkeiten mit einem Nachbarn. Aber die aktuelle Gruppe hält sich an die Vereinbarungen, was laute Gespräche auf dem Hof und Musik bis 22 Uhr angeht, "das klappt bislang sehr gut", sagt Kevin.

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