Trickbetrüger

Wenn der falsche Polizist an der Haustür klingelt

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Polizeihauptkommissar Wolfgang Keller referiert beim VdK in Atzenhain über die Abzocke von Senioren.

"Aus Schaden wird man klug" oder "Ich sammle meine Erfahrungen selbst", das sind bekannte Weisheiten. Aber die Polizei will dazu beitragen, dass man nicht nur aus eigener Erfahrung klug werden dafür zu entwickeln, wie man sich und sein Eigentum für den Fall des Falles am besten schützen kann. Die Polizei hat es sich daher unter anderem zur Aufgabe gemacht, aus den täglichen Erfahrungen, im Zusammenhang mit Straftaten oder anderen schädigenden Ereignissen, Vorbeugungsprogramme zu entwickeln, die helfen sollen, bei risikobehafteten Situationen hellhöriger und vorsichtiger zu sein.

Aufmerksam verfolgten die Zuhörer im Dorfgemeinschaftshaus in Atzenhain die Ausführungen von Polizeihauptkommissar (PHK) Wolfgang Keller vom Polizeipräsidium Osthessen. Seine Ausführungen machen deutlich, mit welchen Tricks Menschen ans Werk gehen, um an anderer Leute Geld und Wertgegenstände zu kommen. "Ich bin nicht gekommen, um Angst zu verbreiten, sondern möchte dafür sensibilisieren, aufzupassen und auf der Hut zu sein", betonte Keller.

Speziell warnte der Polizeihauptkommissar vor zunehmend facettenreichen Trickbetrügereien an der Haustür oder am Telefon, denen gerade ältere Menschen in hohem Maß ausgesetzt sind.

Wenn man aufpasst, werde einem schnell klar, dass schauspielerisch begabte Diebe und Betrüger an der Auto-, Haus- oder Wohnungstür im Grunde nur ganz wenige Tricks anwenden, zu denen sie sich aber immer neue Varianten einfallen lassen.

Fast immer wird an die Hilfsbereitschaft der Menschen appelliert, indem um kleine Gefälligkeiten gebeten wird. Real sei auch, dass jede Woche beim Einkaufen Geldbörsen gestohlen werden.

Im Zweifel Polizei anrufen

Immer häufiger täuschen Täter auch vor, in n amtlicher Eigenschaft oder mit behördlicher Befugnis, wie beispielsweise in den Rollen als Polizeibeamter, Mitarbeiter des Elektrizitätswerkes, der Kirche oder der Telefongesellschaft, die Wohnung aufsuchen zu müssen. Leider seien diese Tricks trotz Warnungen immer wieder erfolgreich, da gerade ältere Personen Behördenvertreter und ganz besonders Polizeibeamte als Respektspersonen ansehen. Keller riet daher dringend dazu, sich ohne Ausnahme Dienstausweise oder Dienstmarken zeigen zu lassen, diese wenn möglich sorgfältig zu prüfen und sich im Zweifelsfall bei der jeweiligen Behörde telefonisch rückzuversichern. Dabei dürfe man nicht außer acht lassen, die Türe versperrt zu halten und die Telefonnummer der Dienststelle selbst heraus zu suchen oder im Falle der Polizei einfach die 110 zu wählen. Auf die Frage, wie man einen echten Polizeiausweis erkennt, beschrieb Keller seinen Dienstausweis nicht nur, sondern ließ ihn auch durch die Runde gehen.

Die Liste der Betrügereien könnte man beliebig fortsetzten und um unlautere "Gewinnmitteilungen" oder Haustürgeschäfte ergänzen. Täter hätten oft eine Antenne dafür, bei wem die Tricks klappen könten. Kaum zu glauben, aber leider traurige Realität sei, dass insbesondere der "Enkeltrick", eine besonders hinterhältige und skrupellose Form des Betruges, immer wieder aufs Neue funktioniert, auch wenn viele denken: "Mir kann so etwas nicht passieren". Keller gab den interessierten Gästen mit auf den Weg, sich vor dem Öffnen immer erst zu vergewissern, wer vor der Tür steht, sei es durch den Türspion, einem Blick aus dem Fenster oder das Benutzen der Sprechanlage.

Niemals sollte man arglos Fremde in die Wohnung lassen oder unbekannten Personen Geld anvertrauen und er rät bei einer angeblichen Notlage, selbst nach Hilfe zu telefonieren, sich gegen zudringliche Besucher notfalls energisch durch Sprechen mit lauter Stimme oder das Rufen um Hilfe zu wehren.

Von Anfang an entspann sich ein lebhaftes Miteinander, die Besucher waren gut vorbereitet, erzählten von persönlichen Erlebnissen mit unangenehmen Anrufen oder Gewinnversprechungen oder hatten sich Telefonnummern notiert, die immer wieder auf dem Display ihres Telefons erscheinen und auf die sie nicht reagiert hatten.

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