Wenig Geschäftsglück mit dem Campingplatz

Alsfeld/Mücke (jol). Er hat mit dem erhofften Geschäft Schiffbruch erlitten. Camping in Groß-Eichen erwies sich nicht als der "Bringer", der er für den heute 59-jährigen Ex-Besitzer hätte sein sollen. Nun stand er vor Gericht, weil er dem Gerichtsvollzieher im September 2008 eine falsche Angabe über sein Einkommen gemacht haben soll.

Alsfeld/Mücke (jol). Er hat mit dem erhofften Geschäft Schiffbruch erlitten. Camping in Groß-Eichen erwies sich nicht als der "Bringer", der er für den heute 59-jährigen Ex-Besitzer hätte sein sollen. Nun stand er vor Gericht, weil er dem Gerichtsvollzieher im September 2008 eine falsche Angabe über sein Einkommen gemacht haben soll. Nach Vernehmung mehrerer Zeugen einigten sich Staatsanwalt, Verteidiger und Richterin auf eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldbuße von 300 €. Auch das muss er abstottern, weil der 59-Jährige als Angestellter ein geringes Einkommen bezieht und noch das private Insolvenzverfahren bewältigen muss. Der Campingplatz ist an eine Frankfurter Firma zurückgefallen.

Die Verhandlung am Amtsgericht Alsfeld bot so einen kleinen Einblick in die Umstände, mit denen ein Geschäftsmann zu kämpfen hat, wenn das Geschäft nicht (mehr) läuft. Anlass war eine Forderung, die der Gerichtsvollzieher Ende September 2008 auf dem Campingplatz Groß-Eichen vollstrecken sollte. Er nahm eine eidesstattliche Versicherung des heute 59-Jährigen ab, der damals angab, über keine Einkünfte zu verfügen. Dann habe er aber von dem Eigentümer des Grundstücks, einer Firma aus Frankfurt, 3300 Euro bezogen.

Dieses Geld sei für die Ausgaben des Platzes gewesen, wie der 59-Jährige nun vor Gericht erläuterte. Er selbst habe damals als Verwalter des Geländes im Auftrag der Grundstücksbesitzer auf dem Campingplatz kostenlos gewohnt, sich von den Lebensmitteln der Gaststätte ernährt und zum Beispiel Hygieneartikel aus dem Bestand des Platzes entnommen. Die 3300 Euro seien für Reinigungspersonal und Reparaturen auf dem Gelände genutzt worden, nicht für seinen persönlichen Bedarf. "Ohne diese Zahlungen hätte der Campingplatz nicht weitermachen können." Grundlage der Zahlungen sei eine mündliche Absprache gewesen. Er habe allerdings gehofft, dass er als Verwalter des Platzes für den Grundeigentümer einen Vertrag erhalten werde. intergrund dieser Lösung war, dass bereits im Juni 2008 der Kaufvertrag für den Campingplatz rückabgewickelt wurde. Der 59-Jährige erinnerte daran, dass er den Campingplatz in dem Mücke Ortsteil übernommen hatte, dann aber nicht alle Zahlungen erfolgt seien. So ging das Gelände an die Frankfurter Ferrum Montan GmbH zurück, für den Betrieb gründete das Unternehmen die Camping Groß-Eichen GmbH.

Er habe viel Geld in den Ausbau des Geländes gesteckt, das Schwimmbad und andere Einbauten seien mit der Rückabwicklung der Verträge an die Frankfurter Firma gegangen. Sein ganzes Geld sei weg, so der 59-Jährige, nun versuche er, über eine Privatinsolvenz wieder auf die Füße zu kommen. Die beiden Geschäftsführer der Camping GmbH sagten im Gegensatz zum 59-Jährigen übereinstimmend vor Gericht, dass die fraglichen 3300 Euro für Verwaltertätigkeit an den Ex-Betreiber gezahlt wurden. So gab ein 53-Jähriger an, der Ex-Eigentümer sei kommissarisch für die Verwaltung zuständig gewesen. Von September bis Mitte Dezember habe man ihn dafür bezahlt, dass er Tagescamper abrechnet, das Reinigungspersonal kontrolliert und nach dem Rechten sieht. Allerdings habe er ab Mitte Dezember nicht mehr zufriedenstellend gearbeitet, danach habe man nichts mehr bezahlt. Eine Festanstellung sei nicht beabsichtigt gewesen.

Ein Indiz, dass die Lage nicht so klar war, wie von den Geschäftsführern dargestellt: Ein Versicherungsmitarbeiter erinnerte sich hingegen, dass er mit dem 53-jährigen Geschäftsführer gesprochen habe und der dabei sagte, dass die Betreiberstruktur noch nicht festgelegt sei.

Die Richterin schlug im nachfolgenden Gespräch der Juristen die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vor. Immerhin gebe es die Aussagen der beiden Geschäftsführer, wonach der Ex-Betreiber von ihrer Firma ein Einkommen bezogen hat. Das würde dann den Tatbestand erfüllen, der in der Anklage beschrieben war. Eine Einstellung des Verfahrens war insofern die eleganteste Lösung, weil dadurch das laufende Insolvenzverfahren nicht gefährdet ist. Der 59-Jährige muss sich im Laufe des Verfahrens über mehrere Jahre hinweg straffrei halten, damit am Ende des sechs Jahre dauernden Verfahrens die Restschuld erlassen wird. Dem stimmte der 59-Jährige zu.

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