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Mit einer Petition an den Landtag wollen die Eltern die geplante Schließung des Kindergartens in letzter Minute verhindern.

"Der vielleicht letzte Strohhalm" für Kindergarten

Mücke-Sellnrod (pm). Die Enttäuschung der jetzigen, zukünftigen und vieler ehemaliger Eltern von Kindergarten-Kindern in Sellnrod nach der 12:15-Entscheidung der Mücker Gemeindevertretung am 4. Juni gegen die Fortführung des Kindergartens war groß.

Sie führte aber nicht zu Resignation, sondern brachte in vielen Gesprächen eine Idee, Hilfe von außen bzw. oben zu suchen. Um die zum 1. August 2014 vorgesehene Schließung der für das Dorf aus Sicht der Eltern extrem wichtigen Einrichtung in letzter Minute doch zu verhindern, haben sich die Eltern in der vergangenen Woche mit einem Schreiben an den Petitionsausschuss des Landtages in Wiesbaden gewandt.

Nach Artikel 16 der Verfassung des Landes "hat Jedermann das Recht, allein oder gemeinsam mit anderen, Anträge oder Beschwerden an die zuständige Behörde oder an die Volksvertretung zu richten." Das schon seit Inkrafttreten der hessischen Verfassung im Jahre 1946 bestehende Petitionsrecht gibt jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit, sich mit einem Schreiben gegen Ungerechtigkeiten, Benachteiligungen oder ungleiche Behandlung durch staatliche Stellen zu wehren.

"Reden und Bitten ohne Erfolg"

Neben Anträgen und Beschwerden greift der Petitionsausschuss auch Anregungen, Bitten oder Ideen auf und die Bürger können auf diesem Wege dazu beitragen, die Verwaltung beweglicher und bürgerfreundlicher zu machen. Der Petitionsausschuss des Landtags, der aus 21 Abgeordneten aus allen fünf Fraktionen des Landtags besteht, kann sich mit allen Anliegen befassen, die sich auf Entscheidungen von Behörden beziehen, die der Aufsicht des Landes unterstehen. Dies sind unter anderem die Städte, Gemeinden und Landkreise in Hessen.

Wie die Eltern der heutigen und zukünftigen Sellnröder Kindergartenkinder in einer Pressemitteilung erklären, solle mit dieser Petition der vielleicht letzte Strohhalm ergriffen werden, um den Kindergarten zu retten. Man habe sich an den Landtag wenden müssen, weil alles "Reden und Bitten" an die Gemeindeverwaltung und die gewählten Mitglieder der Gemeindevertretung ohne Erfolg geblieben seien.

Durch die beabsichtigte Schließung des Kindergartens würden die Eltern in dem in der Verfassung verbürgten "Elternrecht verletzt und das Wohl ihrer Kinder werde nachhaltig gefährdet". Zudem gehe es nicht nur um die Einrichtung Kindergarten und das Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße 2, vielmehr sehe man die Zukunft des ganzen Dorfes erheblich gefährdet.

Wenn es keinen Kindergarten mehr gebe, würden sich junge Ehepaare mit und ohne Kleinkinder sehr genau überlegen, ob sie in Sellnrod bleiben oder in andere Orte ziehen, wo es eine entsprechende Kinderbetreuung gibt. Einen Zuzug junger Familien von außen nach Sellnrod werde es dann nicht mehr geben. Die Folgen der demografischen Entwicklung (auch "Überalterung" genannt) würden sich bald sehr drastisch auswirken.

Die von SPD und Teilen der FW am 4. Juni durchgesetzte Schließung des Kindergartens benachteilige vor allem junge Frauen, die berufstätig sein müssen oder wollen. Besonders hart treffe es alleinerziehende Mütter oder Väter. Ihnen müssten die vielfältigen Ankündigungen von Politikern bezüglich ihrer besonderen finanziellen und ideellen Unterstützung wie Hohn in den Ohren klingen.

"Die Zeit drängt"

Es sei zu hoffen, so die Eltern, dass sich der Petitionsausschuss des hessischen Landtags sehr schnell mit ihrer Eingabe befasst. Denn die Zeit dränge und wenn der Kindergarten erst einmal geschlossen sei, werde er wahrscheinlich nie mehr aufgemacht.

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