Karneval

Thomas Tröller über die heiße Phase bei den Merlauer Karnevalisten

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Vielleicht könnten Ärzte statt Tabletten getrost den Besuch einer Karnevalssitzung verordnen. Denn Frohsinn in geselliger Runde hält frisch und gesund. Ein Beispiel dazu gibt es in Merlau.

Personenkult ist Thomas Tröller schon mal fremd. Der Verein soll beim Bericht im Vordergrund stehen, nicht er selbst, betont er im Gespräch. Aber wenn man nach jemandem sucht, der dafür sorgt, dass die Organisation an Fasching perfekt ist und sich alle im Saal nach Herzenslust amüsieren können – dann kommt man an ihm nur schwer vorbei. Beim langjährigen Vorsitzenden der Merlauer Carnevals Vereinigung (MCV) ist Fastnacht fast das ganze Jahr über – wenn man sich den Arbeitsaufwand anschaut: "Nach dem Fasching ist vor dem Fasching," erzählt er. Schon ab Oktober tritt regelmäßig der "Club der Dichter und Denker" zusammen, um das Programm für die neue Kampagne auszutüfteln. Wie fing es an? Tröller ist mit 18 als Kulissenschieber (Kanonier) beim MCV eingestiegen. Mittlerweile sind Mädchen und junge Frauen sowie junge Männer in neun Tanzgarden organisiert und sorgen für Begeisterung. Er freut sich besonders darüber, wenn sich die jungen Leute einbringen und für die Tradition begeistern können. Der Verein will aber nicht stehen bleiben und führt behutsam Neuerungen ein. In diesem Jahr war es die "Fast-Night", die am Wochenende ihre gelungene Premiere hatte. Hier saß man nicht beim Vier-Stunden-Programm, es gab einen Sketch und viel Tanz und Party. Zielgruppe ist ein junges beziehungsweise jung gebliebenes Publikum. Früher hat Thomas Tröller Büttenreden auch fleißig selbst geschrieben, trat als "Protokoller" und als "Till" auf. Stolz ist der Verein darauf, das eigene Rednerinnen und Redner zur Verfügung stehen. Die Merlauer geben sich an Fasching das volle Programm – zwei Fremdensitzungen, Weiberfastnacht, Jugend in der Bütt, der Gulaschumzug, Kinderfasching und Heringsessen. Dazu kommen Besuche bei Veranstaltungen befreundeter Vereinen in Atzenhain, Nieder-Ohmen, Groß-Felda, Lehnheim oder Stangenrod. Ohne das Engagement von vielen Aktiven würde das nicht funktionieren. Sie sind zum Beispiel zur Stelle, wenn es darum geht, Geld für die neuen (teuren) Gardekostüme zu sammeln: Dann heißt es Würstchen verkaufen oder der Feuerwehr helfen, die Sinkkästen zu leeren. Der Mitgliedsbeitrag soll mit zwölf Euro bewusst niedrig gehalten werden, Jugendliche zahlen nichts. Und dann muss der Umzug vorbereitet werden, mittlerweile einer der größten seiner Art in Hessen. "Drei Wochen nach dem Umzug sitzen wir im Rahmen des Vorstandes der GbR Mücker Umzug schon wieder bei der Gemeinde und überlegen, was war gut, was muss besser werden?" "Nebenher" gibt es natürlich in der aktuell laufenden Kampagne die Besprechungen mit Ordnungsamt und Polizei, damit beim kommenden Mücker Zug alles rund läuft. Im letzten Jahr wurde es eng. Am Morgen des großen Umzugs setzte dichtes Schneetreiben ein. Zittern, Krisensitzung und dann der Beschluss: "Wir ziehen es durch!" Es hat geklappt. Tröller gibt aber zu, dass ihm jedes Jahr ein Stein vom Herzen fällt, wenn die fröhliche Abschlussrunde im Zelt ausklingt. Stolz sind die MCVler auf ihren Saal Hörle, wo die Veranstaltungen jedes Jahr stattfinden und der von den Gästen von außerhalb immer wieder wegen seiner schönen Atmosphäre gelobt wird. Bei der Carnevals Vereinigung hofft man deshalb darauf, den Saal auch künftig nutzen zu können. Tröller hebt hervor, dass die Vereinsarbeit nur im Team funktioniert: "Ich bin dabei von sehr engagierten Frauen und Männern umgeben und wir alle versuchen, das karnevalistische Brauchtum für die Zukunft zu sichern".

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