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Nach über 13 Jahren Baustopp ist die geplante Seniorenresidenz Falkenhorst recht heruntergekommen.

Seniorenresidenz: Internetsuche nach Mietern oder Käufern

Schon mal von dem Seniorenheim Mücke gehört? Nein? Verständlich, denn es besteht offenbar nur als Anzeige auf einigen Internetseiten und ist wohl die umfirmierte "Seniorenresidenz Falkenhorst". Wer auf den Internetportalen pointoo, altenheime.de, cyclex.de und seniorplace.de nach einem Platz in einem Seniorenheim in Mücke sucht, wird schnell fündig.

Offenbar geht dabei Falkenhorst-Bauträger Karl Philippi zwölf Jahre nach dem Insolvenzverfahren wieder in die Vollen. Als Anschrift des Seniorenheims ist bei drei Interneteinträgen die Wohnadresse Philippis und einmal seine Telefonnummer genannt.

Das passt zusammen mit neuer Bewegung für das Altprojekt Seniorenresidenz Falkenhorst: Alt-Eigentümer von Seniorenwohnungen im Falkenhorst haben davon berichtet, dass Philippi die Wohnungen wieder in sein Eigentum bekommen möchte. Deshalb habe er sie angeschrieben. Die Seniorenanlage sollte laut dem Konzept aus dem Jahre 1995 zahlreiche Privatwohnungen beinhalten. Die zum Teil gebaute Seniorenresidenz weist drei Baukörper auf. Direkt an der Grubenbacher Straße in Nieder-Ohmen steht ein Gebäude für das geplante Pflegeheim, für Hotel, Restaurant, Apotheke und Kurbad. Dahinter wurden bis 2000 zwei mehrstöckige Rohbau-Riegel für 202 Seniorenwohnungen erstellt. Einst war es die größte private Bauinvestition im Kreis.

Einen Gutteil dieser Wohnungen hat die Betreiberfirma ImCom an Privatleute in Deutschland verkauft. Einige Käufer haben Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre Kredite aufgenommen, um bis zu 150 000 Euro für relativ kleine Apartments auszugeben. Da der Bau aber nie fertiggestellt und der Bauträger dann 2003/04 insolvent wurde, mussten sie seither Zins und Tilgung ohne Mieteinnahmen aufbringen.

Von einer Übernahme der immensen Kosten, welche die Alt-Eigentümer der Wohnungen zu schultern haben, durch Philippi ist nichts bekannt. Der Kniff, weshalb die Eigentümer außen vor bleiben: Die Firma ImCom ist im Insolvenzverfahren, die Verpflichtungen verblieben bei der Firma, die zentrale Person Karl Philippi blieb unbehelligt. Also können die Eigentümer der Rohbau-Wohnungen ihre Forderung auf Ersatz für die ausbleibenden Mieteinnahmen nur an ImCom richten – das läuft ins Leere.

Kreditvertrag bleibt gültig

Philippi hat vor wenigen Jahren die Verfügungsgewalt über das Gebäude zurückbekommen (die Allgemeine berichtete). Er hatte bereits 2013 angekündigt, dass er die im Grundbuch abgesicherten Eigentumsrechte der Privatleute erwerben will. Das ist trickreich, im gegenwärtigen Zustand sind die Wohnungen gleichsam wertlos, sie wurden bei einer Zwangsversteigerung mit einem Euro gehandelt. Philippi kann also für kleines Geld die Wohnungen zurückerwerben, stellt den Bau irgendwie fertig und kann sie ein zweites Mal verkaufen. Dann aber gewiss nicht "für einen Apfel und ein Ei". Voraussetzung für den Wiederverkauf ist, dass die Alt-Eigentümer den Kauf rückabwickeln.

Den Alt-Eigentümern hilft allerdings ein Verkauf der Wohnungen an Philippi wenig: Der Kreditvertrag mit der finanzierenden Bank ist ja weiterhin gültig. Die Sicherheit für den Kredit ist das Privatvermögen des Käufers und nicht die Wohnung. Das haben schon einige blauäugige Käufer schmerzlich erfahren dürfen, die in Privatinsolvenz gegangen sind.

Anleger: Viel Geld mit Falkenhorst verloren Philippi will Falkenhorst vollenden Falkenhorst: Wohnung zu verkaufen Seniorenresidenz Falkenhorst soll weitergebaut werden "Ohne Insolvenz wäre kein Schaden entstanden" Lange Jahre abzahlen für wertlose Wohnungen

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