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Eine Fledermaus jagt vor dem nächtlichen Himmel nach Insekten.

Rotoren stoppen für Fledermäuse

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Es ist ein Naturgesetz: Ohne Wind drehen sich die Rotoren von Windkraftanlagen nicht. Aber es gibt auch andere Gründe für Stillstand. Denn Tierschutz geht vor Strom- ertrag. Und kann das nach- geordnete Netz den Ökostrom aus Starkwind überhaupt aufnehmen? Oder drehen Rotoren deshalb aus dem Wind?

Anwohner aus Nieder-Ohmen und Atzenhain berichten immer wieder, dass sie still stehende Windenergieanlagen sehen. Die Rotoren sind dann so ausgerichtet, dass sie gerade das nicht machen, was sie eigentlich sollen: Wind in Strom umwandeln. Darauf haben in den vergangenen Wochen gleich mehrere Bürger in Informationsveranstaltungen zum Windpark Nieder-Ohmen und in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats hingewiesen. Dabei äußerten sie unter anderem die Vermutung, dass das Stromnetz die Energie nicht aufnehmen kann. Auch bei einer Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark Eckmannshain bei Stumpertenrod kam dieses Argument auf.

Kritisiert wurde ferner, dass der Wind zu unregelmäßig weht, um eine sichere Stromversorgung für Haushalte, Industrie und Gewerbe zu bieten. Deshalb trage die Windenergie nicht zum Klimaschutz bei, argumentierte ein Besucher. Denn mehrere Grundlastkraftwerke müssten den fehlenden Strom einspeisen, um die Energieversorgung im Land zu sichern.

Die Planer verwiesen bei der Info-Veranstaltung in Nieder-Ohmen darauf, dass die mittelhessischen Stromnetze auch dann alle Energie aufnehmen können, wenn die Herbststürme über die Höhen blasen. Das werde im Vorfeld mit dem Energieversorger der Region, der OVAG, abgeklärt. Wenn die Anlagen stillstehen, seien sie defekt und müssten repariert werden. Oder aber sie sind zum Schutz der Tierwelt abgeschaltet worden.

Das erläuterte auf Nachfrage der Alsfelder Allgemeinen Zeitung Dr. Hans-Peter Frank genauer. Er ist bei der OVAG für die Bereiche Erzeugung und Energiehandel zuständig. In Norddeutschland mit seinen großen Windparks und nicht darauf ausgelegten Stromnetzen könne es vorkommen, dass Windanlagen vom Netz genommen werden, damit das nicht überlastet werde. "Im Netz der OVAG kommt das fast nicht vor", die Zahl der Fälle "kann man an einer Hand abzählen", berichtet Dr. Frank. Die Rotoren würden meist abgeschaltet, um sie zu reparieren oder zu warten.

Bei Atzenhain steht allerdings eine Anlage immer dann still, wenn bei Sonnenuntergang relativ niedrige Windgeschwindigkeiten herrschen. Denn dann schwärmen die Fledermäuse aus, und die Rotoren könnten gefährlich für die Tiere sein. "Die Fledermausabschaltung verringert die Energieausbeute der Anlage um etwa zwei Prozent", ordnet Dr. Frank den Produktionsstopp aus Naturschutzgründen ein. Das sei verkraftbar. Andere Anlagen würden dann abgeschaltet, wenn Gruppen von Kranichen auf dem Weg von und nach dem Süden durch die Region ziehen.

Der Strom aus den mittelhessischen Windparks wird ins Netz eingespeist und senkt direkt die Kohlendioxydemissionen. Denn Energie aus Wind und Fotovoltaik hat Vorrang, erläutert Frank. Atom- und Wasserkraftwerke sichern eine Grundlast, aber Steinkohle- und Gaskraftwerke werden je nach Bedarf hoch- und heruntergeregelt. "Wenn es sehr windig ist, werden auch Braunkohlekraftwerke herunterfahren", fügt Frank an.

Für Mittelhessen sieht Frank keine Überlastung des Netzes auch an stürmischen Tagen, wenn aus Windparks besonders viel Energie eingespeist wird. Der Ausbau bei der Windenergie sei gut verkraftbar. Das liegt auch an dem Bedarf der großen Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet. Jeden Tag werde der Energiebedarf für den Folgetag abgeschätzt und die Stromerzeugung darauf abgestimmt. Wenn die Prognose nicht eintrifft, "springen auch mal kurzfristig Regelkraftwerke ein".

In jedem Fall sorge die Windkraft dafür, dass Kohlendioxid eingespart wird. Das könne man gut über Energierechner wie https://www.energy-charts.de des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme nachvollziehen.

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