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Probleme mit der hohen Stufe

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Von: Joachim Legatis

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Mücke (jol). »Das Einsteigen in den Zug mit dem Fahrrad ist schwierig, ich schaffe das noch, aber andere Passagiere bekommen ihr Rad am Bahnhof Nieder-Ohmen nicht alleine hinein«, fasst Earl Tillich das Grundproblem mit der Barrierefreiheit griffig zusammen. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Mücker Gemeindevertretung sprach die SPD das Problem der Stufe zwischen einem niedrigen Bahnsteig und einer höheren Türschwelle der Züge an.

Das betrifft in besonderen Maße Seniorinnen und Senioren, die nicht so beweglich sind. Aber auch Menschen mit einem Kinderwagen oder im Rollstuhl tun sich schwer, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Das Problem betrifft beide Mücker Bahnhöfe, wie Tillich in der Sitzung unter Leitung von Peter Horst erläuterte. Er verwies darauf, dass der Ausbau von Bahnsteigen mit Zuschüssen gefördert wird.

Auf das Grundproblem wies Prof. Dr. Hubertus Brunn von der CDU hin. »Das Gelände gehört der Bahn«, da kann die Gemeinde Mücke nur indirekt Einfluss nehmen. Inhaltlich stimmte er Tillich zu, dass es noch einiger Anstrengungen bedarf, bis die Barrierefreiheit auch auf Bahnhöfen umgesetzt ist. Er regte an, mit einen Vertreter der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe ZOV im Ausschuss über die Planungen auf der Vogelsbergbahn zu sprechen. Das wurde auch einstimmig beschlossen.

Hintergrund ist, dass der Öffentliche Personen-Nahverkehr ÖPNV nicht von den Kommunen direkt organisiert wird. Die Bahnstrecken mit Gleisen und den meisten Bahnhöfen gehören der Bahn, der Betrieb der Züge und Busse wird über die Vogelsberger Verkehrsgesellschaft VBV organisiert. Die VBV ist Mitglied im Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV, der den Betrieb der Busse und Züge verwaltet. Träger der VBV ist der ZOV, der wiederum Teil der OVAG-Gruppe ist. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass Gewinne der OVAG direkt in den Nahverkehr fließen können.

Der ZOV hat eine Verbandsversammlung, in der Kreispolitiker über die Verkehrspolitik mitentscheiden. Der Mücker Grünen-Politiker Dr. Udo Ornik wurde vom Kreistag in das Gremium entsandt. Auf Nachfrage der Allgemeinen Zeitung sagte er, dass er nach Planungen für den Ausbau der Bahnsteige beim ZOV nachgefragt hat. Demnach sind »die Mittel für die nächsten zehn Jahre verplant«.

Debatte um Park and ride

Der Umbau der Bahnsteige sei wichtig und die Gemeinde könne das nur mit entsprechender Förderung stemmen. Ornik hat die Hoffnung, dass zusätzliche Mittel von der neuen Bundesregierung und dem Land bereitgestellt werden. Dafür »muss allerdings ein Antrag durch die Gemeinde gestellt werden«.

Der Bahnhof in Merlau war auch Thema im Haupt- und Finanzausschuss. Die SPD hatte zum Haushalt beantragt, 20 000 Euro für eine mögliche Erweiterung der dortigen Park-and-ride-Anlage vorzusehen. Andere Ausschussmitglieder wiesen darauf hin, schon jetzt sei die Anlage nicht ausgelastet, eine Erweiterung mache keinen Sinn. Man könne aber einmal den Bedarf ermitteln, so der Vorschlag. Dies müsse man nicht vergeben, so Bürgermeister Andreas Sommer, »da kann ein Mitarbeiter aus dem Fenster schauen und zählen, wie viele Plätze belegt sind oder auch nicht.«

Sechs Monate lang soll diese Zählung vorgenommen werden. »Ich überblicke als Anwohner diesen Bereich seit 2012«, so HFA-Vorsitzender Felix Sames: »Die Park-und-ride-Plätze sind nie ausgelastet.«

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