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70 öffentliche Mülleimer bleiben in Mücke stehen

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Der Abbau von öffentlichen Müllgefäßen wurde in den vergangenen Wochen in Mücke heftig diskutiert. Die Wogen haben sich geglättet, viele Behälter bleiben stehen, einige kommen sogar dazu.

Kaum ein Thema hat in den vergangenen Wochen in Mücke eine so starke Resonanz gehabt wie die Ankündigung von Bürgermeister Andreas Sommer, Mülleimer aus dem öffentlichen Raum entfernen zu lassen. Folgerichtig wurde das Thema auch in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter kontrovers diskutiert. Allerdings haben sich in den vergangenen Tagen die Wogen wieder einigermaßen geglättet, denn es ist klar geworden, dass an zentralen Plätzen die Behälter bestehen bleiben. Und es gibt sogar private Initiativen.

Der Bürgermeister eröffnete in der Gemeindevertretung die Debatte mit zwei Hinweisen zum Thema. Zum einen verstehe er die Maßnahme nicht als Alleingang, sondern als normale Angelegenheit der Verwaltung. "Ich wäre im Leben nicht drauf gekommen, dass Mülleimer in die gemeindlichen Gremien sollten", zeigte sich Sommer überrascht. Er widersprach entschieden Kritikern, die von einem Alleingang gesprochen hatten. Das Ganze sei eher eine Verwaltungsangelegenheit. Er stelle sich jeder fachlichen Diskussion, aber der erste Weg über Facebook sei nicht der richtige gewesen, so die Ansicht des Bürgermeisters. Auch vor dem Hintergrund, dass alle Fraktionen eine einvernehmliche Zusammenarbeit in Aussicht gestellt hätten, wäre eine persönliche Ansprache besser gewesen.

Über Facebook fing es an

Atzenhains Ortsvorsteher Thomas Röhrich (SPD, Vorsitzender der Gemeindevertretung) stellte klar, er habe auf Facebook lediglich nachgefragt, ob der Abbau von Mülleimern auch in anderen Ortsteilen erfolgt sei. Das Vorhaben von Sommer sei eine Entscheidung gewesen, die ohne die Ortsvorsteher und die Presse (Information der Bürger) gelaufen sei. Das sei erst nachträglich erfolgt. Er, Röhrich, habe in dem Netzwerk geschrieben, um sich zu informieren. Facebook sei außerdem ein Medium, bei dem sich Mücker Bürger austauschen würden.

Bürgermeister Sommer gestand zu, dass die Kommunikation falsch gelaufen sei. Allerdings merkte er an, es habe ihm gegenüber mehr positive Stimmen als Kritik gegeben. Von den 124 öffentlichen Müllgefäßen in der Gemeinde sollten lediglich 54 abgebaut werden. Stehen bleiben sollen diejenigen an Haltestellen, an Spielplätzen sowie an markanten Plätzen. Zu letzterem sollen sich die Ortsbeiräte noch äußern.

Der Bürgermeister erinnerte daran, dass für die Müllentsorgung jährlich 50 000 Euro an Personal- und Entsorgungskosten anfallen, hinzu kämen 12 000 Euro aus nicht getrenntem Müll von den Friedhöfen.

Ulf Immo Bovensmann (FW) wünschte sich in solchen Angelegenheiten rechtzeitige Absprachen mit dem Ortsbeirat.

Die Diskussion um weniger Mülleimer hat neben Äußerungen wie Verärgerung oder Zustimmung auch Bürger aktiv werden lassen. So hat Manfred Klotz am Holzwiesenteich bei Atzenhain am Wochenende nach de, Entfernen der Behältnisse gleich vier eigene aufgestellt und geleert. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich unter den Anwohnern Paten für jeweils einen Abfallkorb finden lassen, die für deren regelmäßige Leerung die Verantwortung übernehmen", meint Klotz. Die Gemeinde solle dann nur auf eigene Kosten auf jeder Seeseite eine Restmülltonne (auf einem Privatgrundstück) aufstellen, in der die "Paten" die Mülltüten entsorgen könnten. Der Gemeinde blieben somit die im Vergleich höheren Personalkosten für das Einsammeln erspart. Zur Deckung der Müllabfuhrkosten sollte nach Einschätzung des Anliegers am Holzwiesenteich die Hundesteuer (rund 60 000 Euro im Jahr) dicke ausreichen. Nachdem von der Verwaltung wieder Mülleimer an Holzwiesenteich aufgestellt wurden, sieht Klotz die Situation als entspannt an.

Aber er richtet in Eigeninitiative ein zusätzliches Angebot ein. Er verfügt noch über einen fünften Abfallkorb, den er an der Bank am Badesteg vor seinem Grundstück aufstellt. Für dessen Leerung will er selbst aufkommen. So ergibt sich nach einer Phase der Aufregung zumindest am Holzwiesenteich eine Verbesserung des Entsorgungsangebotes. Nach dem Abbau von rund 50 Müllgefäßen sieht Bürgermeister Sommer eine jährliche Ersparnis von etwa 20 000 Euro.

Und er zeigt sich nach der wochenlangen Debatte überzeuigt: "Wo keine Müllgefäße stehen, wird nach und nach deutlich weniger Müll anfallen."

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