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Vor Wochen hatten die Eltern an den Zaun des Sellnröder Kindergartens Protestplakate gehängt, vielleicht übernehmen sie die Einrichtung ja bald in Eigenregie. (Foto: Archiv)

Landkita in Eltern-Regie

Mücke-Sellnrod (rs). Am Wochenende kam Eltern von Kindern des örtlichen Kindergartens die Idee einen Landkindergarten im Ort zu verwirklichen. Hintergrund ist die beabsichtigte Schließung der Einrichtung durch die Gemeinde zum Jahresende.

Mit der Gründung eines Trägervereins (vorgesehen am Montag, dem 7. Juli, um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus) soll der erste offizielle Schritt unternommen werden. Die engagierten Eltern hoffen bei ihrem Vorhaben auf die Unterstützung des Bauernverbandes Hessen, der NABU Hessen, der Evangelischen Kirche, der Landesvereinigung Milch Hessen, des Vogelsbergkreises und natürlich auch der Gemeinde Mücke. Dazu müsste es aber auch noch einen offiziellen Beschluss der Gemeindevertretung geben, die am morgigen Mittwoch in öffentlicher Sitzung tagt. Dazu liegen verschiedene Anträge der Fraktionen vor, die die engagierte Elternschaft hoffen lassen.

Ein Konzept haben die Eltern auch schon geschrieben, wollen das den Verbänden, die sie um Unterstützung bitten wollen, vorlegen wollen. Und das zeigt schon das Zeitfenster, um das sich die Eltern bei der Gemeinde bemühen wollen: Denn in zwei Monaten schaffen die Eltern nicht alles, was sie umzusetzen gedenken. Es wäre aus ihrer Sicht deshalb "super", wenn die Gemeinde uns noch die Zeit geben würde, um alle Verbände zu kontaktieren, um Erzieher zu finden, um zu renovieren, den Finanzierungsplan zu schreiben.

.." Bis solche Dinge in Gang kommen braucht es eben Zeit. Außerdem, darauf weisen die Eltern ausdrücklich hin, wäre es aus ihrer Sicht für die Kinder sehr schlecht, sie erst an ihrem angestammten Kindergartenplatz in Sellnrod zu entwurzeln und nach Groß-Eichen wechseln zu lassen und dann wieder zurück nach Sellnrod zu schicken.

Dass ihnen die verantwortlichen Kommunalpolitiker der Gemeinde in dieser Hinsicht entgegen kommen werden, denken die Eltern schon, denn in einem Antrag der SPD und FW für die Mittwoch-Sitzung stehe, dass man das Engagement der Eltern und des Dorfes honorieren solle. Und das mit der Kenntnis des Vorhabens der Elternschaft, und dass die Umsetzung eines solchen Konzeptes nicht in zwei Monaten passieren kann. Deshalb setzen die Sellnröder Eltern darauf, dass ihnen für die Umsetzung ihres Vorhabens mindestens ein halbes Jahr Zeit geben wird, eine Zeitspanne, in der der Kindergarten in Sellnrod weiterbetrieben werden sollte, um alles umsetzen zu können. – Die Eltern signalisieren sogar die Bereitschaft, nur mit einer Erzieherin und einer studentischen Hilfskraft oder einer Kraft, die ihr soziales Jahr macht, die Kinder betreuen zu lassen.

Was die Zukunft einer von den Eltern betriebenen Einrichtung anlangt, so geben sich die Organisatoren hoffnungsvoll. Denn leider sei es nur in diesem Jahr so, dass in dem ab August beginnendem Kindergartenjahr lediglich elf nach der gemeindlichen Satzung "zählbare" Kinder aus Sellnrod die Einrichtung besuchen werden. Im kommenden Jahr würden nach heutigem Stand wieder mindestens 13 Kinder, welche in dieses Raster fallen, die Einrichtung besuchen wollen.

Den Sellnröder Eltern ist bewusst, dass beim Betrieb in Eigenregie sehr hohe Kosten anfallen. Da ihnen aktuell noch keine Zahlen von der Gemeinde Mücke vorliegen, was der Betrieb der Sellnröder Einrichtung pro Jahr kostet, wurde von den Eltern beim Betrieb in Eigenregie eine Jahressumme von mehr als 4 0000 Euro geschätzt. Der durch die Eltern zu zahlenden monatliche Kindergartenbeitrag wurde aus dieser Summe herausgerechnet. Diese Kosten können die Eltern nicht alleine tragen. Deshalb setzen sie darauf, wenn sich ein Träger beziehungsweise verschiedene Verbände oder Sponsoren an den Kosten beteiligen könnten.

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