Erst stand die kleine Fachwerkkirche viele Jahre in Bernsfeld, dann wurde sie vor 30 Jahren nach Ilsdorf umgesiedelt. (Foto: rs)
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Erst stand die kleine Fachwerkkirche viele Jahre in Bernsfeld, dann wurde sie vor 30 Jahren nach Ilsdorf umgesiedelt. (Foto: rs)

Kirche siedelt von Bernsfeld nach Ilsdorf über

Mücke-Ilsdorf (sf). 30 Jahre ist für eine Kirche nicht wirklich alt, aber die Umstände, wie sie nach Ilsdorf kam, sind schon besondere. Wer heute nach Ilsdorf kommt, ahnt nichts von der kuriosen Geschichte dieses kleinen Dorfes und seiner Kirche.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Dorf 1279 als "Olffirstorff". Im Jahre 1417 wurde Ilsdorf in zwei verschiedene Dörfer geteilt: Solms-Ilsdorf und Ilsdorf. Die damaligen Grundherren teilten sich das Land, auch die kirchliche Zugehörigkeit war zweigeteilt: Solms-Ilsdorf gehörte zur Kirchengemeinde Lardenbach und Ilsdorf (auch hessisch-Ilsdorf) zur Kirchengemeinde Flensungen.

Am Pfingstmontag wird der 30. Geburtstag der Kirche gefeiert. Eingeladen wird dazu um 14 Uhr zu einem Festgottesdienst, gehalten von Pfarrerin Kerstin Kiehl und Dekan Norbert Heide. Um 15 Uhr schließt sich ein Kaffeetrinken im Dorfgemeinschaftshaus an. Um 16.15 Uhr wird ein Vortrag von Reiner Cornelius in der Kirche zum Lutherweg gehalten. Verbunden damit ist die Vorstellung seines Reiseführers zum Lutherweg.

1910 wurde eine gemeinsame Schule erbaut, und Kinder aus beiden Teilen besuchten sie. Im Jahre 1939 wurde der Ort im Zuge einer Gebietsreform politisch vereinigt, doch 1945 spaltete sich das Dorf wieder, und die beiden Feuerwehren übten bereits wieder getrennt. Die hessische Gemeindereform im Jahr 1972 führte zur Auflösung der Selbstständigkeit, und Gesamt-Ilsdorf wurde in die neu entstandene Großgemeinde Mücke eingegliedert.

Die kirchliche Zugehörigkeit hingegen war noch nicht verändert worden. Dies geschah erst gegen Ende der 1970er Jahre: Ilsdorf kam zur Kirchengemeinde Groß-Eichen, zunächst auf Probe. Die bis dahin zu Groß-Eichen gehörende Kirchengemeinde Klein-Eichen wurde mit Lardenbach vereinigt. 1979 übernahm Pfarrer Manfred Günther die Pfarrstelle und war somit erster Ilsdorfer Pfarrer. Der Gottesdienst wurde 14-tägig im Dorfgemeinschaftshaus (der alten Schule) gefeiert, weil es keine eigene Kirche gab. Jutta Schütt spielte in dieser Zeit zu den Gottesdiensten das alte Harmonium. Ab 1982 gab es dann offiziell die Kirchengemeinde Ilsdorf, die mit Groß-Eichen pfarramtlich verbunden wurde. Allerdings fehlte noch immer eine eigene Kirche. Verschiedene Optionen standen im Raum und wurden diskutiert, schließlich fiel die Entscheidung für die alte Bernsfelder Kirche (Bernsfeld ist ein Mücker Ortsteil und hatte nach dem Neubau eines modernen Gemeindezentrums seine alte Fachwerkkirche aufgegeben).

Diskussion vor Umsiedlung

Nach langen und zum Teil erbittert geführten Diskussionen und Auseinandersetzungen erfolgte am 27. April 1983 der erste Spatenstich in Ilsdorf, und die Bernsfelder Kirche wurde umgesiedelt. Zu Weihnachten 1985 konnte in der neuen Ilsdorfer Kirche der erste Gottesdienst gefeiert werden, und zu Ostern 1986 wurde die Kirche geweiht. Simone Rahn übernahm die Organistenstelle. Der Innenausbau der Kirche kostete rund 368 500 DM, die Orgel 77 000 DM und der Kirchenaufbau rund 400 000 DM. Am 10. Dezember 1985 wurde eine Glocke mit dem Ton b angeschafft, 1992 eine Glocke mit dem Klang g. Auch die Kirchengemeinde Groß-Eichen beteiligte sich mit Spenden an dem Kirchenbau. Seit September 1996 ist Carolin van gen Hassend die Organistin. 2003 ging Pfarrer Manfred Günther in den Ruhestand, im August 2008 kam Pfarrerin Kerstin Kiehl. 2009 wurde das kleine Kirchlein außen renoviert, 2010 wurde die Orgel überholt und eine Glocke renoviert. Im Jahr 2011 musste dann auch der Glockenmotor erneuert werden.

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