Mit dem VW Käfer ging es über die Alpen nach Italien - hier ein Foto beim Halt in Nauders in Tirol. FOTO: VELTEN
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Mit dem VW Käfer ging es über die Alpen nach Italien - hier ein Foto beim Halt in Nauders in Tirol. FOTO: VELTEN

Urlaub

Mit dem VW Käfer über die Alpen - Ein Urlaub 1962

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Es war im Sommer 1962, als Christel und Rudi Velten zusammen mit einem befreundeten Ehepaar in den Schwarzwald fahren wollten. Am Ende steuerten sie den Gardasee an.

Wenn erst einmal der Wurm drin ist... Jeder kennt wohl solche Episoden, wenn eines zum anderen kommt. Hängen bleibt meist eine aufregende Geschichte, die man Jahre später noch immer exakt, aber mittlerweile mit einem Schmunzeln erzählen kann. Auch das Ehepaar Velten aus Ilsdorf, einem Mücker Ortsteil, hat eine solche Anekdote parat. Mehr als ein halbes Jahrhundert liegt sie schon zurück, genau genommen geht es um eine Reise im Jahr 1962.

Christel und Rudi Velten wollten gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar in ihrem VW Käfer in den Schwarzwald fahren. Alles war sorgfältig geplant, die Kinder wurden bei den Großeltern untergebracht. Doch schon bei der Abfahrt hakte. "Wir hatten verschlafen", erinnert sich der heute 87 Jahre alte Rudi Velten. Der Vater weckte die Reisenden auf. Schnell wurde der VW Käfer für die Abfahrt vorbereitet, dann das Ehepaar Heßler abgeholt.

"Meine Frau Christel und ihre Freundin Irmgard saßen auf der Rückbank und Gerhard auf dem Beifahrersitz." Hinterm Rücksitz waren Essensvorräte und Kochgeräte verstaut. "So ging es mit freudiger Erwartung über die Mücke in Richtung Grünberg."

Die Reisenden kamen exakt fünf Kilometer weit. Dann war das linke Hinterrad platt. Gerhard Heßler drängte darauf, schnell das Ersatzrad zu montieren: Er wusste, dass ein anderer Ilsdorfer jeden Tag zu dieser Zeit zur Arbeit fuhr. Würde er den VW am Straßenrand stehen sehen, würde schon am Abend das halbe Dorf vom Missgeschick wissen.

Das Ersatzrad war schnell montiert, dann ging es weiter. Den platten Reifen ließ man unterwegs in einer Werkstatt flicken, um ein Ersatzrad in petto zu haben. Schließlich bezogen die beiden Paare ein Quartier in einer Privatunterkunft nahe Titisee-Neustadt im südlichen Schwarzwald. Doch das anfänglich schöne Wetter war schnell passé, der Himmel trübte sich ein. Schlimmer noch: Nachts zog ein Gewitter mit starken Sturmböen auf, sorgte für Schäden an der Unterkunft. Zudem hatte es geschneit. "Unter diesem Umständen wollten wir die wenigen Tage Urlaub nicht verbringen", erzählt Velten.

Also beschlossen die Ilsdorfer, weiter Richtung Süden zu fahren, der Sonne hinterher. "Ziel wurde nunmehr Italien." Am Gardasee waren die Veltens schon einmal gewesen, hatten positive Erinnerungen.

"Die weite noch zu fahrende Strecke haben wir dabei nicht genügend bedacht", sagt Velten und schmunzelt. Über den Bodensee und Dornbirn ging es mit dem VW Käfer über den Reschenpass und schließlich Richtung Gardasee. "Wir hatten den ganzen Tag im Auto verbracht und uns kaum eine Pause gegönnt." Am späten Abend waren sie endlich am Ziel.

Um den Urlaub direkt am Seestrand verbringen zu können, mieteten sich die Ilsdorfer auf einem Campingplatz am südlichen Seeufer ein. Doch bereits die erste Nacht wurde zum Erlebnis: "Heftige Gewitter zogen auf, die wir Zuhause so kaum erlebt hatten." Die Blitze schlugen direkt in den See ein, die Behausungen der Camper unter hohen Pappeln schienen gefährdet. "Unsere Frauen wollten unter diesen Umständen nicht weiter auf dem Campingplatz bleiben."

Als es am zweiten Abend erneut gewitterte, verließen die vier fluchtartig den Campingplatz. "Die Aufsichtspersonen wunderten sich sehr über unser Verhalten." Die beiden Ehepaare fanden schließlich eine Unterkunft in einem Haus.

Doch der Plan, den dunklen Wolken davonzufahren, war gescheitert: "In den restlichen Tagen wurde das Wetter immer schlechter", erzählt Velten. Baden war kaum möglich. Etwas enttäuscht fuhren sie zurück. Zuhause aber, sagt Velten, "konnten wir trotz aller Widrigkeiten vermelden, Urlaub in Italien gemacht zu haben."

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