"Jeder kann sich dabei denken, was er möchte"

Mücke (sf). "Ich komme mit leeren Händen, ich gehe mit leeren Händen, dazwischen ist Kunst!" Diesen eigenen Wahlspruch nahm der Künstler Karl Rudi Domidian alias "Hundefänger" in Mücke jetzt aber nicht ganz so genau.

Mücke (sf). "Ich komme mit leeren Händen, ich gehe mit leeren Händen, dazwischen ist Kunst!" Diesen eigenen Wahlspruch nahm der Künstler Karl Rudi Domidian alias "Hundefänger" in Mücke jetzt aber nicht ganz so genau. Er kam nicht mit leeren Händen, sondern brachte zahlreiche Sammelstücke seines künstlerischen Schaffens mit in den Kunstturm, bediente sich aber auch in gewohnter Manier in der Natur, um seine Objekte vor Ort zu schaffen. Am Wochenende wurde die Ausstellung vor zahlreichen Besuchern eröffnet.

Da fällt zuerst ein Kreis aus Knüppelholz ins Auge, drinnen und draußen durchbricht er scheinbar die Glaswand des Ausstellungsraumes, er hat keinen Anfang und kein Ende. Im Innenraum findet sich eine Fotoserie mit Kreisen aus den unterschiedlichsten Materialien auf Norderney. "Hundefänger" hat die Insel umkreist. Jeder Kreis hat einen Radius von der Sohle bis zum Brustbein und wird mit einer Schnur gezogen. Auf die Symbolik der Kreise angesprochen, meint der Künstler, "dass sich eigentlich jeder dabei denken kann, was er möchte, selbstverständlich ist es auch gestattet, eine tiefere Symbolik darin zu vermuten".

An der gegenüberliegenden Wand hängt ein Block mit Fotografien "Hundefänger auf einem Bein stehend", er bezeichnet dies als eine Performance, die seine Beziehung zur Natur und dem besonderen Ort verdeutlichen soll. Anders als in den 90ern, da stand er meist auf drei Beinen -breitbeinig und auf eine Axt gestützt - ist sein Verhältnis zur Natur noch sensibler geworden. Dieses, auf einem Bein stehen, drückt es aus, er ist als Mensch angreifbarer und instabiler. Die Feuersteine, die aus dem Dunkel der ehemaligen Erzschütte fallen, es sind so genannte "Hühnergötter", das heißt Feuersteine mit natürlich entstandenen Löchern, sie weisen, wie alle Steine, die "Hundefänger" aufhängt, zum Mittelpunkt der Erde hin. Aber dort gibt es keinen fixen Punkt, dort ist Erz im Fluss.

In seiner Einführungsrede zur Eröffnung der Ausstellung bezog sich Karl Heinz Hartmann zunächst auf ganz persönliche Erfahrungen, die er mit dem Künstler und Menschen "Hundefänger" gemacht hat. Erstmals war er 1988 bei einem Landschaftskunstsymposium in Weickartshain im mittelhessischen Raum tätig. Danach zog es ihn, ständig auf Wanderschaft, in fernere Länder. "Hundefänger" wirkte bei mehreren internationalen Landschaftskunstsymposien in Japan, Südkorea, Australien und Schweden mit, hinterließ dort seine im Material vergänglichen Spuren, aber bleibende Eindrücke.

"Ich mache nichts anderes, als die Lage von Materialien zu verändern. Ich stelle, ich stapele, ich stecke, ich binde, ich lege und manchmal hänge ich auch Dinge auf. Das ist alles ganz einfach! Die Zeit und die Natur bringen alles in ‘Nullkommanichts’ wieder in Ordnung", meint er, doch es bleibe etwas auch sichtbar übrig. 2001 beim Symposium "Grenzgänge" fand sich im Wald noch ein vermoderter und mit Moos überwachsener konzentrischer Haufen Holz mit einem Stein in der Mitte, die Reste eines Objektes von 1988, man muss allerdings aufmerksam hinschauen.

Nach Mittelhessen kehrte "Hundefänger" jedoch immer wieder zurück, zuletzt bei ErzArt 1 im Jahr 2007, und überrascht mit seinen außergewöhnlichen Installationen. Die Besucher können gespannt sein, welche Spuren er diesmal mit seiner bemerkenswerten Ausstellung im Kunstturm Mücke, die noch bis zum 17. November zu erleben ist, hinterlässt.

(Die Ausstellung ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet und dauert bis zum 7. November. Ausstellungsort ist der Kunstturm Mücke. Der Kunstturm befindet sich zwischen Merlau und Nieder-Ohmen gegenüber dem Hallenbad).

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