Zwei Kulturen

Im Iran Christin geworden und nach Mücke geflohen

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"Ich liebe Farben", sagt Elnaz Niknejad. Ihre Bilder weisen orientalische Strukturen auf. Bei ihr vermischen sich Erinnerungen an den Iran mit einem optimistischen Blick auf ein Leben in Mücke.

Kunst aus zwei Kulturen nennt sich die Ausstellung des Kunstforums Laubach, die noch bis 3. März in der Stiftstraße zu erleben ist. Plastiken aus Metall und Stein von Gerhard Richter treffen auf die farbenfrohen Motive von Elnaz Niknejad. Das bringt ein spannungsreiches Aufeinandertreffen der verschiedenen Materialien und künstlerischen Traditionen. Dabei reichen die Arbeiten Niknejads von Porträts über Landschaften bis hin zu dekorativen Werken, die orientalische Verzierungen aufnehmen.

Das einzige politische Motiv der vor einem Jahr aus dem Iran geflüchteten Künstlerin zeigt einen Frauenkopf, dessen Mund mit einem querliegenden roten Kreuz verschlossen ist. "Im Iran haben viele Menschen guten Gedanken, aber sie können nur in der Familie darüber sprechen – in der Öffentlichkeit geht das nicht", erläutert sie das Motiv.

Sie selbst ist vor zwei Jahren zum Christentum konvertiert, diese Entscheidung hat dann kurz darauf zur Flucht nach Deutschland geführt. Mit der neunjährigen Tochter und ihrem Ehemann lebt die junge Frau nun in Mücke.

Ausstellung in Laubacher Galerie

Das Asylverfahren dauert noch an, über die Flucht will Elnaz Niknejad nicht viel sagen. "Es war schwierig", mit einem Kind vom Nordiran nach Deutschland zu flüchten, sagt sie und das charmante Lächeln erstirbt für einen Moment. Ihr Mann hatte in ihrer Heimatstadt Rascht zwei Restaurants, sie arbeitete als Friseurin. Rascht ist eine Stadt mit etwa 640 000 Einwohner am Kaspischen Meer im Norden des vorderasiatischen Staats.

Die Laubacher Galerie (kunstforum-laubach.de) ist Samstag und Sonntag geöffnet, dann ist Niknejad oft da und malt mit Acrylfarben an einem neuen Bild. So entsteht ein Baum vor einem leuchtend bunten Hintergrund, das Obst ist mehrfarbig.

Ihr absolutes Lieblingsbild ziert auch die Einladungskarte zur Ausstellung. Das Aquarell nimmt zwischen geschwungenen Linien grafische und florale Muster auf, die Wirkung ist wie bei mehreren übereinander liegenden Teppichen, von denen jeweils nur ein schmaler Rand zu sehen ist. Die Farben reichen von hellem Gelb bis ins dunkle Blau. Ganz klein hat die Künstlerin die Namen ihrer Familie und von Freundinnen an den Rand gesetzt. Es war das erste Bild, das sie nach der Ankunft in Deutschland gemalt hat.

Linienführung von Picasso

Ein anderes Bild verfremdet eine Bucht, an deren Rand Häuser in allen Regenbogenfarben stehen, in Anlehnung an ihre Heimatstadt am Kaspischen Meer. Ein Bild kombiniert einen kühnen Frauenkopf und eine bunte Landschaft, spontan dachte eine Besucherin an die Linienführung von Picasso. Ein Bild zeigt eine Karte des Irans, wobei jeder Provinz die lokale Besonderheit mit feinen Zeichnungen zugeordnet ist. Die Region Rascht ist mit dunklen Regentropfen verziert, weil es dort viel regnet, wie Niknejad sagt. Die Region Belutschistan "ist berühmt für ihre Teppiche", deren Muster sie eingezeichnet hat. Wichtig ist ihr, mit fröhlichen Farben positive Gefühle zu wecken.

Für das Kulturforum ist das Zusammentreffen von Künstlern aus zwei Kulturen reizvoll. Dabei gibt man immer wieder auch jungen Künstlern eine Plattform, erläutern Reinhild und Jörg Krüger vom Verein. Sie erfreuen sich an den Bildern Elnaz Niknejads, die meist in "heiteren Farben gehalten" sind. Manche der Malereien seien "absolut dekorativ". Die Ausstellung mit den Arbeiten Wolfs und Niknejads ist über das rein künstlerische hinaus ein Beitrag zur Völkerverständigung. (Foto: jol)

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