Kultur

Ilja Richter nimmt Besucher mit auf eine Reise durch die Welt von Karl May

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Wenn Ilja Richter aus dem Leben von Karl May erzählt, dann wird das garantiert ein schräger Abend. So war es auch im Aquariohm in Mücke.

Aber es war ein unterhaltsamer Abend. Der Entertainer schilderte im Rahmen der Reihe "Der Vulkan lässt lesen" Mays Schicksalsweg vom Kleinkriminellen zum Bestsellerautor. Mit einer Auflage von 200 Millionen verkaufter Bücher ist May heute noch Deutschlands erfolgreichster Schriftsteller.

Richter begeisterte das Publikum mit seinem "Rundumschlag" aus Karl Mays Leben, einer schillernden Darstellung des Sachsen. Richter servierte dem Publikum dabei keine einfache Kost, sein Vortrag forderte volle Konzentration und war speziell und anspruchsvoll. Als roter Faden des Abends dienten Karl Mays berühmte Helden und so heißt der Abend denn auch "Vergesst Winnetou". Richter bringt eine sehr spezielle Hommage an den wohl bekanntesten deutschen Schriftsteller. Er ging musikalisch mit eigenen Kompositionen, Parodien und Tanz wieder auf May ein, der die Länder, die er in seinen Romanen beschrieb, nie gesehen hat. Zugleich bot der Vortrag eine Zeitreise durch Kaiserreich, Nazideutschland, Bundesrepublick und DDR mit Mitteln komischer Unterhaltung, bei der einem manchmal das Lachen im Halse stecken blieb.

Der Schauspieler holte dabei gekonnt die Atmosphäre der Winnetou-Filme zurück. Das Publikum verwickelte er in sein Programm, indem er es lobte und mit Texten versorgte, einige wurden zu Mitspielern. Literarisch arbeitet er das Leben des Sachsen aus Radebeul in allen Facetten auf. Ilja Richters kabarettistische Hommage an Karl May hatte es in sich.

Es war ein wildes Solo mit fast keinen Requisiten, aber allen Mitteln der Unterhaltungskunst über einen erstaunlichen Menschen mit bemerkenswertem Lebenslauf. Aus Mays kurioser Lebensgeschichte hat Ilja Richter mit viel Humor und ohne Klamauk ein hinreißendes Programm gemacht. "Karl May war kein Einstein, doch längst nicht so ein Schwein wie Weinstein", brachte es der 66-Jährige auf den Punkt. Der Berliner Künstler überzeuge dabei auch mit scharfer Zunge, auch die aktuellen Politiker blieben nicht verschont.

Für Ralf Fröhlich aus Lauterbach, gebürtiger Sachse, gab es ein besonderes Highlight. Er spielte mit Ilja Richter eine Szene als reitender Westernheld Buffalo Bill. "Schnucki, ach Schnucki, fahrn ma nach Kentucky" war das Motto für die lustige Einlage.

Dann drehte Richter mit einem Wiener Couplet von André Heller noch einmal am Rad der Zeit und vollendete die "May-Reise" mit lyrischen Tönen zum Ableben von Karl May. "Winnetou" hat überlebt.

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