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Für mehr junge Familien

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Von: Lena Karber

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Bei der Vergabe der Bauplätze im Baugebiet Flensunger Hof II, für das im Oktober 2021 der Spatenstich stattgefunden hat, sollen die Kriterien zur Anwendung kommen. Am Mittwoch werden sie von der Gemeindevertretung beraten. ARCHIVFOTO: SF © Jutta Schuett-Frank

Aufgrund der hohen Nachfrage will die Gemeinde Mücke Kriterien festlegen, nach denen künftig alle Bauplätze vergeben werden sollen, um das Vorgehen transparent und fair zugestalten. Dabei soll ein Punktesystem zum Einsatz kommen, das etwa ehrenamtliches Engagement belohnt und jungen Familien gute Chancen einräumt. Am Mittwoch entscheidet die Gemeindevertretung darüber.

Die Nachfrage nach Bauplätzen in Mücke ist in den vergangenen Jahren gestiegen, für das in der Erschließung befindliche Neubaugebiet Flesnunger Hof gibt es deutlich mehr Interessenten als Bauplätze. Deshalb will die Gemeinde künftig einheitliche Kriterien heranziehen, um die Vergabe für die Bürger nachvollziehbar und transparent zu machen. Im Vorfeld der Sitzung der Gemeindevertretung, die in dieser Woche stattfindet, standen die Kriterien vergangene Woche im Bau-, Landwirtschaft-, Umwelt- und Verkehrsausschuss (BLUV) sowie im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) zur Diskussion.

Konkret soll die Bauplatzvergabe nach einem Punktesystem erfolgen: Die Bewerber füllen einen Fragebogen aus, bei dem für verschiedene soziale Kriterien, etwa ehrenamtliches Engagement oder Kinder, Punkte vergeben werden. Die Anzahl der erreichen Punkte entscheidet dann über die Reihenfolge, in der die Grundstücke vergeben werden. Wer die meisten Punkte erzielt, kommt also nicht nur sicher zum Zug, sondern darf sich auch als erstes ein Grundstück aussuchen.

Bevorzugt sollen nach Vorstellungen der Ausschuss-Mitglieder etwa junge Familien mit Kindern einen Bauplatz erhalten, wobei auch das Alter der Kinder eine Rolle spielt: Sind sie besonders jung gibt es besonders viele Punkte.

Belohnt wird laut Vorlage zudem ehrenamtliches Engagement. Bei der Mitarbeit in Vereinen müssen diese nach Wunsch der Ausschuss-Mitglieder zwar nicht eingetragen sein, aber zumindest eine Satzung haben.

Ehrenamtliches Engagement

Eine Diskussion ergab sich darüber, ob kommunalpolitisches Engagement ebenfalls belohnt werden soll. Bürgermeister Andreas Sommer erläuterte, dass der Gemeindevorstand diesen Punkt bewusst nicht vorgesehen habe, damit niemand eine Vorsteilsnahme im Amt unterstellen könne. Im BLUV waren damit zwar nicht alle Mitglieder einverstanden, letztlich wurde der Punkt jedoch nicht hinzugefügt. Das änderte sich dann mit der Sitzung des HFA am Mittwoch, wo die Stimmung eindeutig war, nachdem Günter Zeuner (FW) den Punkt noch einmal aufgemacht hatte. Er sehe da keinen Widerspruch, befand er und bekam Zuspruch von allen Seiten.

Wenn man das kommunalpolitische Engagement aus diesem Grund herausnehme, sei das »ja fast eine Benachteiligung« dieses Ehrenamts. meinte etwa Dr. Udo Ornik von den Grünen im Namen der Kooperation. Vielen Bürgern sei ohnehin gar nicht bewusst, dass man die Arbeit ehrenamtlich leiste. »Wir sollten selbstbewusst auftreten und das auch deutlich machen«, sagte er.

Ebenfalls soll es Punkte dafür geben, wenn ein Bewerber seinen Arbeitsplatz in Mücke hat. Diesen Ansatz unterstützten nicht alle Mitglieder des BLUV, da es nicht für jeden Beruf Stellen in der Gemeinde gibt. Dennoch wurde er letztlich als Entgegenkommen für die in der Gemeinde ansässigen Unternehmen,, die laut Sommer ein Interesse daran haben, dass ihre Mitarbeiter in der Mücke bauen können, beibehalten.

Schnelligkeit soll keine Rolle spielen

Anders als in dem ersten Entwurf vorgesehen, soll es zudem auf Wunsch der BLUV-Mitglieder nicht nur für diejenigen Punkte geben, die in den fünf Jahren vor der Bewerbung um einen Bauplatz ihren Hauptwohnsitz in der Gemeinde hatten, sondern auch für Menschen, die vor längerer Zeit schon einmal in Mücke gewohnt haben. Damit wollen die Ausschuss-Mitglieder auch Rückkehrer belohnen - beispielsweise Personen, die nach der Schule für Studium oder Job eweggezogen sind, nun aber mit ihrer Familie in der alten Heimat sesshaft werden wollen.

Die Mücker Bürger (MüBü) hätten gerne noch Punkte für »Mehrgenerationen-Bauvorhaben« vorgesehen, also für Fälle, in denen mindestens drei Generationen zusammenziehen möchten. Ein entsprechender Antrag wurde am Dienstag zunächst auch mehrheitlich angenommen, dann jedoch wieder verworfen. Der Grund: es herrschte Unklarheit darüber, wie ein entsprechendes Vorhaben bei der Bewerbung für einen Bauplatz nachgewiesen werden soll.

Vorgesehen ist, dass die Kriterien bei der Vergabe der Bauplätze im Baugebiet Flensunger Hof, aber auch bei allen anderen in Zukunft zu vergebenen Bauplätzen zu Anwendung kommen. Bislang ist es noch nicht möglich, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Dafür wird es, wenn die Kriterien final festgelegt wurden, einen Stichtag und eine Deadline geben. »Schnelligkeit spielt keine Rolle«, betonte Sommer.

Bewerber sollen sich künftig zudem auf eine Warteliste setzen lassen können, wenn sie generell an einem Bauplatz innerhalb der Gemeinde interessiert sind und nicht nur innerhalb eines bestimmten Gebietes. Sie erhalten dann auch Punkte für die Wartezeit, müssen sich aber dennoch für jedes neue Baugebiet neu bewerben, da sich die Punkteverteilung in der Zwischenzeit verändern kann, etwa dadurch, dass Kinder älter werden.

Da die Kriterien nicht rückwirkend gelten, werden Interessenten, die sich in der Vergangenheit um einen Bauplatz in der Gemeinde beworben haben, keine Punkte für ihre Wartezeit zugesprochen. Dies ist erst in Zukunft möglich.

Die überarbeiteten Bauplatzkriterien sowie die dazugehörigen Richtlinien für die Bauplatzvergabe in Mücke werden am Mittwoch (26. Januar) im Rahmen der Sitzung der Gemeindevertretung, die letztlich auch final entscheiden wird, noch einmal zur Diskussion gestellt.

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