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Frische Erdbeeren vom Schulacker

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Von: Joachim Legatis

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Die Schülerinnen und Schüler haben den Schulacker hinter der Gesamtschule Mücke umgegraben und wollen nun Gemüse säen. © Joachim Legatis

Mücke (jol). Das Landleben ist auch nicht mehr das, was es einmal war - so wachsen heutzutage viele Kinder auf, ohne im Gemüsegarten gesät zu haben und zu erleben, wie es blüht und gedeiht. Dafür gibt es jetzt den Schulacker an der Gesamtschule Mücke, der kürzlich vorbereitet wurde. »Die Kinder waren mit Feuer und Flamme beim Umgraben dabei - das war toll anzusehen«, strahlt Martin Stephan, der die Acker-AG mit Annette Tröller betreut.

Gefördert wird die »GemüseAckerdemie« durch die AOK Hessen, die das Projekt im Jahre 2019 gestartet hat. Bisher haben 36 Schulen mit rund 1000 Kindern »geackert«. In diesem Jahr kommen weitere 25 hessische Schulen hinzu. Kinder und Jugendliche bauen dabei direkt an der Schule ihr eigenes Gemüse an. So erfahren sie, wo Lebensmittel herkommen und wie viel Arbeit und Spaß es macht, Gemüse selbst anzupflanzen, zu pflegen und zu ernten.

Anbautechnik

In Mücke sind 18 Jungen und Mädchen dabei, wie Martin Stephan berichtet. »Wir sind froh, dass sich so viele dafür interessieren.« Geplant ist, ein- bis zweimal pro Woche auf das Beet zu gehen, Unkraut zu zupfen und zu wässern. »Das wird sehr arbeitsintensiv«, gearbeitet werden soll in kleinen Gruppen, die jeweils für einen Abschnitt zuständig sind. »Es macht etwas mit den Kindern, wenn sie sehen, dass aus einem Samenkorn eine Möhre heranwächst«, strahlt der Lehrer.

Die Schülerinnen und Schüler kommen an die frische Luft und schaffen etwas gemeinsam. Doch neben dem Gemeinschaftsgefühl geht es auch um ein besseres Verständnis für die Natur und den Wert von Nahrungsmitteln. Denn oft wachsen Kinder auch in kleinen Vogelsberger Orten auf, ohne zu wissen, woher das Essen kommt, das abends auf dem Tisch steht.

»In Neubaugebieten sieht man fast keine Gemüsegärten«, hat Schulleiterin Esther Becker beobachtet. Früher hatten viele Familien einen Gemüsegarten hinter dem Anwesen, inzwischen steht da eher ein Trampolin auf einer Grasfläche. Die Erfahrung hat auch Stephan gemacht, »manche haben zu Hause einen Gemüsegarten, andere nicht«.

Zu dem Projekt gehören Schulungen in biologischer Anbautechnik. So wurde der etwa 70 Quadratmeter große Acker hinter der Schule im Herbst gemulcht und vor Kurzem umgegraben. Dadurch kommen Nährstoffe in den Boden. Gearbeitet wird nach den Regeln der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, vermittelt durch einen Referenten. So wird eine Fruchtfolge beachtet, um den Boden nicht auszulaugen, und man achtet darauf, welche Pflanzen nebeneinander gepflanzt werden können, um sich zu ergänzen.

Auch das Umfeld wird passend hergerichtet. So wird am Rand noch ein Blühstreifen angelegt, um Insekten Futter zu bieten. Eine Staudenecke soll hinzukommen. Und auf drei bereits bestehenden Hochbeeten, die den Acker begrenzen, werden noch Erdbeeren gezogen, wie Stephan erläutert. »Wenn die Kinder mit den Händen in der Erde graben, ist das eine schöne Erfahrung und ein tolles Gemeinschaftsgefühl.«

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