Naturschutz

Flachwasserteiche als Eldorado für Frösche und Störche

  • schließen

Am Flachwasserteich tummeln sich Kegelbienen, Laubfrösche, Molche, seltene Wespen und Schwarzstorch. Die Teiche werden aber immer seltener. Bei Mücke werden neue angelegt

An den Flachwasserteichen geraten Revierleiter Christian Feußner und Klaus Pfarrer, Naturschutzexperte beim Forstamt Schotten, regelrecht ins Schwärmen. Dabei sehen die flachen Tümpel im beginnenden Winter unscheinbar aus. Der Brethsfeldteich nahe der Grünschnittdeponie von Merlau ist ein flacher Kessel, vielleicht 250 Meter lang und 100 Meter breit. In einem Bereich stehen Rohrkolben und ein kleiner Wasserlauf schlängelt sich zwischen trockenem Schilf und kleinen Bäumen entlang.

Am Brethsfeldteich ist der Damm neu errichtet worden. Dabei sorgt Tonerde dafür, dass sich mehr Wasser als bisher stauen kann. Noch "nackter" wirkt ein Flachwassertümpel nahe der Kreisstraße zwischen Merlau und Atzenhain. Er wurde kürzlich angelegt, der erste Regen seit langem sorgte für eine größere Pfütze. Damm und Umgebung sind noch ohne Vegetation, doch Feußner und Pfarrer freuen sich schon auf die vielen Tiere.

Flachwasserteiche erfüllen eine wichtige Funktion in der Natur, weshalb Arbeiten daran aus dem Landesprogramm für Biodiversität gefördert werden. Denn eine möglichst große Vielfalt in der Natur macht den Lebensraum des Menschen generell stabiler, abwechslungsreicher und schöner, wie die Forstbeamten herausstellen. Naturschutz ist ein wichtiger Arbeitsbereich im Staatsforst. ist das Waldstück am Brethsfeldteich bereits seit Jahren aus der Nutzung herausgenommen. Dort wird der Natur "freier Lauf gelassen", sagt Uwe Prihoda von Hessen Forst. Das trifft sich gut, der Zufluss zum Teich kommt aus dem Erlenquellsumpf in dem Waldstück.

Teich und seine Ufer sind ökologisch hoch wertvoll, das hat Paul-Walter Löhr aus Merlau über die Jahre hinweg dokumentiert. Er hat 105 Tierarten gefunden, die auf der Roten Liste der bedrohten Lebewesen stehen. Unter den seltenen bis sehr seltenen Arten sind neun Pflanzenwespenarten und die Kegelbiene, die in Hessen als ausgestorben galt.

Löhr fand zudem Laubfrösche und Kammmolche. Der Teich dient Stock- und Krickenten als Brutplatz, Waldwasserläufer machen dort Rast. Der Tier-Vielfalt kommt das zeitweilige Trockenfallen des Teichs zugute, zumal meist eine kleine Wasserfläche erhalten bleibt. Pfarrer hat in diesem Sommer zum ersten Mal erlebt, dass der Teich komplett ausgetrocknet ist. Das ist günstig für Amphibien, weil Fische verschwinden, die im nächsten Frühjahr Eier und Kaulquappen fressen würden. Flachwasserteiche sind auch deshalb so wichtig, weil sich das Wasser im Frühjahr schnell erwärmt und es so gute Brutbedingungen für Kleintiere bietet.

Am Brehtsfeldteich wurde der Damm neu aufgesetzt. Damit wollen die Forstmitarbeiter erreichen, dass sich das Wasser länger staut und Amphibien genug Zeit haben, sich zu entwickeln. Ein Wühlschutz ist eingebaut, damit der Damm nicht von Bisamratten durchlöchert wird. "Vielleicht bekommen wir ja einen Biber", hofft Pfarrer. Zu einem Biotop wie es der Brethsfeldteich bereits ist, soll sich ein neuer Tümpel unweit der Kreisstraße nach Atzenhain entwickeln, wie Revierleiter Feußner hofft. Er hat am Rand einer Feuchtwiese einen Flachwasserteich ausheben lassen. Der Teich ist ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft, die Bäume im Waldstück waren zu einem Gutteil vom Eschentriebsterben befallen. Die Krankheit rafft zur Zeit große Bestände der Baumart hin. Im Rodungsbereich war genug Platz für einen Teich, der sogar eine Insel hat. Feußner wollte eine junge Hainbuche schützen, und so errichteten die Baggerfahrer den Teich kurzerhand drumherum. Ein großer Baumstamm liegt in der Lehmmulde, um Amphibien Platz zum Sonnen zu bieten. Feußner hofft, dass auch Schwarzstörche das neue Biotop bei der Futtersuche nutzen. Dann würde eine weitere bedrohte Tierart neuen Lebensraum finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare