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Bei einer Ausstellung in Merlau konnte man sich unter anderem über den Eisenerzabbau in Mücke informieren, das interessierte auch Landrat Manfred Görig (3. von rechts) und Bürgermeister Matthias Weitzel (4. von rechts). (Foto: sf)

Dünne Bodenschicht ist unsere Lebensgrundlage

Mücke (sf). Am Sonntag wurde der Geo-Tag in Mücke ausgerichtet. Das Dorfgemeinschaftshaus in Merlau war eine wahre Fundgrube von Steinen, Grubenmodellen, Sand-Stein-Gemischen, Prospekte und vielem mehr.

Direkt im Blickfeld nach dem Eingang war eine Wand zu sehen, wo auf über 100 DIN A4-Blättern verschiedene Bilder in Brauntönen hingen, welche die Farbnuancen der Erde darstellten. Als Ehrengäste gekommen waren Landrat Manfred Görig, vom Geopark Vulkanregion Vogelsberg Geschäftsführer Hartmut Greb, der neue Geologe Daniel Korb, von der Vulkanischen Gesellschaft die Expertin Kerstin Bär, der Vor- sitzende des Fachbeirats Bürgermeister Heiko Stock aus Lautertal und Bürgermeister Matthias Weitzel.

Infotafeln über Erzregion Mücke

Zur Eröffnungsveranstaltung am Vormittag konnte Bürgermeister Weitzel zum einen die Ehrengäste, die Initiatoren der einzelnen Ausstellungen, so von Mücke beispielsweise Werner Wißner und Karl Rudi, großes Fachpublikum und ganz viele interessierte Gäste willkommen heißen. Es gab Einzelausstellungen, bei denen man sich über den Eisenerzbau in Mücke informieren könnte, ferner über den Steinbruch in Michelnau, die geologische Baumhecke und die Nachstellung des Wanderweges bei Ortenberg. Der Kunstturm Mücke, der eine Brücke zwischen der Geschichte und der modernen Kunst schlägt, war ebenfalls vertreten, so durch den Maler Berthold Kamper.

Mit zahlreichen Exponaten war die Projektgruppe "Erzweg" bei der Veranstal- tung präsent. Die Gruppe setzt sich aus interessierten Bürgern zusammen, die sich für ihre Region einsetzt. Sie realisierten im Raum Mücke in wenigen Jahren mit den Erzwegen Mitte und Süd themenbezogene Wanderwege. Insgesamt wurden zwölf Informationstafeln installiert. Sie sind mit zahlreichen historischen Fotos und Dokumentationen bestückt und spiegeln die heimische Geschichte wider. Bei ihrer Ausstellung zum Geo-Tag zeigte die Mücker Gruppe verschiedene Modelle von Bergwerken und weitere historische Gerätschaften. Weitzel meinte, dass der Kunstturm Mücke und sein Team die Geschichte der Eisenerzgewinnung wieder hätten lebendig werden lassen. Die Bodendenkmäler und weitere Entdeckungen an geologischen Schönheiten warteten darauf entdeckt zu werden. Die Erschließung von Bodendenkmälern gehört auch zur Aufgabe des Geoparks Vogelsberg.

Kerstin Bär von der Vulkanischen Gesellschaft hielt einen Fachvortrag über den Tageabbau von Eisenerz in Mücke und im Vogelsberg insgesamt. In Laubach, Hungen, Grünberg und Mücke lagen demnach die Hauptabbaugebiete. Als im Vulkangebiet Vogelsberg glutflüssige basaltische Lava aus dem Erdinneren drang, war das vorherrschende Klima wärmer und zeitweise auch feuchter als heute. Dabei wurde der Basalt durch die Verwitterung verändert, so dass sich eisenhaltige Ablagerungen bilden konnten, die als Basalteisenstein bezeichnet werden.

Diese Vorkommen sind im westlichen Vogelsberg schon vor vielen Jahrhunderten gefunden und geschürft worden. Auch Roterden rund um Mücke sind bis heute erhalten geblieben. Wegen der Bedeutung des Schutzes der Böden als lebenswichtige und nicht erneuerbare Ressource ist 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens ausgerufen worden. Der Boden ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit. Er ermöglicht es Pflanzen, Tieren und Menschen auf der Erdoberfläche zu leben. In diesem Sinne wurde auch die Europäische Boden-Charta gefasst.

Boden als Lebensgrundlage

"Wir treten ihn regelmäßig mit den Füßen, man ärgert sich, wenn er an den Schuhen kleben bleibt – und man bezeichnet ihn, ohne nachzudenken als Dreck – doch ist er die Grundlage unseres Lebens: Der Boden macht nur einen winzig kleinen Teil der Erdkruste aus, nicht mehr als ein Hauch, gemessen an der Stärke des Erdmantels. Doch ist er die Schicht, die durch die Aktivität von kleinsten Organismen aus toter Materie lebendige, fruchtbare Böden schafft – Lebensgrundlage von Menschen, Pflanzen, Tieren. Daher müssen wir ihn auch vorsichtig und umsichtig behandeln", so lautet die einhellige Meinung der Geologen, wie Kerstin Bär ausführte.

Boden dient aber auch als Wasserfilter und Wasserspeicher sowie als Quelle von Rohstoffen. Ein Schnitt durch verschiedene Bodenschichten öffnet ein Fenster in die Vergangenheit, denn aus den unterschied- lichen Ablagerungen lässt sich viel von der (Erd)geschichte dieser Region lernen. Die Gäste hatten die Möglichkeit, sich die Ausstellungen genau anzusehen und sich über die verschiedenen Aspekte von Boden zu informieren.

Kunst und Geschichte

Es gab die Möglichkeit eines gemeinsamen Mittagessens, und dann ging die Geo-Tour los. Man besuchte die Weickartshainer Schweiz, und Kerstin Bär von der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft erläuterte die Bodengegebenheiten, sie teilte sich den Vortrag mit Karl Rudi vom Kunstturm Mücke. Das nächste Ziel der Besucherschar war der Kunstturm in Mücke, inzwischen ein richtiges kulturelles Wahrzeichen geworden. Volker Schönhals vom Kunstturm Mücke informierte darüber, wie man Kunst und Geschichte miteinander verknüpft, so dass sie attraktiv wird und Besucher anzieht. Der Kunstturm Mücke ist dafür bekannt, auch den Künstlern die Möglichkeit zur Ausstellung zu geben, deren Kunst sich nicht auf den ersten Blick offenbare.

Im Dorfgemeinschaftshaus Merlau gab es dann noch Kaffee sowie Kuchen. In gemütlicher Runde referierte Karl Rudi über den Erzweg Süd und den Erzweg Mücke sowie über die fast vergessene Bergbaugeschichte der Region. Über die Arbeit des Geopark Vulkanregion informierte der Leiter Hartmut Greb.

Auch die Kinder hatten an diesem Tag ihr spezielles Betätigungsfeld. Dr. Sabine Schmalz und ihre Freundin Silke Kraft von der Gruppe Vulkan-Forscher hatten interessante Forschungsprojekte dabei. So wurde beispielsweise mit Salzteig und Asche ein Vulkan nachgebaut, den die Kinder mitnehmen konnten. Cool war auch das Experiment mit Trockeneis. Es blubberte dann im Modellvulkan. Weitere Erosionsversuche mit Trockeneis gab es auch, die viel Freude machten.

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