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»Die Bach« hat sich gemausert

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Von: Jutta Schuett-Frank

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Nach Abschluss der Arbeiten am Seenbach werden zwei Info-Tafeln enthüllt, links Bürgermeister Andreas Sommer. © Jutta Schuett-Frank

Mücke-Merlau (sf). »Es ist ein tolles Projekt und es wird von der Bevölkerung angenommen«, das sagte Bürgermeister Andreas Sommer bei seiner Begrüßung zur offiziellen Abschlussveranstaltung nach der Seenbach-Renaturierung und Enthüllung der beiden Mücker Infotafeln. Die neue Sitzgruppe hat dort ebenfalls einen schönen Platz gefunden. »Dort kann man eine Pause einlegen, sich informieren und entspannt dem Bachlauf zusehen.

Eine Oase der Entspannung ist entstanden«.

Sommer begrüßte unter anderem Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und Sebastian Weller, der immer ein qualifizierter Ansprechpartner für das Projekt gewesen sei. Aber auch die Obere Naturschutzbehörde war vertreten sowie Mitglieder des Angelvereins, das Grafikbüro Saarbourg, das Ingenieurbüro Ohlsen und die Baufirma Böning, der stellvertretende Ortsvorsteher Dieter Daniel war vor Ort und Bauamtsleiter Thomas Heidlas. Nicht zu vergessen die stark motivierte Truppe der Interessengemeinschaft »Merlauer Schloss« und zahlreiche Interessierte. Die Themen Artenschutz, Lebensräume für die Tiere schaffen und Biodiversität hätten in Mücke Einzug gehalten, betonte der Bürgermeister.

Platz für die Bachmuschel

Über den naturnahen Ausbau des Seenbachs freue man sich und hofft, dass dies auch das Richtige war. Sicherlich, so Regierungspräsdent Dr. Ullrich, habe man vor rund 150 Jahren beim Bau der Eisenbahn auch gedacht, »das Richtige« getan zu haben, als der Seenbach begradigt wurde. Der RP sei eine Behörde mit wenig persönlichem Bürgerkontakt, aber für vieles zuständig, so von der Trinkwasserversorgung bis hin zum Arbeitsschutz. Der Bach im Ort ist immer ein Anziehungspunkt und so freute es Ullrich, dass Bürgermeister Sommer erzählt hat, dass nun auch wieder Kinder in »die Bach« gehen. In früheren Jahrzehnten tummelten sich die Kinder immer am Wasser. Wenn es auch während der Bauphase »hier richtig wild ausgesehen hat, kann man nun genüsslich den Blick schweifen lassen«.

Für die Renaturierung, den Artenschutz und Hochwasserschutz sei man tätig gewesen und das Land habe das Ganze mit 200 000 Euro finanziert, so der RP. Dr. Ullrich und dankte allen, die sich für das Projekt stark gemacht hatten und verschenkte an die Besucher Kalender vom RP für das kommende Jahr.

Martin Ponkratz vom Ingenieurbüro Ohlsen sprach von einem schnell umgesetzten Projekt. Man habe erst im März mit den Bauarbeiten begonnen. Insgesamt wurden 600 Meter Wasserstrecke oberhalb und unterhalb der Schlossbrücke renaturiert. Es wurde eine Nebenrinne angelegt und die Uferböschung abgetragen. Das Regenwetter im Laufe des Jahres war nicht so förderlich für die Baumaßnahme, aber es wurden insgesamt 5000 Kubikmeter Erdmaterial bewegt. Zu den unvorhergesehenen Hindernissen zählten die Hochspannungsleitung und die gefundenen Leitungssysteme aus der Zeit des Erzabbaus. Nach seinen Angaben belaufen sich die Baukosten auf rund 195 000 Euro.

Dieter Daniel berichtete, dass einige Bürger sagten, der Bach sei »doch noch gut, was man denn da ausbessern müsse«. Aber mittlerweile habe man das gut verstanden und der neu gestaltete Platz werde auch gut angenommen.

Christiane Drabik von der Wasserbehörde lobte die Gemeinde Mücke für ihr schnelles Handeln und die gute Zusammenarbeit aller Ebenen. Das Gewässer sei in einem guten Zustand und die neue Fließgeschwindigkeit mal schnell, mal langsamer, mal tiefer oder wieder flach, und das Kiesbett trage dazu bei, dass die Diversität gegeben sei und dass sich die Bachmuschel unter anderem dort nun wohlfühle. Alles rund um den Seenbach werde auch nach Brüssel gemeldet, so Astrid Rauner von der Unteren Naturschutzbehörde, denn der Seenbach sei im Projekt »Natura 2000« angesiedelt. Es seien zwar nur 600 Meter renaturiert worden, aber diese 600 Meter seien ein Erfolg und setzten Effekte.

Dann kam der spannende Moment und die Hinweistafel wurde enthüllt.

Jetzt freut man sich darauf, dass der Platz gut genutzt wird und hoffentlich wird es auch noch einen schönen Namen geben.

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