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An der Spitze der Nutzungs-Hitliste unter den Mücker Dorfgemeischaftshäusern steht unangefochten die Einrichtung in Nieder-Ohmen. (Fotos: rs)

DGHs in Eigenregie behalten

Mücke (pm). "Die Gemeindevertretung spricht sich dafür aus, die Dorfgemeinschaftshäuser in Verantwortung und Regie der Gemeinde zu belassen." Dies ist der entscheidende Satz eines Antrags, den die CDU-Fraktion für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung am 2. Juli eingebracht hat.

Hintergrund sind laut einer Pressemitteilung der CDU die Überlegungen in mehreren Städten und Gemeinden, sich aus Kostengründen von den Dorfgemeinschaftshäusern ganz zu trennen oder sie möglichst in die Verantwortung eines oder mehrerer örtlicher Vereine zu geben. Konkret sind solche Planspiele in den vergangenen Jahren in Schotten durchgespielt worden, und zur Zeit beschäftigt man sich in der Gemeinde Lohra (Kreis Marburg-Biedenkopf) damit alle DGHs zu verkaufen. Gegen dieses Ansinnen haben in einigen Ortsteilen bereits Demonstrationen stattgefunden.

Umbauten aus alten Dorfschulen

Nach der kommunalen Gebietsreform Anfang der 1970-er Jahre war der Umbau ehemaliger Dorfschulen zu Gemeinschaftseinrichtungen (so in Wettsaasen, Ilsdorf, Höckersdorf, Merlau, Flensungen, Groß-Eichen, Atzenhain) oder der komplette Neubau von Dorfgemeinschaftshäusern (Nieder-Ohmen, Sellnrod, Bernsfeld) ein großes Thema der Kommunalpolitik gewesen.

Sehr bald stellte sich heraus, dass die DGHs in den einzelnen Ortsteilen sehr unterschiedlich genutzt wurden und werden, und auch in Mücke wurde bei verschiedenen Haushaltsberatungen die Frage nach einer "Kosten-Nutzen-Analyse" aufgeworfen. Daraufhin legte die Gemeindeverwaltung schon vor Jahren Zahlen vor, aus denen die Nutzung (Auslastung) jedes einzelnen DGH zu entnehmen war; auch die Kosten für Heizung und Strom wurden dargestellt.

Fast 40 Jahre nach Inbetriebnahme der ersten DGH in Wettsaasen und Ilsdorf (1975) stellt sich für die CDU jetzt die Frage, in wessen Verantwortung, Regie und vor allem Kostenträgerschaft die Gemeinschaftshäuser in der Gemeinde Mücke in den nächsten Jahren und Jahrzehnten geführt werden sollen. Die CDU spricht sich mit dem gestellten Antrag dafür aus, alle Dorfgemeinschaftshäuser in Verantwortung und Regie der Gemeinde zu belassen. Man halte in diesem Bereich nichts von Privatisierung, Verkauf oder Verpachtung. "Das Dorfgemeinschaftshaus ist für das Zusammenleben in jede, Dorf eine existenziell wichtige Einrichtung auf die nicht verzichtet werden kann", so Dr. Anneliese Brunn.

Nicht nur als ein Raum, in dem Kinderturnen, Erwachsenen- und Seniorensport durchgeführt werden und der von allen Einwohnern genutzt werden kann, für Familienfeiern aller Art (Hochzeiten, Ehejubiläen, Taufen, Konfirmationen, Trauerkaffee) als auch für Faschingsfeiern, Jahreshauptversammlungen der örtlichen Vereine sind die DGHs aus Sicht der CDU die zentrale Versammlungsstelle.

DGHs haben hohem Stellenwert

Jedermann wisse, dass ein DGH nicht kostendeckend geführt werden könne, und auch die Benutzungsgebühren könnten nur begrenzt angehoben werden. Weil die DGHs für die Zukunft der Dörfer den beschriebenen überragenden Stellenwert haben, will die CDU erreichen, dass diese für die Zukunft in Verantwortung und Kostenträgerschaft der Gemeinde verbleiben und daran keine Zweifel aufkommen. Deshalb soll die Gemeindevertretung diesen klaren Beschluss fassen.

Um langfristige Entscheidungen über die Zukunft der DGHs treffen zu können, benötigen die Mitglieder der Gemeindevertretung konkrete und verlässliche Zahlen als Grundlage. Daher bittet die CDU-Fraktion den Gemeindevorstand eine Auflistung der Erlöse und Aufwendungen der letzten fünf Haushaltsjahre für jedes DGH vorzulegen, außerdem soll eine Auflistung der in den nächsten fünf Jahren zu erwartenden Investitionen für jedes DGH erstellt werden und schließlich soll der Gemeindevorstand ein Konzept zur Verminderung der Ausgaben (zum Beispiel Energieeinsparung, Beteiligung von Bürgern oder Vereinen an kleineren Renovierungsmaßnahmen) und zur Verbesserung der Einnahmen (Attraktivierung, Anreize für die Hausmeister Veranstaltungen zu akquirieren). Die CDU hofft auf die Unterstützung aller Fraktionen in der Gemeindevertretung für diesen Antrag, damit ein breiter Konsens für den Erhalt und Weiterbetrieb der DGHs zustande kommt und den einzelnen Dörfern – ob groß oder klein – ein Perspektive für das soziale Miteinander gegeben wird, denn eine Gemeinschaftseinrichtung für alle Bürger könne man nicht nur unter dem Faktor "Geld" beurteilen.

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