Cora Stephan liest im aquariohm aus neuer Familiensaga

Mücke (sf). Michael Fliegl vom Kunstturm Mücke begrüßte jetzt im aquariohm wieder einmal die Autorin Cora Stephan. Man habe sie ja schon oft gehört – dann war sie als Anne Chaplet oder Sophie Winter in Erscheinung getreten.

Die Lesung wurde organisiert vom Förderverein Hallenbad, dem Kunstturm und der Buchhandlung Reinhardt aus Grünberg.

Cora Stephan freute sich riesig, dass so viele Zuhörer gekommen waren, obwohl der Roman nicht im Vogelsberg spielt. In der Vorgeschichte erzählte sie, dass man sich als Kind oft erst mit der Geschichte der Eltern auseinandersetzt, wenn diese nicht mehr da sind. Es ist ein Lebensbuch, eine Familiensaga entstanden, die auf 640 Seiten 64 Jahre umspannt.

Dramatisches Geschehen

Mitreißend beschreibt die Autorin das Schicksal ihrer Hauptfiguren vor dem Hintergrund der wechselhaften Geschichte ihres Landes. Sie lässt dabei weder die historischen Details noch die dramatischen Lebensgeschichten ihrer Protagonisten überhand nehmen. Zum Inhalt: Margarethe Hegewald, die sich selbst Margo nennt, schmeißt die Schule und startet eine Ausbildung bei Photo-Werner im Stendal der 1930er Jahre. Hier kreuzen sich die Wege von Margo und Helene.

Dort lernt sie Helene Pinkus, eine Fotografin, kennen und beide verlieben sich in den gleichen Mann. Es sind die Jahre kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und man bekommt mit, wie sich die Lage zuspitzt. Vor allem, da Helene jüdische Vorfahren hat. Cora Stephan erzählt Zeitgeschichte als Familiengeschichte und entwirft Charaktere, denen man voller Spannung folgt.

Zudem sind viele Details akribisch recherchiert. Die Geschichte Deutschlands ist ungeschönt geschildert. Margo verliert auf der Flucht 1945 ihr Kind und beinahe ihr Leben. Mit Henri, dem der Krieg alle Illusionen geraubt hat, baut sie sich eine neue Existenz in Westdeutschland auf.

Helene, die Buchenwald überlebt hat, wird in Ostberlin von der Stasi zur "Kundschafterin des Friedens" ausgebildet. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges treffen beide wieder aufeinander, verbunden durch ein Familiengeheimnis und gelenkt durch die Stasi. Doch selbst das Ende der DDR bedeutet kein Ende ihrer dramatischen Verstrickung, die noch bis ins letzte Jahr des 20. Jahrhunderts reicht.

Nach viel Applaus schloss sich eine Fragestunde mit der Autorin an. Michael Fliegl dankte ihr mit Blumen und einer Flasche Rotwein. Abschließend signierte Cora Stephan noch gern Bücher. Auch Charly Weller, der kürzlich im aquariohm seinen neuen Roman vorstellte, war zugegen.

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