+
Jahrelange Übung für Körperspannung, Rhythmusgefühl und Ästhetik: Die Champagnergarde beim Training.

Blick hinter die Faschingskulissen in Atzenhain

Mücke-Atzenhain (jol). Es sieht so leicht aus, wenn die Beine hoch geschwungen werden, wenn im Takt gesprungen und in den Spagat geglitten wird – aber Gardetanz ist bei aller künstlerischen Leichtigkeit der jungen Frauen mit Sicherheit eine der arbeitsintensivsten Elemente beim Fasching.

Es macht aber viel Spaß, wie sich bei einem Besuch in der Trainingsstunde der Champagnergarde der Faschingsgemeinschaft Atzenhain zeigte. Drei Minuten dauert der Auftritt zu einem fetzigen "Kölsch-Medley", und diese drei Minuten verlangten bereits im Training Selina, Pascale, Katharina, Mona, Lea, Melissa und Elisa eine hohe sportliche Leistung ab. Auch jetzt, da bereits die ersten Auftritte bei Faschingssitzungen absolviert sind, hat Trainerin Jennifer Sroka noch einiges zu verbessern. Wichtig beim Gardetanz ist die absolute Übereinstimmung der Bewegungen, da ist die Garde dem persiflierten Vorbild, einer Gruppe Soldaten beim Exerzieren, ähnlich. Die Beine sollen gleich hoch geschwungen und die Schrittfolgen müssen genau befolgt werden.

Das erfordert viel Training, die drei Minuten werden ein Dreivierteljahr vorbereitet. Nur zwischen Aschermittwoch und Ostern ist Pause, dann beginnen die Übungsstunden, bis Herbst einmal wöchentlich und dann zweimal pro Woche.

"Weil es Spaß macht"

Das trainiert Dehnbarkeit und Fitness, ist aber für das synchrone Bild beim Auftritt nötig. Und die jungen Frauen zwischen 16 bis 27 Jahren kommen gern, nur selten fehlt eine. "Weil es Spaß macht", "Ich habe es mir angeguckt und bin nie wieder weggekommen", das sind nur zwei Antworten von den Tänzerinnen auf die Frage, warum sie dabei sind. Dabei geht es auch um Freundschaften, die gepflegt werden. "Wir sind eine harmonische Gruppe" und "Tanzen macht Spa?.

Acht Auftritte absolvieren die "Großen" der Faschingsgemeinschaft in dieser Kampagne. Neben den eigenen Sitzungen am 5. und 6. Februar im Schützenhaus in Atzenhain sind sie auch bei Veranstaltungen befreundeter Faschingsvereine zu erleben. Mit Begeisterung kann Jennifer Sroka vom Gardetanz erzählen. "Ich liebe es, mich hier auszutoben", sagte die junge Mutter und Trainerin. Sie tanzt bereits seit 21 Jahren und von den Champagner-Mädchen sind manche auch schon 15 oder gar 20 Jahre aktiv. Jung anfangen müssen sie für Besonderheiten wie den Spagat, für den die Beine jahrelang gedehnt werden müssen.

Sroka mag die Körperspannung, die den Gardetanz so charakteristisch macht. Die Bewegungen kommen von Marschtänzen, also ein Spektrum an Bewegungen zu Marschmusik. So gibt es eine bestimmte Auswahl an Handbewegungen, mal geht die Hand zackig zum Gruß an den Kopf oder ahmen die Beine tänzerisch den Stechschritt nach. Hinzu kommen Elemente aus dem Ballett und aus der Akrobatik, so Sroka, die ausgebildete Sportlehrerin ist. "Es ist eine Kombination aus verschiedenen Sportarten", erklärt die Trainerin. Davon grenzt sich der Showtanz ab, der in der Körpersprache freier ist.

Wichtig ist Jennifer Sroka und den Mädchen die Einbindung in den Fasching, "das ist etwas entspannter, die Leute sind offen und nett – nicht so ernsthaft". Die Auftritte sind für die jungen Frauen Treffen unter Freundinnen. Sie kommen bereits um 17 Uhr zusammen, schminken sich, nehmen einen kleinen Imbiss, tauschen sich aus, bereiten die Haare vor und fahren dann gemeinsam zum Auftritt. Hinter der Bühne ziehen sie sich um und dehnen sich gemeinsam.

Das ist besonders wichtig, denn ansonsten könnten sie sich beim späteren Tanzen gravierend verletzen. Und schließlich geht es "mit einer gesunden Nervosität" und in Formation auf die Bühne.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare