Anleger: Viel Geld mit Falkenhorst verloren

Mücke (jol). Die Baustelle der geplanten Seniorenresidenz ruht, aber immer noch brodelt es hinter den Kulissen des Bauprojekts Falkenhorst in Nieder-Ohmen. So beklagen einige Anleger den Verlust von viel Geld.

Im November hat die Alsfelder Allgemeine Zeitung über neue Anläufe für den Verkauf von Wohnungen nach jahrelanger Bauunterbrechung berichtet, kurz darauf kam die Darstellung von Bauträger Karl Philippi, dass er die Anlage mit gut 200 Altenwohnungen, Hotel und Pflegeheim vollenden möchte. Dazu gab es mehrere Rückmeldungen von ehemaligen Geschäftspartnern des Bauträgers, meist mit harscher Kritik am Geschäftsgebaren.

Inzwischen zeigt sich, dass die Vermarktung über ein Immobilieportal und ein Hamburger Immobilienbüro offenbar nicht so recht voran kommt. Mehrere Versuche, den Immobilienmakler per Telefon oder mit einer E-Mail-Nachricht zu erreichen, schlugen zumindest fehl.

Was hingegen vorankommt, ist wohl der Einsatz Karl Philippis, bei den Wohnungskäufern aus den 1990er Jahren über Nachforderungen an weiteres Geld zu kommen oder die Wohnungen für einen Teilbetrag der Kaufkosten zurückzukaufen. Daran haben mehrere Gesprächspartner harsche Kritik geübt, sie verwiesen auf schlechte Erfahrungen mit Geschäftspraktiken des Mücker Immobilienspezialisten.

Externe Gelder für den Weiterbau sind wohl auch deshalb nötig, weil Philippi laut Bericht des Insolvenzverwalters im Jahre 2004 mittellos war. Übrigens hat Philippi in einem Gespräch mit der AAZ auch angekündigt, dass er wieder das Eigentum an den bereits einmal verkauften Wohnungen zurück erwerben möchte. Dabei geht er offenbar nicht von hohen Beträgen aus, die er den ehemaligen Käufern für die Wohnung anbieten will. Zumindest schreibt er über die Seniorenresidenz, die Gesamtanlage und einige der Wohnungen "können als Ruine bezeichnet werden".

Das hat Philippi im November noch ganz anders gesehen: Im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung hatte er gesagt, er könne zu Recht davon schreiben, dass die Seniorenanlage zu 90 Prozent fertiggestellt sei, weil 2003 nur noch zehn Prozent der Bausumme zu investieren gewesen seien.

Übrigens gab der Insolvenzverwalter im Jahre 2004 den Fertigstellungsgrad der verschiedenen Gebäudeteile mit 70 bis 85 Prozent an. Die Baustelle ruht seit Anfang der 2000er Jahre, 2004 wurde dann noch festgestellt, dass im Kellerbereich das Wasser bis zu drei Meter hoch stand, vermutlich weil Regenwasser eingedrungen ist.{newPage}

"Habe alles verloren"

Mehrere Wohnungskäufer äußerten sich empört über die Aussage Philippis, "kein Käufer hat Geld verloren". Ein Käufer kommentierte es mit "ich habe dadurch alles verloren". Einige Wohnungen wurden bereits zwischen 1995 und 2000 verkauft, als Preis wurden Beträge von 130 000 bis 150 000 Euro genannt. Sie waren zum Großteil mit Krediten von Banken und Baufinanzierern möglich. Teilweise waren Vermittler zwischengeschaltet.

Damals sicherte Philippi den Käufern schnelle Fertigstellung der Residenz und zügige Vermietung der Wohnungen zu, wie sich Käufer erinnern. Ein Rundum-Sorglos-Paket wurde versprochen, so Käufer.

Doch dann zog sich der Bau immer mehr hin, und statt Geld mit der Vermietung zu verdienen, mussten die Käufer aus eigenen Mitteln ihre Kredite abstottern. So rutschten gut situierte Menschen über die Jahre hinweg in die Verschuldung ab, wie Betroffene erläuterten. Mindestens drei Privatinsolvenzen von Wohnungskäufern geben zu denken. Berichtet wurde auch von Anwürfen Philippis bei Arbeitgebern und Ämtern, die zu Schwierigkeiten am Arbeitsplatz geführt haben sollen. Mit der Angst vor solchen Repressalien erklären Ex-Geschäftspartner von Im-Com ihre Zurückhaltung, offen über ihre Erfahrungen zu berichten.

Das Insolvenzverfahren von 2004 hat die Lage der Wohnungskäufer nicht verbessert. Sie haben viel Geld für Räume ausgegeben, von denen sie nichts haben. Zur Erinnerung: Die Wohnungen wurden für bis zu 150 000 Euro verkauft, davon wurde ein Großteil während der Bautätigkeit abgefordert. Manche Käufer erwarben gleich mehrere Einheiten.

Und nun bietet der Bauträger an, die Wohnungen für einen Bruchteil des Betrages zurückzukaufen, den der Käufer in den Kauf einer bislang wertlosen Wohnung gesteckt haben. Problem: Die Schulden bei den Banken bleiben auch bei Rück-Verkauf der Wohnungen bestehen, weil das Geld ja bereits an den Bauträger geflossen ist.

Käufer berichteten auch von Gerichtsverfahren gegen Finanzvermittler und Banken, um aus der Zwickmühle herauszukommen. Diese Verfahren hätten keinen Erfolg gehabt. Offenbar waren die Verträge so gestaltet, dass die Lasten bei den Käufern verblieben, auch wenn sie keine Einnahmen aus der zugesagten Vermietung erzielen.

"Ohne Insolvenz wäre kein Schaden entstanden" Seniorenresidenz Falkenhorst soll weitergebaut werden Falkenhorst: Wohnung zu verkaufen Philippi will Falkenhorst vollenden

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