Hotelier Bernd Gärtner mit seiner BMW GS am Ludwigsbrunnen mit Blick auf Schotten. FOTOS: PM
+
Hotelier Bernd Gärtner mit seiner BMW GS am Ludwigsbrunnen mit Blick auf Schotten. FOTOS: PM

Motorradfahrer willkommen

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
    schließen

Motorräder können nerven. Der oft nicht gerade leise Sound der Zwei- räder ist nicht für jeden Musik in den Ohren. Die andere Seite ist das geruhsame Cruisen durch schöne Landschaften etwa im Vogelsberg. Inzwischen sind zahlungskräftige Motorradfahrer eine Touristengruppe, der die heimische Hotellerie sehr positiv gegenübersteht.

Schilder mit dem Hinweis "Motorradfahrer willkommen" sieht man immer häufiger an Gaststätten oder Hotels im Vogelsberg. Immerhin ist es eine Region mit Rennsporttradition am Schottenring und ehemaliger Wirkungsstätte der Konstrukteurslegende Friedel Münch (Laubach). Vom gesicherten Unterstellplatz bis zum Trockenraum, von der begleiteten Tour bis zum Gruppenrabatt - die Auswahl der Unterkunftsbetriebe im Vogelsberg spricht für sich.

Vor diesem Hintergrund ist die Gruppe MotorradTouristik Vogelsberg vielfältig aktiv. Neben dem Bemühen um Gäste werben die Gastronomen um Verständnis in der Bevölkerung. Die Gastronomen zeigen nicht nur Verständnis, wenn Bürger sich über zu laute Zweiräder beschweren, sie arbeiten selbst an der Problematik und zusammen mit der Polizei. "Die Phonzahlen müssen runter, gefragt sind dabei neben den Fahrern auch Industrie und Politik", sagt Bernd Gärtner, Hotelier aus Mücke, selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer und Vorsitzender des Vereins MotorradTouristik Vogelsberg.

Die Absicht der Polizei, zur Verhinderung einer Streckensperrung der Bundesstraße 276 zwischen Laubach und Schotten für Motorradfahrer Video-Kradstreifen einzusetzen, werde ausdrücklich begrüßt. Der Vorsitzende des vor 18 Jahren in Schotten gegründeten, aus bikerfreundlichen Gastbetrieben und Motorraddienstleistern der Region bestehenden eingetragenen Vereins, heißt die polizeilichen Maßnahmen gut: "Schräglagenfanatiker schaden unserem guten Ruf als motorradfreundliche Region", betont Gärtner. "In der Tat ist an den Kfz-Kennzeichen festzustellen, dass es überwiegend Motorrad-Rowdies aus dem näheren 50- bis 100-Kilometer-Umkreis des Vogelsberges sind, die ihre ›Heimstrecke‹ B 276, die sie gut zu kennen glauben, für Fahrten im Rennmodus nutzen. Motorradfahrende Touristen, erkennbar an ortsfremden Nummernschildern und an den Gepäckboxen, sind kaum auffällig. Sie bevorzugen meist das Landschaftserlebnis und gemeinsame Gruppenausfahrten. An Geschwindigkeitsrekorden haben sie kein Interesse", so die Erfahrung von Gärtner. "Aus diesem Grund unterstützt die MotorradTouristik Vogelsberg die Video-Kampagne der Polizei, ebenso die vor einigen Jahren installierten Rüttelstreifen vor und nach der ›Applauskurve‹ zwischen Laubach und Schotten sowie die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der B 276, die natürlich nur Sinn machen, wenn ihre Einhaltung regelmäßig kontrolliert wird", erklärt Gärtner.

Seit der Gründung bringt der Verein jährlich für die motorradfahrenden Gäste eine Tourenkarte Vogelsberg mit Rhön, Spessart, Knüll und Taunus heraus, aktuell in der 18. Edition mit einer Gesamtauflage von mittlerweile 420 000 Exemplaren in Deutsch, aber auch in Niederländisch und Englisch. Gärtner macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam und erwähnt den Slogan "Laut ist out". "Es sind nicht nur die unseren touristischen Ruf so arg in Misskredit bringenden Raser, sondern auch die teilweise extrem lauten Maschinen von so manchem übermotivierten Asphalt-Cowboy. Früher war es überwiegend den ›Schraubern‹ vorbehalten, ihre Motorräder auf aufschneiderische Lautstärke zu trimmen. Heute werden die Zweiräder oft schon in Werksausführung mit der Möglichkeit zur ungedämpften Präsentation der überlauten Motorengeräusche ausgestattet", beklagt Gärtner.

"Wir als regionale Motorradtouristiker beziehen Stellung gegen solche Fehlentwicklungen, denn wir brauchen die Biker. Im Übrigen zählten sie zu jenen treuen Gästen, die in Zeiten von Corona als erste wieder den Weg in unsere Gastbetriebe fanden."

Was ist die Lieblingsstrecke des motorradelnden Hotelieres? "Nicht die B 276", stellt Gärtner klar. Er nutzt gerne kleine Sträßchen mit vielen Kurven ohne viel Verkehr. "Da gibt es jede Menge in Richtung Amöneburg oder Knüll sowie im Spessart." Wo wollte er immer schon einmal hinfahren? "Ich will über die Rhön nach Thüringen und Suhl", den Rennsteig anschauen sowie den Kaliabbau bei Merkers.

Früher war Motorradfahren männlich. Das hat sich geändert. Die Sozia von einst gibt jetzt auch mal Gas, die Auswahl leichter Maschinen mit niedriger Sitzbank ist groß. So fahren Ehefrau und Tochter von Gärtner eigene Motorräder. Gibt es im Landhotel Gärtner ein Motorradfahrergericht? "Currywurst war mal", inzwischen ist die Nachfrage sehr vielfältig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare