Die schwere Barbaraglocke ist wohl eine der ältesten Glocken in Hessen. FOTO: SF
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Die schwere Barbaraglocke ist wohl eine der ältesten Glocken in Hessen. FOTO: SF

Mittagsläuten in der Corona-Krise

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke-Atzenhain(sf). In der Corona-Krise haben die Kirchenglocken eine neue Bedeutung erlangt, denn sie läuten jetzt immer mittags. Die Kirche des Dorfes weist zudem gleich mehrere Besonderheiten auf, denn die Größte der Atzenhainer Glocken ist die Älteste des dreistimmigen Geläutes und stammt vermutlich aus der Bauzeit der Kirche. Vielleicht kam sie auch etwas später zum Geläute dazu. Diese Barbaraglocke könnte aus dem Jahr 1311 stammen. Ihr Name erinnert an das mögliche ursprüngliche Patrozinium der Atzenhainer Kirche, die zu einem offenbar spätestens seit dem Mittelalter nachzuweisenden Bergbaugebiet in der heimischen Region gehört.

Interessanterweise weist diese Glocke sogenannte Pilgerzeichen auf, die im Glockenguss zu erkennen sind. Darauf zu sehen ist die Heiltumsweisung zu Aachen und möglicherweise das Volto Santo zu Lucca. Damit sind zwei Pilgerorte angegeben, die für die damalige Zeit von besonderer Bedeutung waren. Ebenso sind auf der Glocke die Symbole der vier Evangelisten zu sehen: Ein Mensch oder Engel für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes. Neben weiteren Darstellungen auf der alten Glocke sind ein verziertes Kreuz und eine weitere Darstellung, welche die Heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute zeigen könnte, deren Attribut unter anderem ein Turm mit drei Fenstern ist, zu sehen.

Legende der heiligen Barbara

Die Legende besagt, dass Barbara als junge Frau während der Christenverfolgung von der Botschaft Jesu Christi hörte und zum Glauben an das Evangelium kam. Ihr heidnischer Vater sperrte sie daraufhin in einen Turm ein. Als Zeichen ihres Glaubens an den dreieinigen Gott ließ sie ein drittes Fenster in ihr Turmverlies einbauen. Selbst nach schrecklichen Folterungen, die sie von ihrem Glauben abbringen sollten, hielt sie an ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus fest und wurde schließlich von ihrem Vater enthauptet.

Eine schöne Tradition ist es, an ihrem Gedenktag, dem 4. Dezember, einen abgeschnittenen Obstbaumzweig im Haus in warmes Wasser zu stellen, damit er zum Weihnachtsfest blüht. Als Heilige der Alten Kirche der vorreformatorischen Zeit wird Barbara und der Barbaratag auch in vielen evangelischen Kalendern genannt. Zum Barbaratag wird inzwischen in der Atzenhainer Kirche ein adventlicher Abendgottesdienst gefeiert.

Neben ihren jüngeren Geschwistern, den weiteren Glocken aus den Jahren 1950 und 1961, ist seit Neuestem auch eine vierte kleine Schwester-Glocke zu hören, die Dennis Lenz zusammen mit Willi Hofmann für den Kindergottesdienst bereitgestellt hat. Die alte Barbaraglocke und die Kindergottesdienstglocke können beide auch manuell mit dem Seil geläutet werden. Aktuell läuten mittags um 12 Uhr alle Atzenhainer Glocken. "Wir stehen in vielerlei Hinsicht vor einer weltweiten Katastrophe. Viele beten in diesen Tagen und fragen nach Gott. Angesichts dieser weltweiten Not hat das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Franziskus, alle Christinnen und Christen zu einem weltweiten Gebetsnetzwerk aufgerufen", so berichtet Pfarrer Nils Schellhaas.

"Erstmals erklangen die Mittags-Glocken am 25. März. Gedacht wurde an die weltweite Verkündigung des Herrn, neun Monate vor dem Weihnachtsfest. "An diesem Tag denken wir an die Ankündigung des Erzengels Gabriel an Maria, dass sie einen Sohn empfangen soll. In der Hoffnung, dass zum Weihnachtsfest 2020 der Großteil der Corona-Krise hinter uns liegt, können auch wir Evangelischen mit beten", meint Schallhaas. Er sagt: "Wir wollen auf die Pandemie des Virus mit der Universalität des Gebets, des Mitgefühls und der Zärtlichkeit antworten. Lasst uns vereint bleiben. Lassen wir die einsamsten Menschen und diejenigen, die besonders hart geprüft werden, unsere Nähe spüren."

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