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Mit »Scanio« zum Lieblingsschuh

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Die App »Scanio« soll Schuhe scannen und das Internet nach Angeboten des Modells durchforsten können. © SCANIO

Dieses junge Gründerteam hat den Schuhmarkt ins Visier genommen. Mit ihrer App »Scanio« soll man ganz einfach Sneaker, die man irgendwo sieht und einem gefallen, scannen können - und die App zeigt an, wo es sie überall zu kaufen gibt. Die Jury beim Start-up-Weekend Mittelhessen in Gießen hat diese Idee überzeugt.

Sie sind auffällig durch schrille Farben oder dezent einfarbig, sie sind heute ein markantes Aushängeschild für den eigenen Modegeschmack. Der legere, sportliche Sneaker hat in den vergangenen Jahren vor allem durch soziale Medien und neue Berufe wie Influencer einen Hype erfahren wie kaum ein anderes Kleidungsstück. Um so manch limitierte Modelle werden regelrechte Kulte betrieben.

Diesen Trend wollen sich fünf Mittzwanziger zunutze machen. Thomas Hoppe, Fabian Fürsattel, Miriam Hampel, Paul Sommer und Tim Maibach haben beim Start-up-Weekend Mittelhessen in Gießen vergangenes Jahr die Idee »Scanio« entwickelt.

»See it, scan it, sneak it«

Das ist eine App, die mit moderner Mustererkennung über die Handykamera Schuhe scannen und das spezielle Modell erkennen kann. Sie durchforstet dann das Internet nach Angeboten, wo die Sneaker erhältlich sind, und listet sie auf. Das soll auch mit Screenshots von Schuhen funktionieren, die man in die App lädt.

Das Quintett, das sich über den Masterstudiengang Digital Business an der Technischen Hochschule Mittelhessen kennengelernt hat, hat eine kleine Marktanalyse unter Bekannten durchgeführt: 90 Prozent hätten schon mal Schuhe bei jemanden gesehen, die sie auch gern hätten. Die anschließende Suche im Netz sei oft erfolglos gewesen. Bei der Frage, ob sie an einer Lösung des Problems interessiert wären, hätten über 70 Prozent bejaht.

Aber warum eigentlich Schuhe? »Wir haben uns bei der Ideenfindung auch gefragt: Welche Produkte kann man eigentlich gut scannen, wo macht es Sinn?«, erklärt Maibach. Sneaker hätten optisch meist klarere Abgrenzungspunkte als andere Mode wie beispielsweise Handtaschen oder Hosen. Das mache es der Technik leichter, die Modelle zuzuordnen. »See it, scan it, sneak it« lautet daher ihr erster Werbeslogan - daraus entstand: »Scanio«.

2,5 Milliarden Euro Umsatz und 44,3 Millionen verkaufte Paar Sneaker in 2020 hierzulande, ein Plus von 1,6 Prozent zum Vorjahr. Das ist der Wachstumsmarkt, auf den das Team baut. Für ihr Geschäftsmodell haben sie Interviews geführt, um Zielgruppen zu definieren: Die erstrecken sich vom 15-jährigen Schüler, der sofort das neueste Modell haben möchte, bis zur 46-jährigen Mutter, die zwar gerne mit Freundinnen über Fashion plaudert, aber wegen der Familie wenig Zeit zum Shoppen hat. Darüber hinaus tragen den sportlichen Allrounder inzwischen ja auch Geschäftsführerinnen oder Chefs zur adretten Businesskleidung. So sind auch die fünf selbst modebewusst und teilweise »Sneaker-Freaks«, wie sie sagen. Fabian Fürsattel sei zum Beispiel der »Adidas-Typ«, während Paul Sommer fast nur Schuhe von Nike kaufe.

Der Scanner soll freilich nicht der einzige Service der App sein. Schuhliebhaber sollen sich hier ein eigenes Profil mit Vorlieben und einem digitalen Schuhregal anlegen können; über eine Community-Funktion können sich Nutzer dann über ihre Geschmäcker austauschen, Outfits posten und Inspiration holen; ein Fußscanner soll checken, ob das ausgewählte Modell eine geeignete Passform für den Fuß hat; und mittels Datenauswertung sollen Trends prognostiziert werden können.

»Scanio« sei allerdings noch in der Entwicklungsphase und sie selbst noch bei der Ideenfindung, sagt Fürsattel. So sei beispielsweise auch das »riesige Thema Nachhaltigkeit« für sie wichtig und eine mögliche Erweiterung - also Infos darüber, ob ein Schuh fair und umweltbewusst produziert worden ist.

50 Cent pro Klick auf ein Banner

Und wie wollen sie Geld verdienen? Zunächst mit 0,5 bis 2 Prozent Beteiligung an den Umsätzen, die über die App generiert werden, außerdem möchten sie rund 50 Cent für Werbebanner haben. Überdies wollen sie ihre Technologie und Datenbank lizensieren lassen, sodass andere Firmen sie gegen einen monatlichen Betrag für ihre Website oder App nutzen können.

Als Preis konnte sich das Gründerteam über Marketing-Workshops freuen, da sie beim Start-up-Weekend unter den drei Gewinnern waren. Bleibt abzuwarten, ob bald der oder die Schuhbegeisterte in der Familie von »Scanio« erzählt.

Ein Netzwerk für junge Start-ups in Mittelhessen sowie weitere Informationen gibt es im Internet auf foundershub-mittelhessen.de.

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