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Mieses Geschäft mit der Liebe

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Von: Redaktion

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Erst bauen Fremde mit ihren Opfern über das Internet Vertrauen auf - und versuchen dann mit fingierten Notfällen Geld abzukassieren. © DPA Deutsche Presseagentur

Auch im Vogelsberg werden Frauen Opfer von sogenannten Liebesbetrügern und verlieren oft viel Geld. Die modernen Heiratsschwindler pirschen sich über das Internet an ihre Opfer heran. Deren Scham, darauf hereingefallen zu sein, ist groß. Eine 40-Jährige aus dem Vogelsberg ging jetzt zur Polizei.

Derzeit schlagen sie besonders oft zu und nutzen dabei sehr geschickt auch neue Medien. Digitale Heiratsschwindler prellen ihre Opfer um hohe Geldbeträge. Den Geschädigten bricht nicht selten das Herz, sie kämpfen mit Scham und Selbstvorwürfen. Die Täter, die oft von Afrika aus agieren, müssen in der Regel keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Seit Jahren ist die Masche bekannt, aber immer wieder gehen den Tätern neue Opfer ins Netz, so wie dieser Tage im Vogelsbergkreis geschehen.

Über eine Flirt-App auf dem Smartphone nahmen Unbekannte Kontakt zu einer 40-jährigen Frau aus dem Vogelsbergkreis auf. Über mehrere Wochen hinweg gaben sich die Betrüger in den sozialen Netzwerken als attraktiver Mann aus, erschlichen sich das Vertrauen der Dame und täuschten schließlich eine Notsituation vor.

Die Vogelsbergerin glaubte den Schwindlern zunächst und überwies Geld an ein ihr unbekanntes Konto. Als die Betrüger die Frau schließlich erneut aufforderten einen Geldbetrag zu überweisen, erkannte die 40-Jährige den Betrug und erstattete Anzeige.

In diesem Zusammenhang warnt Ihre Polizei: Das Love- oder Romance-Scamming ist für die Betroffenen mit hohem emotionalem Stress verbunden. In Online-Partnerbörsen, Datingrooms oder auch in sozialen Netzwerken sind die Scammerinnen und Scammer auf der Suche nach potenziellen Opfern - und zwar einzig und allein mit dem Ziel ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die Schwindler geben sich als attraktive Männer oder Frauen jüngeren Alters aus und erwecken durch das Übersenden von gestohlenen Bildern und Videos in entsprechender Aufmachung. Frauen präsentieren sich häufig leicht bekleidet, Männer dagegen zeigen sich nicht selten in Uniform. In der Regel handelt es sich um gestohlene Fotos aus dem Internet mit Personen, die besonders vertrauenswürdig oder attraktiv aussehen.

Foto ist immer falsch

Bei den Opfern entsteht dann der Eindruck, es handle sich um eine tatsächlich existierende Person. »Weit gefehlt, die Person auf dem Bildmaterial ist definitiv nicht diejenige, die mit ihnen textet. Daher kommt es auch nie zu einem persönlichen Treffen,« warnt die Polizei. Um eine Vertrauensbasis zu schaffen, überhäufen Scammerinnen und Scammer ihre Opfer bereits früh und über einen langen Zeitraum hinweg mit Komplimenten und überschwänglichen Liebesbekundungen.

Wie man die Betrüger erkennt

Nicht selten dauern solche Phasen mehrere Wochen oder Monate an, bis schließlich die ersten finanziellen Notlagen vorgetäuscht und Bitten um Überweisungen von Geldbeträgen folgen. Und viele Leidtragende zahlen auch, schließlich sind sie zu diesem Zeitpunkt schon von ihrer Internet-Partnerin oder ihrem Internet-Partner emotional abhängig.

Bestehen die Betroffenen doch auf eine persönliche Geldübergabe, geben die vermeintlichen Liebhaberinnen und Liebhaber an, verhindert zu sein und schicken angebliche Vertrauenspersonen, die das Geld in Empfang nehmen und überbringen sollen. Durch das Phänomen Love-Scamming haben Betrügerinnen und Betrüger bis dato in der Region bereits Geldbeträge im hohen fünfstelligen Bereich ergaunert. Folgen, wie Rückzug aus der Gesellschaft und Schamgefühl bieten Betrügern eine Plattform. »Sprechen Sie offen über das Geschehene, jeder kann Opfer werden«, rät deswegen die Polizei. »Scheuen Sie sich nicht die Polizei zu verständigen, wenn Sie Zweifel haben oder bereits auf einen Betrug reingefallen sind«.

So erkennt man die Love-Scammer: Die erste Kontaktaufnahme findet über soziale Medien oder Dating-Plattformen statt, die meisten Betrüger kommunizieren in gutem Englisch oder Deutsch. Scammer überhäufen ihre Opfer bereits früh mit Komplimenten und überschwänglichen Liebesbekundungen.

»Sie haben den Verdacht, Opfer geworden zu sein? Das können Sie tun: Ignorieren: Gehen Sie nicht auf die Forderung ein und überweisen Sie auf keinen Fall Geld. Speichern Sie alle E-Mails und Chat-Texte als Beweise. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Brechen Sie jeglichen Kontakt ab«, raten die Experten.

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