Der Trend zum Elektroauto kommt auch im Vogelsberg an. Sabrina Röcker-Klos im Autohaus in Mücke-Bernsfeld mit einem Renault Zoe, der rein elektrisch angetrieben wird. FOTO: JOL
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Der Trend zum Elektroauto kommt auch im Vogelsberg an. Sabrina Röcker-Klos im Autohaus in Mücke-Bernsfeld mit einem Renault Zoe, der rein elektrisch angetrieben wird. FOTO: JOL

Mehr Stromer auf der Straße

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Elektro wird bei Autofahrern beliebter - auch dank staatlicher Förderprämien. Deshalb verkaufen sich VW ID3, der Renault Zoe oder Hybrid-Fahrzeuge immer besser. Im Vogelsberg, wo E-Mobile lange eine Seltenheit waren, kommt der Trend an, wie Händler bestätigen. Sie vermelden zufriedenstellende Verkaufszahlen im E-Bereich.

Der Elektro-Boom bei Pkw kommt mit Verzögerung im Vogelsberg an. Angesichts stark steigender Zahlen an Elektromobilen auf deutschen Straßen bewegt sich der Zuwachs im Kreis bei rund 200 bis Dezember vergangenen Jahres. Das ist im Vergleich zu den über 73 000 Autos ein Klacks. Allerdings bedeuten die 194 neuen E-Mobile eine Steigerung um deutlich über 100 Prozent. Ende 2019 hatten nur 138 E-Pkw ein VB-Nummernschild.

Es geht also voran, wenn auch langsam, wie Nadja Sütcü vom Autohaus Hofmann in Mücke sagt. Aktuell interessiert sich ein Kunde für ein E-Model des Fiat 500. In den letzten Monaten waren aber "hin und wieder" Interessierte in der Ausstellung. Denn trotz der Förderung von bis zu 9000 Euro kosten E-Mobile im Vergleich immer noch recht viel. Und dann ist die Reichweite begrenzt, was Pendler abschreckt. "Ich denke aber, das Thema wird im Vogelsberg mit Verzögerung kommen", sagt Sütcü.

"Es kamen deutlich mehr Anfragen" in den vergangenen Monaten, erläutert Sabrina Röcker-Klös im Renault-Autohaus Röcker in Bernsfeld. Infrage kommen die Fahrzeuge zum Beispiel für Menschen, die sich für einen Zweitwagen für eher kürzere Strecken interessieren. Immerhin "sieben bis acht" Fahrzeuge des Elektromodells Zoe haben die Röckers verkauft. Den Kleinwagen baut Renault bereits seit Jahren und er ist im Vergleich zu manchem Mitbewerber preiswert. "Gerade der Zoe geht momentan bundesweit durch die Decke", berichtet Röcker-Klös.

VW Up ausverkauft

Das bestätigt ein Blick in die Fachpresse, wonach bis November der Zoe das meistverkaufte E-Mobil in Deutschland war. In der Spitzengruppe sind noch der e-Golf und der ID 3 von VW, der Hyundai Kona und der Smart fortwo gelistet. Nach wie vor schwören aber die meisten Vogelsberger auf die klassischen Antriebe. So hat Röcker-Klös weiter viele Kunden, die Autos mit Benzin- und Dieselantrieb kaufen.

Durchaus zufrieden mit der Nachfrage nach Stromern und Plug-in-Hybriden ist Niklas Deisenroth von "Deisenroth und Söhne" in Alsfeld. Der Spezialist für VW und Audi profitiert von neuen Modellen. So war der VW Up elektro "innerhalb kürzester Zeit ausverkauft". Das kleine Fahrzeug war gefragt, weil eine hohe staatliche Förderung fließt. Auch der VW ID 3 mit seiner größeren Reichweite ist gefragt. Viele Kunden nutzen dabei Leasingangebote.

Andere leasen solch ein Fahrzeug, um über die Laufzeit von zwei Jahren auszuprobieren, ob es für die eigenen Bedürfnisse passt. Viele E-Mobilfahrer schaffen sich auch mit Förderung eine Ladesäule für das Haus an. Mit einer solchen "Wallbox" kann die Fahrzeugbatterie schneller aufgeladen werden.

Stark gefragt bei Privatkunden des Alsfelder Händlers ist der Audi A 3 mit Hybridantrieb. Geschäftskunden aus der Region greifen ebenfalls zu Hybrid-Modellen, weil die Reichweite größer ist.

Die Hybride sind besser als so mancher meint, betont der Geschäftsführer. Er hat es auf der Strecke zwischen Fulda und Alsfeld mit einem Audi A 8 mit 450 PS ausprobiert. Mit Stromunterstützung kam er auf 5,2 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer, "ein gutes Ergebnis". Manche Kunden würden unter zwei Litern bleiben.

Nachfrage zieht stark an

Der Vogelsberg spiegelt den bundesweiten Boom abgeschwächt wieder. So sind bundesweit 2020 über 150 000 Elektrofahrzeuge auf die Straße gekommen. Jedes zehnte neue Auto im November war ein Stromer. Die Bundesrepublik verzeichnete im Oktober 2020 mit einem Plus von 365 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat die europaweit höchste Zuwachsrate.

Auch beim Marktanteil reiner Elektroautos erreichte Deutschland im Oktober mit 8,4 Prozent einen europaweiten Spitzenwert. Bei Plug-in-Hybriden ist Deutschland mit einem Marktanteil von 9,1 Prozent ebenfalls Vorreiter.

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