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Mehr Schüler positiv getestet

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Die Zahl der an Covid-19 erkrankten Schüler nimmt auch in Gießen zu. Auch deshalb gibt es weiterhin mehrmals in der Woche Tests an den Einrichtungen - wie hier an der Ostschule. © SCHEPP

Die Omikronwelle macht sich auch in den Schulen in Gießen bemerkbar. Unter den Kindern und Jugendlichen steigen die Infektionszahlen. Deutlich wird jedoch: Die Schulen sind aktuell keine Hotspots.

Schulen sind kein abgeschirmter Ort. Erst recht nicht in einer Pandemie. Überall steigt die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Und natürlich ist diese Zunahme auch in den Schulen in der Stadt spür- und sichtbar. »Wir waren eine lange Zeit kaum betroffen«, sagt Barbara Burggraf, Leiterin der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden. »Aber mittlerweile haben wir in fast allen Stufen Fälle, und die Zahl steigt jeden Tag.«

Dies belegen auch die Zahlen, die das Staatliche Schulamt auf Anfrage dieser Zeitung nennt: Waren in der vergangenen Woche 147 Schüler betroffen, sind es in dieser Woche - Stand Freitagnachmittag - 337 Schüler. In beiden Wochen lag die Zahl der mit positivem PCR-Test bestätigten Fälle unter den Lehrkräften bei jeweils 13.

An der Integrierten Gesamtschule gibt es aktuell 20 mit einem positiven PCR-Test bestätigte Coronafälle unter den Schülern. Lehrkräfte, betont Burggraf, seien kaum betroffen. Bei den drei Mal in der Woche organisierten Tests an der BGS würden die wenigsten Schüler positiv getestet. »Eine Ansteckung«, betont Burggraf, geschehe »häufig durch Haushaltsangehörige«.

Kaum Lehrkräfte betroffen

Ähnliches beobachtet Dr. Frank Reuber, Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO). »Die Schule ist kein Hotspot, an dem sich die Kinder untereinander anstecken.« Das regelmäßige Stoßlüften und das konsequente Tragen von Masken trage sicherlich dazu bei. Reuber betont, dass Schüler, die wiederholt ihre Maske nicht richtig tragen (wollen), nach Hause geschickt werden. Trotzdem nehmen auch an der GGO die Coronafälle unter den Schülern deutlich zu. Seien es in der vergangenen Woche etwa fünf positive Schnelltests pro Tag gewesen, liege die Zahl nun bei zehn pro Tag, sagt Reuber - wovon aber einige durch den PCR-Test nicht bestätigt werden. Reuber ist aufgefallen, dass mehr jüngere Schüler aus der Sekundarstufe 1 von positiven Tests betroffen seien als die älteren aus der Sekundarstufe 2. »Vielleicht hängt das auch mit dem Impfstatus zusammen.«

Bei den Lehrkräften hingegen gibt es kaum Ausfälle. Und für Lehrerinnen oder Lehrer, deren Kinder in Quarantäne müssen, finde sich immer eine individuelle Lösung, betont der Schulleiter. »Ein formales Vorgehen ist in der aktuellen Situation schwierig, wir müssen immer den gesunden Menschenverstand zurate ziehen und Lösungen finden.« Eine Lösung ist für Reuber das Impfangebot an der Ostschule. Alle drei Wochen können sich Schüler, deren Angehörige und Interessierte an der Schule immunisieren lassen. In dieser Woche hätten 80 Personen das Angebot angenommen.

Für die nahe Zukunft wünscht sich Reuber vor allem Klarheit, wie es mit den PCR-Tests weitergeht: Werden sie wirklich nur noch für vulnerable Gruppen und bestimmte Berufsgruppen verwendet - oder werden weiterhin auch junge Menschen damit getestet? Gerade mit Blick auf die Tatsache, dass sich so mancher Schnelltest als falsch-positiv herausstellt, könnte diese Frage eine wichtige Rolle für die Schulen und die Teilnahme der Kinder und Jugendlichen am Präsenzunterricht haben.

Seine Kollegin vom Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG), Antje Mühlhans, begrüßt in diesem Zusammenhang die neue verkürzte Quarantänezeit. Die Schüler könnten so schneller wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Wer sich in Quarantäne befinde, könne seine Arbeitsaufträge weiterhin über den Schulserver abrufen. Auch am LLG steigen die Zahlen der an Covid-19 erkrankten Schüler. Aktuell gebe es 25 bestätigte, positive Fälle. Wie an den anderen Schulen auch sind kaum Lehrkräfte betroffen. »Ich habe das Gefühl, dass die Kollegen gelassener sind als vor einem Jahr«, sagt die LLG-Leiterin, »weil das Kollegium fast komplett geboostert ist.« In der aktuellen Situation seien trotzdem alle »hochsensibel«, gingen aber verantwortungsbewusst und diszipliniert mit der Situation um - gerade was die Hygienemaßnahmen angeht.

Festhalten am Präsenzunterricht

Dabei sei die Situation für alle nicht einfach. Mühlhans nennt zum Beispiel die drei Mal in der Woche in der Schule vorgenommen Antigentests. Die seien alternativlos, betont die Schulleiterin. Der dafür nötige Aufwand, den auch das Sekretariat stemme, sei jedoch enorm. So müssten die Tests dokumentiert und an das Staatliche Schulamt sowie das Gesundheitsamt weitergeleitet werden. Zudem falle den Lehrkräften, die in den ersten Stunden unterrichteten, durch die Testungen oftmals wertvolle Unterrichtszeit weg.

Trotz der nicht immer einfachen Umstände - steigende Infektionszahlen, ein sensibler Umgang mit an der Schule positiv getesteten Kindern und Jugendlichen, neuen Herausforderungen für Lehrkräfte und Schüler - scheint eine Rückkehr zum Distanzunterricht keine wirklich erstrebenswerte Option zu sein. Peter Güßfeld, Leiter der Ricarda-Huch-Schule, steht stellvertretend für seine Kolleginnen und Kollegen, wenn er sagt: »Gelernt haben wir in dieser Zeit, dass der Präsenzunterricht kaum zu ersetzen ist.«

Gleichzeitig unterstreicht GGO-Leiter Reuber, dass auch die Schüler gerne in die Schule kämen - alleine wegen der sozialen Miteinanders. »Sie brauchen Gesprächspartner, mit denen sie sich austauschen können.« Außerdem hätten sie weniger Angst davor, sich mit der Omikronvariante des Coronavirus anzustecken. Größer sei die Sorge, andere anzustecken. Vielleicht ist das bei allen Problemen und Sorgen ein tröstlicher Gedanke: Dass bei Kindern und Jugendlichen die soziale Einstellung, aufeinander achtzugeben, keine Eintagsfliege zu sein scheint.

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