Bei der Brücke über dem Seenbach wird der dritte Bogen (im Hintergrund zugewachsen) freigeschnitten und durchfließbar gemacht. FOTO: RS
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Bei der Brücke über dem Seenbach wird der dritte Bogen (im Hintergrund zugewachsen) freigeschnitten und durchfließbar gemacht. FOTO: RS

Mehr Natur, weniger Hochwasser

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Der Seenbach muss mit der Zeit gehen: Wegen des Eisenbahnbaues wurde er vor 150 Jahren begradigt, jetzt ist Renaturierung in Merlau angesagt. Das hat in der Bevölkerung die Angst vor Hochwasser begründet. Planer Jochen Karl erläuterte deshalb vor Ort, was geplant ist, und wie sich das auswirkt.

Das letzte große Hochwasser ist zwar 1995 gewesen, aber auch nach 25 Jahren haben die Merlauer Bedenken, wenn sie von Veränderungen am Seenbach hören. Denn bei extrem hohem Wasserstand sind Straßen nicht mehr passierbar, laufen Keller voll. Vor diesem Hintergrund ist das Schützenhaus beispielsweise aufwendig auf Stelzen gebaut worden. Jetzt bietet sich die Gelegenheit zur Renaturierung des Seenbaches auf einer Länge von mehreren Hundert Metern links und rechts der Brücke, denn die Kosten werden in Gänze vom Land übernommen. Planer Dr. Jochen Karl aus Staufenberg erläuterte bei einem Ortstermin dieser Tage das Vorhaben und die Auswirkungen.

"Vor 150 Jahren war hier alles noch Sumpf", leitete Planer Karl bei dem Ortstermin an der Ecke Schlossgasse und der Straße Ölberg in die Thematik ein. Deshalb habe es in unmittelbarer Nähe auch einmal ein Schloss sowie eine Burg gegeben, von denen es mit alten Wirtschaftsgebäuden nur noch wenige Reste gebe.

Beispiel Flensungen

Als Infrastrukturmaßnahme, die das Tal wesentlich verändert habe, nannte Karl die Eisenbahn, die im 19. Jahrhundert gebaut wurde. Wegen der Eisenbahn sei zur Sicherung der Bahndämme der Seenbach deutlich begradigt und vertieft worden, was die umliegenden Wiesen entwässert habe. Früher habe der Seenbach noch mehrere Läufe parallel gehabt, einer sei heute noch als Graben erhalten. Die Sorge der Bürger griff Karl auch gleich auf: "Wir machen jetzt die Renaturierung auch, um die Hochwassergefahr zu mindern." Oberhalb von Flensungen habe man solche Veränderungen bereits vor Jahren vorgenommen, und der Hochwasserschutz habe sich als sehr effektiv erwiesen. Was die Maßnahme in Merlau anlange, so würden die Eisenbahn und die Brücke in der Schlossgasse den Rahmen vorgeben. Die Sohllage des Seenbaches bleibe unverändert, an der Brücke würden die drei Bögen frei durchflutbar gemacht. Ein dritter kleiner Bogen zum Ort hin ist derzeit sehr zugewachsen. Es sei klar, dass die Brückenbögen frei gemacht werden müssten von Sträuchern, die gegebenenfalls Treibgut wie Bäume, Äste und Müll auffingen und so einen Rückstau begründeten. Außerdem werde das Gelände an einigen Stellen zum Bach hin abgesenkt und als Aue gestaltet. Das Absenken des Uferstreifens in einer Distanz bis zu zehn Meter vom Bachbett weg habe aber auch natürliche Grenzen, wenn man an den Bahndamm denke oder die mittlerweile sehr hohen Entsorgungskosten von Erdaushub. Als besondere Vorhaben nannte Karl eine Steilwand für den Eisvogel und Nisthilfen für Wasseramseln unter der Brücke. Von der alten Uferbefestigung würden Wasserbausteine entnommen und als Störsteine in das Bachbett gelegt. Diese würden ergänzt durch große Felsbrocken im Bachbett.

Gleichwohl werde das Fließprofil unter dem Strich verdoppelt oder gar verdreifacht, sicherte der Planer zu, nachdem Ortsbeiratsmitglied Ulf-Immo Bovensmann (FW) wegen des Themas Hochwasser nachgefragt hatte. Karl wies auch darauf hin, dass durch das Abgraben der Retentionsraum (Überschwemmungsraum, ohne Schäden zu bewirken) wesentlich vergrößert werde. Die Renaturierung bewirke somit auf keinen Fall eine Verschärfung der Hochwassersituation.

Ortsbeirat stimmt zu

Die Wasserqualität des Seenbaches ordnete Karl als sehr verbessert ein. Vor diesem Hintergrund gebe es Vorkommen der Bachmuschel offenbar nicht nur unterhalb von Freienseen, sondern auch oberhalb von Flensungen. Das sei eine große Überraschung gewesen. Allerdings sei im Zusammenhang mit dem Seenbach nicht nur Hochwasser zu nennen. In den vergangenen Jahren sei es auch immer wieder mal zum Trockenfallen gekommen. Das könne auch ein Problem für die Bachmuschel sein. Ob sie sich nach der Renaturierung bei Merlau ansiedele, sei völlig offen. "Die Bachmuschel braucht flachen Schlamm und keine Waschbären", fasste Karl zusammen.

Die ersten Bauarbeiten können noch in diesem Jahr beginnen. Sie sind naturgemäß sehr vom Wetter abhängig. Zur späteren Bepflanzung informierte Karl, dazu würden maximal Anstöße gegeben, die Wiesen würden Wiesen bleiben. Neu werde eine Sitzgruppe sein, an der auch einige Info-Tafeln über das Projekt und ein historischer Abriss aufgestellt würden.

Der Ortsbeirat befürwortete die vorgestellt Planung mit drei Jastimmen bei zwei Enthaltungen.

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