Günter Mest (l.) und Lothar Bott auf dem Gelände, auf dem die Solaranlage errichtet werden soll. FOTOS: JOL
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Günter Mest (l.) und Lothar Bott auf dem Gelände, auf dem die Solaranlage errichtet werden soll. FOTOS: JOL

Mehr Chancen auf Solaranlagen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Das war knapp: Kurz vor der Sommerpause hat der Bundestag den "Solardeckel" beseitigt. Ansonsten wäre der Ausbau von Fotovoltaikanlagen zum Erliegen gekommen, weil keine Einspeisevergütung mehr geflossen wäre. Das politische Gezerre in Berlin hatte Folgen für Projekte im Vogelsberg. Betreiber wie die Energiegenossenschaft Vogelsberg wollen bei Ulrichstein und Ehringshausen bauen.

Die erlösende Botschaft aus Berlin kam vor Kurzem, als der Bundestag den "Solardeckel" für neue Fotovoltaikanlagen abschaffte. Das hat auch im Vogelsberg massive Folgen, wie Projekte der Energiegenossenschaft Vogelsberg (EGV) in Ulrichstein und Gemünden zeigen. Bis vor Kurzem musste man fürchten, für Solarstrom keine Einspeisevergütung zu bekommen. Denn der Solardeckel besagt, dass diese wegfallen, wenn bundesweit eine installierte Leistung von 52 Gigawatt erreicht ist. Bei aktuell 50,4 GW blieb nicht viel Platz für neue Anlagen.

Davon sind zwei in der konkreten Phase, sagt EGV-Geschäftsführer Günter Mest. So soll dieser Tage in Schotten eine Fotovoltaikanlage ans Netz gehen. Die Module haben eine Leistung von 1,2 Megawatt und können etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen.

In Ulrichstein wird eine Freiflächen-Anlage auf der alten Erddeponie an der Straße nach Helpershain errichtet. "Im Juli beginnt der Bau", sagt Mest, die maximale Leistung der Anlagen liegt dort bei 1,5 MW. Zwei Monate Bauzeit sind vorgesehen. "Wir bieten den Menschen in der jeweiligen Standortkommune eine privilegierte Beteiligung in Form von Geschäftsanteilen oder Nachrangdarlehen an."

In Planung und bereits in den politischen Gremien Gemündens beraten ist eine größere Anlage bei Ehringshausen. Dafür existieren inzwischen sogar zwei Pläne - wegen des Solardeckels.

Pläne in Gemünden

"Bei Ehringshausen projektieren wir auf einer Fläche von drei Hektar", sagt Mest. Die ursprüngliche Planung sah vor, im Korridor der Bahntrasse eine Anlage mit der Maximalleistung von 750 Kilowatt-Peak (kWp) zu errichten. Denn im EEG wird unterschieden zwischen Anlagen bis 750 kWp und solchen, die mehr leisten. Wenn bis zu 750 kWp erzeugt werden, bekommt der Betreiber eine Einspeisevergütung laut EEG, und es galt der Solardeckel. Liegt die Leistung darüber, muss er eine Kalkulation bei der Bundes-Netzagentur einreichen, die macht eine Ausschreibung. Der günstigste Anbieter für die betreffende Anlage erhält den Zuschlag und damit die Vergütung für eingespeisten Strom.

Mit Blick auf die Unsicherheit, ob der Solardeckel aufgehoben wird, hat die EGV eine zweite Planung erstellt. Sie umfasst eine größere Anlage, die dann in das Ausschreibungsverfahren käme. Voraussetzung ist für beide Varianten ein Zielabweichungsverfahren, um Baurecht zu bekommen.

Lothar Bott, Gemündens Bürgermeister und Aufsichtsratsmitglied der EGV, erläutert, dass nach einer Bürgerversammlung sowie Beratung in Ortsbeirat und Gemeindevertretung ein städtebaulicher Vertrag vereinbart wurde. Allerdings muss die Umwandlung von landwirtschaftlicher Fläche in ein Areal zu Energieerzeugung im Regionalplan Mittelhessen berücksichtigt werden. Das Verfahren ist am Laufen. Mit dem Bau der Anlage könnte im Dezember begonnen werden, wenn das Wetter mitspielt.

Bott und Mest waren optimistisch, dass der Solardeckel aufgehoben wird. Immerhin war das in der Großen Koalition beschlossen worden, allerdings stand die Gesetzesänderung aus. Bei dem langen Planungszeitraum für Fotovoltaikanlagen ist eine solche Unsicherheit ein Problem. "Eine Aufhebung des Deckels erleichtert die Umsetzung von fünf bis sechs Projekten, die wir in der Pipeline haben", sagt Mest.

Bei der Wahl des Standorts ist zudem wichtig, dass in der Nähe ein Einspeisepunkt ins Stromnetz besteht, sagt Mest. "Sonst sind die Kabelwege einfach zu teuer."

Gewinne für Region

Bott und Mest verwiesen darauf, dass die Gewinne in der Region bleiben. Deshalb wurde die EGV gegründet. "Die Menschen haben die Möglichkeit, Geld anzulegen und einen guten Ertrag zu haben", sagt Bott. Dadurch kann man die Bevölkerung motivieren, die Anlagen in der Nähe zu dulden. Zudem verdienen Landwirte an Pachterlösen und Gemeinden an Steuern, betont Mest. So zahlt die EGV für Solar- und Windparks Gewerbesteuer vor Ort.

Auswärtige Investoren bauen Anlagen und verkaufen sie oft weiter. Bei jedem Verkauf können Verluste geltend gemacht werden, dann kommt bei der Kommune nichts an. Das gilt auch für Windkraftanlagen. "Wenn wir alle Windparks im Vogelsberg über hiesige Investoren wie z. B. die Energiegenossenschaft Vogelsberg betreiben und finanzieren würden, hätte der Vogelsberg sehr viel mehr davon", ist Mest überzeugt.

Von Rotoren im Staatsforst haben die betroffenen Kommunen nur selten etwas. "Die Standortkommunen sollten an den Erlösen beteiligt werden, wie in anderen Bundesländern auch", fordert Bott.

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